Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 5

Zuckerfrei und trotzdem süß: Zuckeraustauschstoffe

Stuttgart - 18.02.2020, 17:55 Uhr

Enthalten Lebensmittel mehr als 10 % Süßungsmittel (bezogen auf das Gesamtgewicht), ist ein Hinweis auf die abführende Wirkung verpflichtend. (Foto: Hinger)

Enthalten Lebensmittel mehr als 10 % Süßungsmittel (bezogen auf das Gesamtgewicht), ist ein Hinweis auf die abführende Wirkung verpflichtend. (Foto: Hinger)


„Zuckerfrei“ und „zahnschonend“

Bonbon-, Pastillen- und Kaugummihersteller bewerben ihre Produkte auf der Verpackung als „zuckerfrei“, „ohne Zucker“ und „zahnschonend“. Der Hinweis „mit Süßungsmittel(n)“ ist nur für die Zutatenliste verpflichtend. Was die Nährwerttabelle („Big Seven“) betrifft, so fließen die Zuckeraustauschstoffe dort nur in den Stichpunkt „Kohlenhydrate“ ein. Sie gelten nicht als Zucker. Ein ausschließlich mit Sorbit oder Isomalt gesüßter Bonbon hat bei Zucker also eine Null stehen. Manche Hersteller fügen in der Zeile unter der Zuckerangabe freiwillig den Stichpunkt „Mehrwertige Alkohole“ ein. Das ist nicht vorgeschrieben, aber eine wertvolle Information für den aufgeklärten Verbraucher!

Enthält ein Produkt Zuckeraustauschstoffe in Höhe von über 10 % des Gesamtgewichts, so ist ein Warnhinweis auf die abführende Wirkung verpflichtend. Auf der Packung muss stehen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“ Wenn zum Beispiel Bonbons lose verkauft werden, so muss der Verbraucher durch ein Schild auf die Süßungsmittel hingewiesen werden, gegebenenfalls muss auch ein Warnhinweis entsprechend öffentlich sichtbar sein.

Vielseitiges Sorbit

Sorbit dient nicht nur als Süßungsmittel, sondern ist außerdem ein bewährtes Feuchthaltemittel, zum Beispiel in Zahnpasta, aber auch in Lebensmitteln wie Kaugummi, Pralinenfüllungen und weichen Gebäckarten. Wenn es in einem Produkt diese Funktion ausübt, ist es auf der Zutatenliste entsprechend angegeben. In Speiseeis-Rezepturen wird Sorbit verwendet, um den Gefrierpunkt herabzusetzen.

Keineswegs ist Sorbit nur ein industriell eingesetzter Zusatzstoff, es kommt auch natürlicherweise in manchen Obstsorten vor, zum Beispiel in Pflaumen, Birnen, Pfirsichen, aber auch Äpfeln und Trauben. Besonders Trockenfrüchte haben prozentual gesehen aufgrund des Wasserverlustes einen verhältnismäßig hohen Sorbit-Gehalt. 

Werden diese Früchte mit ihrem natürlichen Sorbit-Vorkommen weiterverarbeitet, muss auf der Packung kein Hinweis auf Sorbit stehen. Denn es wurde ja nicht als Substanz zugesetzt. Auch andere Stoffe aus der Zuckeralkohol-Familie, wie Mannit, Lactit, Isomalt, Xylit, Maltit und Erythrit, kommen natürlicherweise in Obst und Gemüse vor. So enthalten zum Beispiel Champignons ganz geringe Mengen an Mannit.

Der Darm streikt

Auch Menschen mit einer kerngesunden Verdauung bekommen Beschwerden wie Blähungen und Durchfall, wenn sie mehr als 50 Gramm Sorbit pro Tag zu sich nehmen. Empfindliche Personen können schon bei Mengen ab 5 Gramm (oder sogar weniger) unter Bauchkrämpfen leiden.

Sorbit wird zumindest teilweise aus dem Dünndarm resorbiert, die unresorbierten Mengen wandern weiter in den Dickdarm, wo sie bakteriell zersetzt werden. Aufgrund seiner hygroskopischen Eigenschaften zieht unverstoffwechseltes Sorbit Wasser in den Darm und löst so Durchfälle aus. Menschen, die auf Sorbit sehr empfindlich reagieren, vertragen häufig auch keine anderen Zuckeraustauschstoffe. Sie sollten auf „zuckerfreie“ Bonbons, Kaugummis, Lutschtabletten besser verzichten und bei Bedarf auf die Varianten mit normalem Zucker zurückgreifen.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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