Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 3

Warum Obst essen gesünder ist als Smoothies trinken

Stuttgart - 04.02.2020, 07:00 Uhr

Niemand sollte aufs Obstessen verzichten, nur um den negativen Auswirkungen von Fructose auf den Stoffwechsel zu entgehen. (Foto: sonyakamoz/stock.adobe.com)

Niemand sollte aufs Obstessen verzichten, nur um den negativen Auswirkungen von Fructose auf den Stoffwechsel zu entgehen. (Foto: sonyakamoz/stock.adobe.com)


Warum Smoothies inzwischen kritisch gesehen werden

Das erklärt auch, warum man die Zufuhr von Obst in Form von Smoothies inzwischen kritisch beurteilt. Auch wenn diese einen guten Ruf haben und als gesund gelten – für den Körper sind sie eher eine Last. Durch den maschinellen Zerkleinerungsprozess werden die Zellstrukturen der Begleitstoffe zerstört, sodass das verflüssigte Obst – ohne Kauprozess – als konzentrierter Saft in den Körper hineinrauscht. Wenn man zum Beispiel eine Banane, ein Viertel Ananas und eine halbe Mango als Smoothie schlürft, gelangen rund 60 Gramm Fructose mit hoher Geschwindigkeit in den Körper.

Wenn man sich diese beschleunigte Zufuhr vor Augen hält, ist es kein Wunder, dass immer mehr Menschen nach dem Verzehr Fructose-haltiger Nahrung Blähungen, Magenschmerzen und/oder Durchfall bekommen. Die Beschwerden können auch bei völlig Gesunden auftreten, wenn diese über längere Zeit größere Mengen an Fructose (35 bis 50 Gramm pro Tag) aufnehmen, was praktisch nur über den Konsum gesüßter Fertigprodukte, Fruchtsäfte, Smoothies und Fruchtdrinks möglich ist. Vergleichbare Beschwerden allein durch Obstverzehr würden voraussetzen, dass man über einen langen Zeitraum täglich ein ganzes Kilo Äpfel verdrückt.

Die Transportmechanismen sind überfordert

Der dauerhafte Fructose-Überschuss im Körper kann dazu führen, dass auch bei gesunden Menschen die Transport-Proteine knapp werden, die die Fructose-Moleküle vom Dünndarm über die Pfortader in die Leber geleiten. Ein Teil der Fructose bleibt dann im Dünndarm zurück und gelangt mit dem Speisebrei weiter in den Dickdarm. Dort wird Fructose durch die Darmbakterien in Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff zerlegt – alles Gase, die unangenehme und schmerzhafte Blähungen erzeugen. Gleichzeitig entstehen kurzkettige Fettsäuren mit üblem Geruch. Langfristig verändert sich durch alle diese Vorgänge auch die Darmflora. Durchfälle, Verstopfung, Bauchschmerzen – wer unter diesen Beschwerden leidet, für die der Arzt keine Ursache findet, kann leicht Abhilfe schaffen: den Fructose-Verzehr verringern. Das bedeutet nicht, auf den täglichen Apfel, die Portion Beeren oder die Orange zu verzichten – die sollten weiter auf dem Speisezettel stehen. Gestrichen werden sollten süße Getränke, auch Fruchtsaftschorlen, süße Fruchtjoghurts und Süßkram aller Art. Anstelle des gesüßten Frühstücksmüslis einfach eine ungesüßte Variante wählen – daran kann man auch schon Kinder gewöhnen!

Fructose-Malabsorption: Lästig, aber nicht bedrohlich

Wenn ein Mensch weniger als 25 Gramm Fructose pro Tag aufnimmt und trotzdem Beschwerden auftreten, liegt eine meist genetisch bedingte Fructose-Malabsorption vor.  Als Malabsorption bezeichnet man die mangelhafte Aufnahme (= Absorption) von Substraten, in diesem Fall Fructose, aus dem bereits vorverdauten Speisebrei. Ein Enzymdefekt (keine Allergie!) ist dafür verantwortlich, dass nicht genügend Fructose-Transport-Proteine zur Verfügung stehen und die Fructose deshalb nicht aus dem Dünndarm heraustransportiert wird, sondern in den Dickdarm gelangt. Häufig liegt zugleich eine funktionelle Störung vor, die den Speisebrei zu schnell durch den Dünndarm wandern lässt, was die Beschwerden zusätzlich anfacht. Eine weitere Ursache für die verminderte Fructose-Absorption kann eine krankhafte Veränderung der Darmschleimhaut sein. Vermutet wird auch ein Zusammenhang mit Stress und hormonellen Schwankungen sowie mit der Zusammensetzung der Darmflora. Menschen mit einer Fructose-Malabsorption müssen Fructose nicht komplett meiden, sollten sich aber sehr bewusst ernähren. (Sinnvoll wäre es auch hier, nicht Früchte generell aus der Nahrung zu streichen, sondern industriell hergestellte Lebensmittel und Getränke mit Zuckerzusätzen.)  Denn auch wenn es sich um keine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, können die Beschwerden sehr unangenehm sein. Außerdem kann es bei langfristigen Darmstörungen zu Veränderungen der Darmflora kommen, die zum Beispiel einen Mangel an Folsäure, Zink oder der Aminosäure Tryptophan zur Folge haben.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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