Coronavirus

Corona-Update: Wie weit ist die Forschung?

Berlin - 12.03.2020, 11:00 Uhr

Das Spike-Protein des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 scheint zur Adsoprtion auch an die ACE2-Rezeptoren zu binden. Viele Ansätze für neue Wirk- und Impfstoffe konzentrieren sich auf das Glykoprotein auf der Virusmembran. (s / Foto: imago images / StockTrek Images)

Das Spike-Protein des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 scheint zur Adsoprtion auch an die ACE2-Rezeptoren zu binden. Viele Ansätze für neue Wirk- und Impfstoffe konzentrieren sich auf das Glykoprotein auf der Virusmembran. (s / Foto: imago images / StockTrek Images)


Neue Impfstoffe maximal in einem Jahr

„Aktuell haben 35 Impfstoffentwickler ihre Platt­for­men auf das Coronavirus umgestellt“, sagte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Das Robert Koch-Institut (RKI) verwies darauf, dass derzeit klinische Studien mit Impfstoffen gegen MERS-CoV liefen – einem nahen Verwandten von SARS-CoV-2. Ein solcher Impfstoff wurde beispielsweise auch am DZIF entwickelt. Darauf will man jetzt aufbauen: Unter der Leitung von Professor Gerd Sutter, Virologe an der LMU München, wird beispielsweise ein Impfstoff entwickelt, der auf dem „Modifizierten Vacciniavirus Ankara“ (MVA) als Vektor basiert. „Wir bauen darauf, dass wir die MVA Plattform wie bei MERS verwenden können und nur die genetische Information für das Oberflächenprotein des SARS-CoV-2 einbauen müssen“, erklärt Sutter.

Die genetische Konstruktion des Impfstoffes und die ersten Produktionsschritte seien in etwa sechs bis acht Wochen abgeschlossen, prognostiziert Professor Stephan Becker von der Universität Marburg. Er ist der Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“. Das entstandene Impfvirus dringt dann bei einer Impfung in die Zellen ein und synthetisiert das Spike-Protein, das vom Immunsystem als „fremd“ erkannt wird und damit die Immunantwort stimuliert. Es werden spezifische Antikörper und T-Zellen gegen das Spike-Protein gebildet, die dann eine spätere Infektion mit dem Virus verhindern sollen. Doch auch wenn diese ersten Produktionsschritte so ablaufen wie erhofft, wird ein Impfstoff in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Da sind die Wissenschaftler sich einig.

In Deutschland findet Impfstoffentwicklung außerdem bei der CureVac AG im Rahmen der „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI) statt. CEPI ist eine öffentlich-private Partnerschaft, in der sowohl staatliche Förderer als auch Stiftungen, Forschungseinrichtungen und Pharma-Unternehmen zusammenarbeiten. Deutschland ist Gründungsmitglied und fördert CEPI seit 2017 mit insgesamt 90 Millionen Euro. In enger Abstimmung mit der WHO hat CEPI sich zum Ziel gesetzt, einen ersten Impfstoff innerhalb weniger Monate in die klinische Erprobung zu bringen. Auch bei CureVac setzt man auf eine mRNA-Plattform und plant, bereits im Frühsommer 2020 mit den klinischen Studien beginnen zu können. Zwei primäre Studienzentren seien bereits identifiziert und in Vorbereitung, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Im April soll in den USA eine erste klinische Studie der Firma Moderna in Zusammenarbeit mit dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) anlaufen. Bei dem Impfstoffkandidaten „mRNA-1273“ handelt es sich ebenfalls um eine Sequenz, welche für das Spike-Protein codiert, aber von einem lipiden Nanopartikel umhüllt ist. Es werde aber mindestens zwölf bis 18 Monate dauern, um zu wissen, ob der Impfstoff von Moderna — oder irgendein anderer — sicher und wirksam ist, betonte Anthony Fauci, langjähriger Leiter des NIAID. Außerdem forschen das in Pennsylvania ansässige Biotec-Unternehmen Inovio an einem DNA-Impfstoff und eine Arbeitsgruppe an der University of Queensland an einer rekombinanten Version des Erregerproteins. Alle drei Projekte stehen in Kooperation mit CEPI.

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Svea Türschmann
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Fakten und Versäumnisse

von sbreckle am 11.04.2020 um 14:39 Uhr

Es wäre sicher hilfreich sich mal in Ruhe den Kommentar durchzulesen auf dem folgenden LINK:
https://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zukünftigen-politischen-entscheidungen/
Dass selbst in Mitteleuropa ohne Trumpeltiere solche Versäumnisse vorliegen, ist erschreckend.

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Mundschutz verbessern

von sbreckle am 09.04.2020 um 17:04 Uhr

Ein normaler Textil-Mundschutz hilft nur bedingt, aber auch ein 30% oder nur 20% besserer Schutz ist besser als Null (siehe Ostasien). Das Virushülle ist lipophil (?9, läßt sich durch Seife spalten, wie wäre es einen normalen Mundschutz mit Einsprühen zB mit Sonnenöl_Emulsion oder Silikonöl-Emulsion eine lipophile Oberfläche zu schaffen. Würden dann deutlich mehr Virus-Partikel zurückgehalten?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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