Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

02.02.2020, 08:00 Uhr

Spahn macht Dampf bei der Digitalisierung – und wir Apothekers sollen sogar bei der elektronischen Patientenakte mitwirken dürfen. Doch vorerst hätten wir gerne das wasserdichte Makelverbot bei E-Rezepten. (Foto: Andi Dalferth)

Spahn macht Dampf bei der Digitalisierung – und wir Apothekers sollen sogar bei der elektronischen Patientenakte mitwirken dürfen. Doch vorerst hätten wir gerne das wasserdichte Makelverbot bei E-Rezepten. (Foto: Andi Dalferth)


28. Januar 2020

Der SPD-Europaparlamentarier Bernd Lange hatte die EU-Kommission u. a. gefragt, ob die Kommission Kenntnis davon habe, dass DocMorris von den niederländischen Behörden überwacht werde. Eine gute Frage, mein liebes Tagebuch, denn bekanntlich haben die deutschen Arzneimittel-Überwachungsbehörden nichts mit der Überwachung von DocMorris und anderen EU-Versendern zu tun. Die Antwort des neuen EU-Kommissars Thierry Breton liegt nun endlich vor. Allerdings geht er auf diese Frage nur am Rande ein, für ihn reicht es, dass der Versender DocMorris in den Niederlanden als Online-Apotheke zugelassen ist. Er macht es sich einfach, mein liebes Tagebuch, der Herr Kommissar. Den Schwerpunkt seiner Antwort legt er dagegen auf das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung: Der Onlineverkauf stelle für die EU-Versender die einzige Möglichkeit dar, Zugang zum deutschen Markt zu haben. Na, mein liebes Tagebuch, da kann man sich gut vorstellen, wes Geistes Kind Herr Breton ist und was das für unsere Apotheken in Deutschland bedeutet. Vor allem, wenn man weiß, dass Breton vor seiner Nominierung Chef des IT-Konzerns Atos war, der Medienberichten zufolge millionenschwere Verträge mit EU-Institutionen hat.

Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange zeigte sich enttäuscht von Bretons Antwort. Aber er will weiter dran bleiben an diesem Thema. Für ihn sind „Apotheken und ihre persönlichen Beratungsleistungen Teil der Daseinsvorsorge und dementsprechend sollte auch der ordnungspolitische Rahmen aussehen. Der freie Markt kann nicht immer das Allheilmittel sein“, ist Lange überzeugt und verweist auf das Beispiel Amazon und die Folgen für kleinere und mittlere Unternehmen. Danke, Herr Lange! 

 

Das nehmen wir als Personalie mit, mein liebes Tagebuch: Max Müller, bei DocMorris bisher für Strategie und Ausrichtung zuständig, verlässt den Zur Rose-Konzern zum 30. April 2020 und wird künftig für den glyphosatgeschüttelten Pharma- und Chemiekonzern Bayer arbeiten, wo er sich beispielsweise um Nachhaltigkeitsthemen kümmern wird. Warum er DocMorris verlässt, erfährt man natürlich nicht. Der Versandkonzern wird laut Pressemitteilung seinen gesamten Vorstand umbauen, laut Marketingsprech will man von einer Markensteuerung zu einer Deutschlandsteuerung wechseln, was auch immer das heißt. Das Deutschlandgeschäft besteht in diesem Konzern aus DocMorris, Medpex, Apo-rot, Eurapon, Zur Rose und Vitalsana.

