Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 3

Warum Obst essen gesünder ist als Smoothies trinken

Stuttgart - 04.02.2020, 07:00 Uhr

Niemand sollte aufs Obstessen verzichten, nur um den negativen Auswirkungen von Fructose auf den Stoffwechsel zu entgehen. (Foto: sonyakamoz/stock.adobe.com)

Niemand sollte aufs Obstessen verzichten, nur um den negativen Auswirkungen von Fructose auf den Stoffwechsel zu entgehen. (Foto: sonyakamoz/stock.adobe.com)


Fructose-Malabsorption versus Hereditäre Fructose-Intoleranz

Die Diagnose Fructose-Malabsorption stellt der Arzt mit Hilfe eines Wasserstoff-Atemtests. Hierbei wird nach dem Trinken einer definierten Fructose-Lösung in gewissen Zeitabständen der Wasserstoffgehalt der Atemluft gemessen. Dieser ist ein Maß für die bakterielle Fructose-Verdauung im Dickdarm. Wasserstoff (und andere Gase) werden nur im Dickdarm erzeugt und gelangen von dort ins Blut und in die Atemluft. Je mehr Fructose also nicht im Dünndarm resorbiert wird und stattdessen in den Dickdarm gelangt, umso höher ist der gemessene Wasserstoffwert. Übrigens lässt sich bei rund 30 Prozent aller Europäer eine Fructose-Malabsorption diagnostizieren, interessanterweise hat jedoch nur ein Drittel dieser Menschen tatsächlich Beschwerden. Dies zeigt, dass hier noch Forschungsbedarf ist, um die Zusammenhänge zu klären.

Sehr selten: ein schwerer Enzymdefekt

Abzugrenzen von der Fructose-Malabsorption, die im Volksmund auch häufig als Fructose-Intoleranz bezeichnet wird, ist die sehr seltene Hereditäre Fructose-Intoleranz, abgekürzt HFI. Bei dieser schweren, bereits im Säuglingsalter auftretenden Krankheit kann aufgrund eines angeborenen Enzymdefekts die Fructose in der Leber nicht abgebaut werden. Beim Nichterkennen kommt es zu dramatischen Folgen mit Leber- und Nierenversagen. Eine medikamentöse Behandlung gibt es nicht. Einzige Therapieform ist die vollständige Eliminierung von Fructose aus der Nahrung.

Auf einen Blick

Wer sich abwechslungsreich mit viel frischem Obst und Gemüse ernährt, verfügt über eine wertvolle Quelle für eine ganze Reihe lebenswichtiger und gesundheitsfördernder Mikronährstoffe. Dabei ist der Fructosegehalt von Früchten eher gering im Vergleich zu industriell hergestellten Lebensmitteln und Getränken.

Für den Verdauungstrakt ist es vorteilhaft, wenn die Fructose als Bestandteil eines Ballaststoff-haltigen Speisebreis aufgenommen wird. So werden die Resorptionsmechanismen entschleunigt und entlastet. Beim Trinken von Smoothies gelangen hohe Mengen an Fructose viel zu schnell in den Körper, was Verdauungsstörungen begünstigen kann.

Ein dauerhafter Fructose-Überschuss im Körper kann dazu führen, dass auch bei gesunden Menschen die Transport-Proteine knapp werden. Die Folge sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Veränderungen der Darmflora. In diesem Fall nicht das Obst weglassen, sondern süße Getränke und gesüßte, industriell hergestellte Lebens- und Genussmittel vom Speisezettel streichen.

Genetisch oder funktionell bedingt kann eine Fructose-Malabsorption vorliegen. Es handelt sich nicht um eine Allergie! Um lästige, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden zu lindern, müssen Betroffene auf ihre Ernährung achten. Obst in kleinen Mengen ist erlaubt, auf Fructose-haltige Fertigprodukte und vor allem Getränke wie Softdrinks, Fruchtsäfte, Smoothies verzichten.

Die Hereditäre (=erbliche) Fructose-Intoleranz, HFI, ist sehr selten. Es handelt sich um einen schweren Enzymdefekt, der zu Leber- und Nierenversagen führen kann. Betroffene Menschen, meist schon Säuglinge, dürfen keine Fructose zu sich nehmen.

Unsere Serie „Zuckersüßes Beratungswissen“ wird fortgesetzt!



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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