Jens Spahn zum E-Rezept

„Bei der Digitalisierung geht es auch um die Selbstbehauptung Europas“

Berlin - 13.02.2020, 13:45 Uhr

Jens Spahn in der estnischen Botschaft: „Estland beeindruckt bei der Digitalisierung wie wenige andere Länder in Europa und auf der Welt“. (m / Foto: DAZ.online)

Jens Spahn in der estnischen Botschaft: „Estland beeindruckt bei der Digitalisierung wie wenige andere Länder in Europa und auf der Welt“. (m / Foto: DAZ.online)


Gematik-Chef will Wettbewerb ermöglichen

Anschließend sprach Dr. Markus Leyck Dieken – auch zum Thema E-Rezept. Zur Erinnerung: Die Gematik entwickelt derzeit die ersten Spezifikationen für die flächendeckende Einführung des E-Rezeptes und will diese bis zum 30. Juni dieses Jahres veröffentlichen. Außerdem soll die Gematik – laut Plänen des Bundesgesundheitsministeriums – den Auftrag erhalten, eine Standard-App für die Nutzung des E-Rezeptes zu bauen – genau die Applikation, die eigentlich die ABDA für das gesamte Gesundheitssystem exklusiv anbieten wollte.

Leyck Dieken erklärte am gestrigen Mittwoch, dass die Gematik inzwischen mehr als 700 Kommentare zu den ersten Ideen des E-Rezeptes der Gematik erhalten habe. „Es ist jetzt unsere Aufgabe, herauszufiltern, ob das interessengeleitete oder sinnvolle und neutrale Kommentare sind.“ Leyck Dieken stellte auch klar, dass die Gematik nur eine Art „Türsteher“ beim E-Rezept sein werde. „Die Gematik wird die wichtigsten Standards festlegen und eine Standard-Lösung anbieten, alles andere dahinter soll dem Wettbewerb überlassen werden.“ Dem ersten Entwurf des Patientendatenschutz-Gesetzes zufolge soll die Gematik-App für das E-Rezept die Möglichkeit eröffnen, dass Patienten ihre E-Rezepte auch an andere Anbieter weiterleiten können, Beispiel dafür könnten dann die App der Apothekerschaft oder auch von Versandapotheken sein.

Zudem kündigte Leyck Dieken an, dass er beim E-Rezept schnell für eine Interoperabilität innerhalb Europas sorgen wolle. Unter einzelnen Ländern können E-Rezepte schon ausgetauscht werden, etwa zwischen Finnland und Portugal. „Wir haben die Gematik bislang nur mit deutschen Ansätzen aufgebaut. So können wir nicht weitermachen. Wir müssen international werden und uns mehr internationalen Wettbewerb ins System holen.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

mehr Wettbewerb

von Karl Friedrich Müller am 13.02.2020 um 15:36 Uhr

ist eine Phrase, die nur bedeutet:
Verschlechterung für die Anbieter
Verschlechterung für den Verbraucher
viel Nutzen für Konzerne.
Also das Gegenteil, durchgesetzt mit dem Monopol von Spahn.
Volksverdummung.

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Alles klar, der Chef hat ein Smartphone, kritisiert aber Google & Co. ...

von Christian Timme am 13.02.2020 um 14:27 Uhr

... Herr Dieken macht den „Türsteher“ ist aber gleichzeitig für mehr Wettbewerb an dem er gerne europaweit teilnehmen möchte ... mit einem Gematik-Monopol wo Spahn die Mehrheitsstimmen hat ... man sich aber für das System mehr Wettbewerb wünscht ... nur nicht für die Gematik. Endlich hab ich’s kapiert ... also in meinem nächsten Leben ... werde ich Gesundheitsminister ... oder ich geh gleich zum EuGH ...

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