 

Die Apothekenzahlen in Deutschland kennen seit Jahren nur eine Richtung: abwärts. Aber im vergangenen Jahr sind sie besonders rasant in den Keller gegangen, aber so was von, mein liebes Tagebuch: Ende 2019 gab es laut ABDA noch 19.075 Apotheken, das sind 348 weniger als Ende Dezember 2018 und entspricht einem Rückgang von 1,8 Prozent. Die Anzahl der Apothekeninhaber ist sogar um 2,7 Prozent gesunken. Der Tag, an dem wir die bemerkenswerte  Marke von nur noch 19.000 Apotheken in Deutschland haben, rückt immer näher. Der ABDA-Präsident sieht die flächendeckende Versorgung in Gefahr. Da müsse schon bald was dagegen unternommen werden, meint er und sieht einen Ausweg im – ja, im Apotheken-Stärkungsgesetz. Er baut vor allem auf zwei gesetzgeberische Maßnahmen: Die Absicherung einheitlicher Abgabepreise bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln, sprich, Spahns Gleichpreisigkeit im GKV-Bereich. Und auf die Einführung des E-Rezepts, das allerdings noch durch ein Makelverbot untermauert werden muss. Mein liebes Tagebuch, ob diese Maßnahmen den Abwärtstrend der Apothekenzahlen stoppen werden, ist mehr als fraglich.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

Und hier die dafür unmittelbar Verantwortlichen:

von Gunnar Müller, Detmold am 02.02.2020 um 10:57 Uhr

Langjährige Mitglieder dieser äußerst qualifizierten Arbeitsgruppe u. a.:
Becker, Fink, Hubmann, Kiefer, Michels, Overwiening, Schreiber.
Alles keine Unbekannten - werden aber offensichtlich alle immer noch wieder gewählt…
Oder schlimmer noch:
empfehlen (?!) sich sogar für noch Höheres…

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Nicht gleich Alle in die Tonne treten

von Wolfgang Müller am 02.02.2020 um 11:33 Uhr

Zwei Fragen an Sie persönlich dazu, ehe wir gleich vorzeitig und vielleicht zu Unrecht alle Beteiligten an dieser gescheiterten Arbeitsgruppe als mögliche bessere, zukünftige ABDA- bzw. DAV-Führung in die Tonne treten:

-- Wer hat die Arbeitsgruppe geleitet, wer war verantwortlich für das Arbeiten der Gruppe? Für die Ziele, die Termine und die Art der Zusammenkünfte, das zielgerichtete Vorgehen der Gruppe, das Hinzuziehen ggf. auch externer Kompetenz etc.?

- Ist eine bessere, andere Honorierung (eben: "Weg von der Packung", z. B.) überhaupt möglich? Oder ist das Scheitern dieser Arbeitsgruppe einfach nur ein zwangsläufiges Ergebnis, weil das aktuelle System das einzig wahre/mögliche ist, um die Regel-Apotheken-Struktur zu erhalten? Und wirklich profitable andere Arten von Honorierungen, wie z. B. für "Impfen", "Dienstleistungen" etc. eben vollkommen eindeutig nicht zu erreichen sind? Sondern dass diese neuen Arten von Honorierungen - wenn überhaupt - nur in vernünftigem Umfang in vollem Bewusstsein HINZU gefügt werden dürften, dass "Die Honorierung der Packung" die "Neuen Leistungen" de facto querfinanzierten muss? Kann man sowas eigentlich wollen?

Ich glaube, dass sich die Leitung dieser Arbeitsgruppe nun endlich, und angesichts der Krisenlage SEHR SCHNELL, einmal diesbezüglich ehrlich machen muss. Oder denken Sie, eine andere Arbeitsgruppe hätte da bessere Ergebnisse erzielt (mal abgesehen von Ihren eigenen, m. E. vollkommen getrennt davon zu diskutierenden, grundlegenden Umverteilungs-Ideen)?

Ich finde darüber hinaus, die ganze Ablenkung der Apothekerschaft mit diesem "Neuartige Honorierungen"-Thema müsste konsequent wenigstens so lange beendet, ja: verboten werden, bis die alleinigen existentiellen Fragen, nämlich die Rx-Festpreis-Frage und die Zukunft des Rezeptmakeln geklärt sind!

