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Wie Forscher die Corona-Ausbreitung digital abbremsen wollen

Berlin - 18.03.2020, 07:00 Uhr

In Südkorea (hier ein Symbolbild) hilft eine Handy-App dabei, Infektionsketten des Coronavirus zu unterbrechen. Eine ähnliche App soll nun auch hierzulande auf den Markt kommen. (Foto: imago images / Tack)

In Südkorea (hier ein Symbolbild) hilft eine Handy-App dabei, Infektionsketten des Coronavirus zu unterbrechen. Eine ähnliche App soll nun auch hierzulande auf den Markt kommen. (Foto: imago images / Tack)


Die medizinische Hochschule Hannover entwickelt mit der Hamburger Firma Ubilabs eine Corona-App. Diese soll Nutzern aufzeigen, ob sie sich mit Infizierten über einen bestimmten Zeitraum gemeinsam an einem Ort aufgehalten haben. Grundlage hierfür sind freiwillige Datenspenden von Infizierten, die diese anonymisiert zur Verfügung stellen.

Wie ein unsichtbarer Feind greift das Corona-Virus in unser tägliches Leben und unsere Abläufe ein. Wir wissen nicht, ob uns vor ein paar Tagen ein Kunde, der das Virus in sich trägt, über die Ladentheke zu nahe gekommen ist. Wir können nicht abschätzen, ob wir uns bereits in der U-Bahn infiziert haben und selber zur infektiösen Risikogruppe zählen. 

Für mehr Klarheit soll eine neue Datenanalyseplattform und eine dazugehörige App sorgen. GeoHealth heißt das vom Mediziner Gernot Beutel von der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemeinsam mit der Firma Ubilabs aus Hamburg ins Leben gerufene Projekt. Die Idee ist, das Corona-Infizierte ihr Bewegungsprofil der vergangenen 14 Tage – natürlich freiwillig und anonym – zur Verfügung stellen. Diese Daten hat jeder, der ein Smartphone bei sich trägt und sich tracken lässt. 

Die Bewegungsprofile von Corona-Patienten werden auf einer Analyseplattform gespeichert. Mit Hilfe von Künstlichen Intelligenz (KI) und einer sich in Entwicklung befindlichen App können Nutzer eruieren, ob sie mit positiv getesteten Mitbürgern in einem gewissen Umfeld und zu einer bestimmten Zeit Kontakt gehabt haben. „Diese müssen ihre Daten jedoch nicht teilen, denn dieser Datenabgleich findet nur in ihrem Handy vor Ort statt“, so Beutel in einem Interview mit dem WDR. Aus Sicht des Datenschutzes ergäben sich laut dem Mediziner daher keine Fragen.

Beta-Version in Kürze auf dem Markt

Die Idee für eine Datenanalyseplattform, die mit einem GPS-Trackingansatz einen Verlauf von Epidemien exakter erfassen könnte, hat Beutel bereits Ende 2019 mit dem Ubilabs-Geschäftsführer Jens Wille entwickelt. Ubilabs hat daraufhin auf eigene Kosten eine erste Version der Datenanalyseplattform aufgebaut. Im Kontakt mit Jungunternehmer und Gesellschafter von IP-Gloves, Maxim Gleser, kam im Februar die Idee, dass Corona-Patienten ihre Bewegungsdaten über eine Smartphone-App anonym spenden könnten. Derzeit wird fieberhaft an einem Prototyp gearbeitet und das Entwicklungsteam hofft, in den nächsten ein- bis zwei Wochen eine Beta-Version in einem App-Store anbieten zu können.

Mehrzahl der Menschen würde Daten „spenden“

Dass diese App tatsächlich erfolgreich zur Eindämmung des Ansteckungsrisikos führt, basiert laut Beutel darauf, dass möglichst viele Menschen kooperieren. Eine Befragung seiner Studenten habe ergeben, dass 80 Prozent ihre Daten zur Verfügung stellen würden. Eine weitere öffentliche Umfrage über den Heise Verlag mit rund 2200 Beteiligten hat ergeben, dass knapp 75 Prozent ihre Daten für diesen Zweck „spenden“ würden. Dabei hält der Mediziner, laut WDR-Interview eine Verpflichtung nicht für den richtigen Weg. „Wir sind in einer Krise, die wir als Chance nutzen können. Es ist unsere Verantwortung in der Bevölkerung zu sagen, ich gebe meine Daten frei, vertraue darauf, dass der Datenschutz eingehalten wird, aber sehe mich auch in der Selbstverpflichtung.“

Dieses System könne vermutlich deutlich schneller eine positive Wirkung auf die Eindämmung des Virus haben, als die bisherigen Interviewverfahren der Infizierten, beispielsweise vom Robert-Koch-Institut. Es könne den Maßnahmenkatalog vom Bundesministerium für Gesundheit und dem Robert-Koch Institut sinnvoll ergänzen. Daher wünscht sich Dr. Gernot Beutel, dass die Behörden, die er bereits kontaktiert hat, auf ihn zukommen, um die App gemeinsam mit der Bevölkerung zu entwickeln.

Südkorea als Vorreiter

Südkorea, das vom Ausbruch des Coronavirus ebenfalls betroffen ist, stellt seiner Bevölkerung bereits eine ähnliche App zur Verfügung. Grundlage hierfür ist die Verpflichtung jedes Infizierten, dies zu melden. So sind beispielsweise die GPS-Standorte von Personen, die für COVID-19 bestätigt wurden, in einer App verfügbar. Laut CNN rankt diese App schon auf Platz sechs der Top-Apps und wird stündlich von rund 20.000 Menschen heruntergeladen. Südkorea gilt mit dieser und weiterer drastischer Maßnahmen als weltweites Vorbild im Kampf gegen Corona.In der Tat steigt die Zahl der Neuinfektionen in Südkorea sehr viel langsamer an als hierzulande.



Mareike Spielhofen, Autorin, DAZ.online
daz-online@deutscher-apotheker-verlag.de


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3 Kommentare

Corona ... mehr Wegweiser als Virus ... alles wird gut?

von Christian Timme am 18.03.2020 um 8:45 Uhr

Politik kennt wieder Grenzen, Apotheker sind wieder in, Straßenfeger Homeoffice, ohne Atome keine Digitalisierung ... kein schlechter Neuanfang ... ach ... schon wieder Wahlzeit ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Corona ... mehr Wegweiser als Virus ...

von Uwe Bessler am 22.03.2020 um 20:48 Uhr

Was möchten Sie eigentlich mit diesem geistigen Müll aussagen.

AW: Corona ... mehr Wegweiser als Virus ...

von Christian Timme am 22.03.2020 um 23:33 Uhr

Sehr geehrter Herr Bessler, das wird sich Ihnen auch in Zukunft entziehen ... und das ist gut so ...

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