Ein Jahr Securpharm

Noch immer zu viele Fehlalarme

Berlin - 07.02.2020, 17:45 Uhr

Falsch konfigurierte Scanner können zu Fehlalarmen führen. (m / Foto: tradol / stock.adobe.com)

Falsch konfigurierte Scanner können zu Fehlalarmen führen. (m / Foto: tradol / stock.adobe.com)


Die Ursachen von Fehlalarmen

Bergen verschweigt nicht, dass es im vergangenen Jahr auch Beeinträchtigungen gab. Unvergessen ist der 8. August vergangenen Jahres als der Server über mehrere Stunden nicht erreichbar war. Mehr als 16 Länder waren damals betroffen, rund 80 Prozent des Marktes. Grund war die Fehlbedienung einer Systemkomponente. Auch hier habe man den Fehler gefunden und abgestellt, so Bergen. Seitdem habe es ein solches Vorkommnis nicht mehr gegeben. Der Securpharm-Geschäftsführer räumt aber ein: Für die Nutzer, nicht zuletzt die Apotheken sind solche Ausfälle eine echte Belastung. „Das ist nicht schön und wir stecken viel Energie rein, dass das System stabiler wird“, verspricht er.

Noch liegt die Quote der Fehlalarme bei 0,42 Prozent (KW 3/2020). Das klingt wenig – auch im Vergleich zu den 4,9 Prozent der Anfangszeit. Aber: Dahinter stecken täglich 15.000 bis 20.000 Alerts. Und das, so Bergen, ist eindeutig noch zu viel. Diese Fehlalarme haben unterschiedliche Ursachen. Es kann eine Fehlkonfiguration von Soft- und Hardware sein. Ein Beispiel hierfür ist, dass der Scanner versehentlich Klein- und Großschreibung nicht unterscheiden kann oder auf eine englische Tastatur eingestellt ist, sodass z und y verwechselt werden. Um solche Fehler zu vermeiden hält Securpharm einen Scanner-Test parat, über den jeder Nutzer seinen Scanner ausprobieren kann. 

Ein weiterer Grund für einen Fehlalarm kann eine fehlerhafte Bedruckung der Packung sein. So kommt es vor, dass der Data-Matrix-Code einfach schlecht oder verwischt gedruckt ist oder spiegelt. Es können auch Bugs in den Systemen schuld am Alarm sein. Das System kann sich überdies in einer Weise verhalten, die man nicht vorsah – einfach, weil es so hochkomplex ist. Handhabungsfehler wie eine versehentliche doppelte Ausbuchung sind eine weitere mögliche Ursache von Fehlalarmen. Ebenso ein fehlender und unvollständiger Daten-Upload durch den Hersteller. Letzteres sei vor allem anfänglich öfter vorgekommen, werde nun aber immer weniger, so Bergen.

Tatsache ist: Im ersten Betriebsjahr fand sich in ganz Europa erst eine einzige Fälschung über das neue Schutzsystem. Es tauchte in den Niederlanden auf und war für den ostdeutschen Markt bestimmt. Der Apotheker, bei dem es Alarm schlug, untersuchte die Packung genauer und meldete sie seiner Aufsicht. Nun kann man sich fragen, ob dort, wo eine Fälschung ist, nicht auch noch mehr sein müssten. Doch bislang ist offenbar keine weitere aufgetaucht.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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4 Kommentare

Securpharm

von Josef Lemke am 09.02.2020 um 18:33 Uhr

Man kann nur zustimmen: Schafft diesen Irrsinn doch endlich ab!

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Securpharm

von Scarabäus am 09.02.2020 um 10:29 Uhr

1 Fälschung in 12 Monaten... Hier sieht man, dass es nicht um Sicherheit sondern um Totalüberwachung der Apotheken geht: Wurde der Herstellerabschlag richtig berechnet, wurde substituiert oder gestückelt?! Werden alle Packungen offengelegt usw. Orwell lässt grüßen!

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Spätkapitalistische Bullshitjob-Maschine

von Armin Heller am 08.02.2020 um 20:04 Uhr

Gibt es eine andere Branche als das Apothekenwesen auf dessen Boden die Bullshitjobs besser gedeihen? QMS-Zertifizierung, Präqualifizierung, Datenschutzbeauftragte, Homöopathie, Pharmakopöen-, und Gesetzestext-"Updates" und über alledem thront der größte Bullshitverein ABDA. Sorry das alles riecht irgendwie nach parasitärem Befall kurz vor dem Exitus, nachdem sich das Immunsystem namens "gesunder Menschenverstand" final verabschiedet hat. Ein schönes Wochenende gewünscht.

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eine Fälschung

von Peter am 08.02.2020 um 7:44 Uhr

Eine Fälschung in einem Jahr..Das sagt doch alles aus, wie überflüssig Securpharm ist.
Warum schafft man dies nicht sofort mit gesundem Menschenverstand wieder ab?
Reine Veräppelung und völlig überflüssig, da es keine Fälschungen im deutschen Markt gibt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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