Masken vom Staat gestellt

COVID-19: Englands Apotheker dürfen auch ohne Rezept beliefern

Berlin - 24.03.2020, 07:00 Uhr

Auch in britischen Apotheken ist der Krisenmodus in Sachen Coronavirus angelaufen. Die Apotheker bereiten sich mit verschiedenen Maßnahmen vor. (Foto: imago images / ZUMA Wire)

Auch in britischen Apotheken ist der Krisenmodus in Sachen Coronavirus angelaufen. Die Apotheker bereiten sich mit verschiedenen Maßnahmen vor. (Foto: imago images / ZUMA Wire)


Auch in britischen Apotheken ist der Krisenmodus in Sachen Coronavirus angelaufen. Neue Services kommen dazu, andere werden heruntergefahren, um die Apotheker zu entlasten. Die Apotheker fordern mehr Geld vom Staat und denken darüber nach, sollte der Notstand eintreten, auch Apotheker und PTA zu mobilisieren, die derzeit nicht in der Arzneimittelversorgung tätig sind.

Der NHS England hat zwei neue Dienste der öffentlichen Apotheken auf den Weg gebracht, um dem Land bei der Bewältigung der Arzneimittelversorgung während der Covid-19-Pandemie zu helfen. Zum einen sollen Apotheker nun Patienten mit Medikamenten versorgen, deren Hausarztpraxis geschlossen hat, damit sie ihre Präparate weiterhin auch ohne Rezept erhalten können. Außerdem sollen Lieferung von Arzneimitteln an schutzbedürftige Patienten, die sich selbst isolieren oder COVID-19 haben, den Apotheken vergütet werden.

Services werden eingeschränkt und Pilotprojekte aufgeschoben

Im Gegenzug werden in der Krise bestimmte Dienstleistungen, wie etwa Medikationsreviews, in einigen Regionen eingeschränkt und neue Projekte aufgeschoben. Dazu gehören auch einige, die erst unlängst angekündigt worden waren, wie etwa der Hepatitis-C-Testdienst, und die Piloten zu Blutdrucktests, Raucherentwöhnung und Point-of-Care-Tests. Bestehende Pilotprojekte für Überweisungen von Hausärzten an den Community Pharmacist Consultation Service (CPCS) bleiben bestehen, werden jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht verlängert. Patienten, die mit Symptomen der oberen Atemwege an das CPCS überwiesen werden, sollen, auch wenn angenommen wird, dass es sich um COVID-19-Fälle handelt, erst in der Apotheke anrufen und sich zunächst telefonisch beraten lassen. Die Apotheker bekommen diese Dienstleistung vergütet, auch wenn der Patient nachher nicht mehr persönlich in der Apotheke zu erscheinen braucht. Medikamente sollen in solchen Fällen möglichst von jemand anderem abgeholt werden.

Apotheker fordern Finanzspritze

Das Pharmaceutical Services Negotiating Committee sorgt sich zunehmend um die Lebensfähigkeit des britischen Apothekensektors in der Krise. Es sei absolut notwendig, die Dienstleistungen zu schützen, die Apotheken derzeit anbieten, wurde der Pharmacy Ministerin Jo Churchill signalisiert. Um die Widerstandsfähigkeit des Sektors und der Lieferkette sicherzustellen und Schließungen zu verhindern, sei eine „erhebliche Geldzufuhr“ notwendig. Es brauche Gelder für die vereinbarten Zusatzleistungen, für die Finanzierung von Apotheken, die eventuell vorübergehend schließen müssten und zur Unterstützung des Cashflows während der Pandemie, beispielsweise aufgrund gestiegener Arzneimittelpreise. Weiterhin sei über COVID-19-Tests für medizinisches Personal und den Schutz des Apothekenpersonals überhaupt zu reden.

Schutzausrüstung an Apotheken verteilt

Die meisten Apotheken in England haben in der letzten Woche kostenlos eine begrenzte Menge an Schutzausrüstung erhalten. Diese ist nur für das Apothekenpersonal oder möglicherweise infizierte Apothekenkunden gedacht, die in den Apothekenräumen vorläufig isoliert werden. Die Ausrüstung darf nicht verkauft werden. Dazu gehören: ein Paket mit Atemschutzmasken (50 Stück), eine Rolle mit 200 Schürzen und eine Box mit 100 Paar Einmalhandschuhen. Die Local Pharmaceutical Committees haben bereits davor gewarnt, dass die Materialien nicht ausreichen könnten. Bei den Großhändlern sollen keine Lagerbestände mehr vorhanden sein. 

Keine Inspektionen mehr und neues Warnposter

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Maßnahmen, die für deutsche Kollegen von Interesse sein könnten:

(Foto: NHS)
  • Es gibt bereits Pläne, nach denen, sollte der Notstand eintreten, Arbeitskräfte für die Arzneimittelversorgung rekrutiert werden könnten, die derzeit nicht hierfür registriert sind. Dabei es um 2.700 Apotheker und 1.300 PTAs.
  • Nach einer Änderung der Falldefinition stellt Public Health England ein neues Poster für die öffentlichen Apotheken und Arztpraxen zur Verfügung. Dabei wird auf die Verknüpfung mit einer Reisehistorie in Risikogebieten oder Kontakt mit bestätigten Fällen verzichtet.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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