AW: @ in die Tonne treten....

von Gunnar Müller, Detmold am 02.02.2020 um 16:25 Uhr

Tja, DAS ist sicher so eine Sache, aber:
WER ist letztlich ohne Verantwortung ...?
Da gibt es sicher viele, unrühmliche Beispiele aus der jüngsten Gegenwart bis in die nähere Vergangenheit vor 75/87 Jahren oder gar noch weiter zurück.
Am Ende will es keiner gewesen sein – auch wenn gerade diese Mitglieder in diesen Gremien doch allesamt keine einfachen ApothekerInnen sind sondern CHEFS, die ansonsten nicht müde werden, uns weiszumachen, dass sie ja allesamt als PräsidentInnen und Vorsitzende die bestmögliche Wahl zur Lösung unserer Probleme sind.

Zur Frage der Unabwendbarkeit des Scheiterns:
Kann man diskutieren - doch bedenken Sie all die viele Zeit (8 Jahre allein seit Apothekerprotest und streng genommen eigentlich doppelt so lange seit 2004 - und man hat noch nicht einmal Erhebungen über die Verteilung der Packungszahlen und geht immer noch von Umsätzen aus…)
und
die vielen abstrusen Ideen zu neuen Aktivitäten, statt
sich darüber Gedanken zu machen, wie wir die immensen zusätzlichen Leistungen, die wir immer wieder und täglich aufs Neue aufgebrummt bekommen einschließlich der ausufernden Rückfragen bei Ärzten/Arztpraxen und der gar so wichtigen Genehmigungen bei den Krankenkassen einmal gescheit bezahlt bekommen.

Ansonsten stimme ich Ihnen vollkommen zu.

Von ABSturz ohne ABS ... Buuh gegen B(r)eton ... und der ABDA gehen die "Sargnägel" immer noch nicht aus ...

von Christian Timme am 02.02.2020 um 9:28 Uhr

Immer weniger Apotheken ... inmitten eines immer größer werdenden Rosenmee(h)res... und die ABDA "sargt" sich und ihre "Schutzbefohlenen" mit anhaltendem Fleiß immer weiter ein. Wie schizophren müssen all die Apotherkerleins sein , die Tag für Tag in der Doppelrolle als Ehrenamtler und Apothekerleiter diese Entwicklung befördern?. Ein Jens Spahn muss sich doch langsam in diesem "Schlaraffenland" anfangen zu langweilen ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

.

von Anita Peter am 02.02.2020 um 8:52 Uhr

Hat man denn das Herstellen der "geichlangen Spiesse" bei der ABDA schon völlig aufgegeben?
Selbst die Wiederherstellung der PB bei GKV Kunden sind keine gleichlangen Spiesse. Das FBV wird ebenso völlig ungeniert umgangen.
Ohne RXVV wird man um eine Honorarreform nicht umherkommen. Gleiche Bezahlung von Vor Ort Apotheken und Versandapotheken sind keine gleichlangen Spiesse. Das volle Honorar können nur Apotheken bekommen, die beraten, NN anbieten, Akutversorgung usw usw anbieten. D.h.dem Versand stehen nur die 3% Handlingspauschale zu. ( Scheint ihm auch zu reichen, wenn DoMo zu Zeit mit 30 Euro Bonus lockt ) Von den Einsparungen kann das Honorar auf 9,50 angehoben werden. Natürlich flankiert von einem Verbot von Selektivverträgen.
Die ABDA hat sich mit dem Scheitern des RXVV abgefunden, legt aber keine Pläne auf den Tisch, wie die gleichlangen Spiesse auch nur annähernd wiederhergestellt werden können.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

3000 Tage und kein eigener Honorarvorschlag !

von Ulrich Ströh am 02.02.2020 um 8:47 Uhr

Die Arbeitsgemeinschaft HONORAR bei der ABDA hat nach
acht (!!!) Jahren kein Ergebnis geliefert.

Wie ist in den ca. 3000 Tagen dort gearbeitet worden ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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