Zuverlässig oder nicht

Corona: Was taugen Schnelltests auf Antikörperbasis?

Stuttgart - 11.03.2020, 11:15 Uhr

Aktuell vermarktete Schnelltests suchen nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern. Antikörper sind bei Virusinfektionen wie mit dem SARS-CoV-2 in der Regel jedoch erst 14 Tage nach Krankheitsbeginn nachweisbar. (s / Foto: PharmACT )

Aktuell vermarktete Schnelltests suchen nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern. Antikörper sind bei Virusinfektionen wie mit dem SARS-CoV-2 in der Regel jedoch erst 14 Tage nach Krankheitsbeginn nachweisbar. (s / Foto: PharmACT )


Auf Infektionen mit SARS-CoV-2 wird derzeit standardmäßig mittels PCR getestet. Nachgewiesen wird dabei das Virus selbst, was einen Nachweis bereits in einem sehr frühen Stadium der Infektion erlaubt. Allerdings werden mittlerweile auch antikörperbasierte Schnelltests beworben. Experten sehen diese allerdings sehr kritisch.

„Lediglich zwei Tropfen Kapillarblut aus der Fingerspitze auf eine Testkassette gegeben. Innerhalb von nur 20 Minuten detektiert der Test die Immunglobuline IgM und IgG, die sich bei einer Infektion mit dem Coronavirus im Blut der Betroffenen befinden. Durch die einfache Handhabung erlaubt der Schnelltest eine sichere Diagnose – ohne Labor oder entsprechende Ausrüstung.“ Das war vergangene Woche in einer Pressemitteilung der auf die Herstellung von Schnelltests basierten Firma PharmACT zu lesen. Konkret geht es dabei um einen Schnelltest auf das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, der eine Alternative zum aktuellen Standardtest, dem Virusnachweis mittels PCR, darstellen soll. Ein positiver IgM-Wert soll demnach auf eine Infektion in der Frühphase (4 bis 10 Tage) hindeuten und ein positiver IgG-Wert auf eine spätere Phase der Erkrankung (ab 11 Tagen). Der Test richtet sich allerdings nicht direkt an Patienten, sondern ist nur für die Verwendung durch medizinisches Fachpersonal bestimmt. Zudem soll laut Gebrauchsanweisung zur Bestätigung ein „Nukleinsäuretest durch ein qualifiziertes medizinisches Labor ausgewertet werden“.

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So funktioniert der Test

Der Test basiert auf der kolloidalen Goldmethode und soll sich laut Hersteller zur qualitativen in-vitro-Bestimmung der Konzentration von SARS-CoV-2 IgM / IgG-Antikörpern in menschlichem Blut, Serum oder Vollblut eignen,. Das  chemische Kopplungspad enthält dabei goldmarkierte SARS-CoV-2-Antigene und Maus-IgG- Kontrollen. Auf dem Teststreifen befinden sich zwei Detektionsstreifen IgM und IgG, die mit Maus-Anti-Human-IgM- bzw. IgG-Antikörpern beschichtet sind. Die Kontrollstreifen (C) sind mit einem Ziegen-Anti-Maus-IgG-Antikörper beschichtet. Wird eine Probe in den Probenaufgabebereich gegeben, die die gesuchten Antikörper enthält, wird ein Immunkonjugat mit den goldmarkierten Antikörpern gebildet. Das bewegt sich dann durch Kapillarwirkung in die Nachweiszone. Der Immunkomplex wird dann von  Maus-Anti-Human-IgM- und IgG-Antikörpern eingefangen, die  auf der Cellulosenitrat Membran vorfixiert sind und in der Nachweiszone einen violett roten Streifen bilden (IgM- und IgG-Linien). Die Intensität der Detektionsstreifen steigt proportional zur Antiköpertonzentration. Währenddessen fließt goldmarkiertes Avidin vom chemischen Kopplungskissen in den Kontrollbereich und wird von dem vorfixierten A-Ziegen-Anti-Maus-IgG-Antikörper gefangen, um den Kontrollstreifen zu aktivieren. (Quelle: Gebrauchsinformation) 

„Antikörper-Schnelltest kann noch negativ sein, die Person aber bereits hoch infektiös sein“

Der Berufsverband der Akkreditierten Medizinischen Labore in Deutschland (ALM) und der Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie (BÄMI) warnen hingegen vor Schnelltests zum Nachweis von SARS-CoV-2. In einer Pressemitteilung hieß es, der Einsatz so genannter Schnelltests, sei der falsche Ansatz. Denn: „Aktuell vermarktete Schnelltests suchen nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern“, wird Dr. Daniela Huzly, Bundesvorsitzende des Berufsverbands der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zitiert. „Antikörper sind bei Virusinfektionen wie mit dem SARS-CoV-2 meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Für SARS-CoV-2 liegen noch gar keine gesicherten Erkenntnisse hierzu vor“, so die Ärztliche Leiterin der Diagnostik im Institut für Virologie, Universitätsklinikum Freiburg. 

Zudem sei völlig ungeklärt, ob ein positiver Antikörpertest nicht durch eine frühere Infektion mit einem anderen Coronavirus verursacht sein könnte, heißt es weiter. Daher benötige jeder „Schnelltest“ die Bestätigung durch einen PCR-Test aus einem Abstrich. Denn nur der Nachweis von SARS-CoV-2 selbst lasse zuverlässig den Rückschluss zu, dass eine Person zum Zeitpunkt der Untersuchung auch infiziert sei, heißt es. Die Schnelltests würden mit der hohen Sicherheit bei negativen Ergebnissen beworben, dabei könne der Antikörper-Schnelltest noch negativ, die Person aber bereits hoch infektiös sein und im PCR-Test positiv getestet werden. Hier würden Patientinnen und Patienten in falscher Sicherheit gewogen, kritisieren die Experten.

Hoffnung auf Antigentest

Auch Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, hält wenig von den Antikörpertest – laut Ärzteblatt ebenso wenig wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung, derzufolge der „Schnelltest“ nicht den Erregernachweis durch einen PCR-Test aus einem Abstrich ersetzen kann: „Die Serokonversion tritt bei SARS-CoV-2 etwa nach gut der ersten Woche ein. Das ist fast eine Woche früher als bei SARS damals“, ist im Ärzteblatt zu lesen. Die kritische Phase in der breiten Testung sei jedoch während der frühen Infektiösität – hier sei der Antikörpertest negativ und könne eine PCR nicht ersetzen.

Drosten setzt demnach seine Hoffnung auf einen neuen Antigentest, der in den kommenden Wochen zum Einsatz kommen könnte. Dieser Test soll einem Schwangerschaftstest ähneln und auf einer Immunchromatografie basieren.

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3 Kommentare

Wie lange ist die erblast des Corona Virus nachweisbar?

von Thomas Grimberg am 23.03.2020 um 11:32 Uhr

Wer weiss Rat?

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Wie lange ist die erblast des Corona

von justnils am 23.03.2020 um 15:54 Uhr

Genau das Frage ich mich auch!

AW: Wie lange ist die erblast des Corona

von Julian am 26.03.2020 um 20:38 Uhr

Was ist Erblast? Wie lange das Erbgut des Virus nachweisbar ist? Die RNA („Erbgut“ des Virus) ist so lange nachweisbar, wie sich Viren in / an infizierten Zellen befinden, und das hängt davon ab, welche Zellen wo infiziert sind (Schleimhäute Nase/Rachen/Bronchien, aber auch Darmepithelien sind anfällig dafür). RNA ist lange im Stuhl nachweisbar. Nach Abklingen der Symptome wird per Abstrich gar nix mehr gemessen, dann kann aber ein Antikörper-Schnelltest (auf Immunchromatographie basierend, wie oben beschrieben) mit hoher Sensitivität und ganz passabler Spezifität den ausschlaggebenden Hinweis liefern!
Diese Tests sind haben also, sofern SINNVOLL eingesetzt, durchaus ihre Berechtigung!

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