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Das Reizdarmsyndrom

31.01.2020, 12:54 Uhr

(Foto: metamorworks / stock.adobe.com)
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Reizdarmpatienten klagen über wiederkehrende Bauchschmerzen begleitet von Stuhlunregelmäßigkeiten wie Verstopfung oder Durchfall. Dazu kommen häufig Blähungen, Völlegefühl und allgemeines Unwohlsein. Oft bessern sich die Beschwerden nach dem Stuhlgang, in vielen Fällen bleibt aber ein Gefühl der unvollständigen Entleerung.

Ungefähr 10-20% der Bevölkerung in Europa und den USA sind betroffen, in Deutschland klagen über 8 Millionen Menschen über Beschwerden, die dem Reizdarmsyndrom (RDS) zugerechnet werden können. Die Erkrankung trifft alle Altersklassen, besonders häufig jedoch Frauen zwischen dem 35. und dem 50. Lebensjahr. Obwohl es sich beim Reizdarmsyndrom nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, ist die Lebensqualität der Betroffenen nicht selten deutlich eingeschränkt.

Woran erkennt man RDS?

Da es kein einheitliches Krankheitsbild gibt, kann das Reizdarmsyndrom (RDS) leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Dazu gehören z.B. Nahrungsmittelunverträglichkeiten aber auch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Divertikulitis. Es gibt jedoch einige Symptome, die eher auf das Vorliegen anderer Erkrankungen hindeuten: Dazu gehören Gewichtsverlust, Blut im Stuhl sowie das Auftreten der Beschwerden auch in den Nachtstunden. Auch Ungefähr 10-20% der Bevölkerung in Europa und den USA sind betroffen, in Deutschland klagen über 8 Millionen Menschen über Beschwerden, die dem Reizdarmsyndrom zugerechnet werden können. Die Erkrankung trifft alle Altersklassen, besonders häufig jedoch Frauen zwischen dem 35. und dem 50. Lebensjahr. Obwohl es sich beim Reizdarmsyndrom nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, ist die Lebensqualität der Betroffenen nicht selten deutlich eingeschränkt.h wenn die Symptome durch Stress bzw. Entspannung nicht beeinflusst werden, ist die Diagnose Reizdarmsyndrom unwahrscheinlich.

Was bedeutet RDS für die Betroffenen?

Die Ursachen des Reizdarmsyndromes sind noch nicht eindeutig geklärt. Untersuchungen haben aber ergeben, dass bei Betroffenen die Darmmotorik gestört und die Darmschleimhaut besonders empfindlich für chemische und mechanische Reize ist. Häufig beginnt die Erkrankung im Anschluss an eine Magen-Darm-Infektion oder in Zeiten hoher psychischer Belastung.

Die Beeinträchtigung der Lebensqualität hängt von Stärke und Häufigkeit der Beschwerden ab. Nehmen die Beschwerden an Heftigkeit zu, können sie für die Betroffenen sehr belastend werden. Häufig ziehen sie sich dann aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, meiden z.B. gemeinschaftliches Essen im Restaurant oder längere Ausflüge. Dieser Rückzug kann zu Niedergeschlagenheit und depressiven Symptomen führen. Oft spielt auch die Angst, hinter den Beschwerden könne sich eine schwere organische Erkrankung, wie z.B Darmkrebs verbergen, eine Rolle.

Wie kann die Diagnose erfolgen?

Die Diagnostik des Reizdarmsyndromes sollte von einem erfahrenen Gastroenterologen durchgeführt werden. Zunächst geht es darum, organische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes auszuschließen. Dazu wird der Arzt unter anderem eine ausführliche Anamnese erheben, eine Blutuntersuchung und eine Darmspiegelung durchführen sowie nach Symptomen wie Blut im Stuhl oder Gewichtsverlust fragen.

Es handelt sich bei RDS jedoch nicht um eine reine Ausschlussdiagnose: anhand der Rom-Kriterien kann die Erkrankung auch positiv diagnostiziert werden. Nach diesen Kriterien wird das Reizdarmsyndrom folgendermaßen definiert:

Rom-Kriterien

  • Die Bauchschmerzen treten wiederkehrend mindestens einmal pro Woche auf.
  • Sie bestehen bereits seit mindestens drei Monaten.
  • Die Stärke der Beschwerden steht in Zusammenhang mit dem Stuhlgang.
  • Häufigkeit und/oder Konsistenz des Stuhlgangs sind verändert.

Achtung, FODMAPs!

Bestimmte Nahrungsmittel können die typischen RDS-Symptome auslösen. Dabei sind in den letzten Jahren vor allem die sogenannten FODMAPS in den Fokus geraten. FODMAP steht für Fermentierende Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Gemeint sind damit also bestimmte Zuckerarten, die aufgrund des veränderten Darmmikrobioms bei RDS-Patienten im Dünndarm nicht ausreichend abgebaut werden und deshalb im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt werden. Dies kann zu den typischen Beschwerden führen. Zu den FODMAPs zählen z.B. Lactose, Fructose und Sorbitol.

Neben diesen Zuckern stehen auch gluten- und histaminhaltige Lebensmittel im Verdacht, RDS-Symptome auszulösen oder zu verschlimmern. Auch Ballaststoffe werden nicht von allen Erkrankten gleich gut vertragen – obwohl diese als wichtige Säule einer gesunden Ernährung gelten.

Die Situation ist individuell

Nicht bei jedem RDS-Patienten lösen dieselben Nahrungsmittel auch dieselben Beschwerden aus. Um herauszufinden, welche Nahrungsmittel im individuellen Fall in welchem Umfang die Beschwerden beeinflussen, kann unter ärztlicher Begleitung zunächst ein Auslasstest durchgeführt werden. Besseren sich unter dem Auslassversuch die Symptome, können im nächsten Schritt vorsichtig individuelle Toleranzbereiche für die jeweiligen Lebensmittel herausgefunden werden. Blähungstreibende Nahrungsmittel wie z.B. Bohnen oder verschiedene Kohlarten sind in den meisten Fällen problematisch und sollten wenn nur in geringen Mengen verzehrt werden. Auch Kaffee und scharfe Gewürze werden von den meisten RDS-Patienten nicht gut vertragen.

Wie kann das RDS therapiert werden?

Eine ursächliche Therapie des Reizdarmsyndromes ist bislang nicht möglich. Neben der Vermeidung verschiedener Triggerfaktoren stehen jedoch verschiedene Medikamente zur Verfügung, um die auftretenden Symptome zu lindern. Präparate mit Pfefferminzöl (z.B. Buscomint®) oder N-Butyl-Scopolaminbromid (Buscopan®) wirken krampflösend und helfen damit gut gegen die Bauchschmerzen. Zur Bekämpfung der Blähungen kann Fenchel-Anis-Kümmeltee getrunken werden oder Wirkstoffe die Dimeticon und Simeticon eingenommen werden. Geht die Erkrankung mit Verstopfung einher, können Flohsamenschalen eingesetzt werden, steht Durchfall im Vordergrund, so bietet Loperamid schnelle Abhilfe. Zum Schutz und Aufbau der Darmschleimhaut bieten sich speziell abgestimmte Probiotika wie z.B. Innovall® RDS oder Präparate mit Xylooligosacchariden, Xyloglucan, Erbsenprotein und Traubenkernextrakt (Gelsectan®) an.

Die Therapie sollte in jedem Fall in Absprache mit dem behandelnden Arzt stattfinden. In besonders schweren Fällen hat dieser auch die Möglichkeit, über die Verordnung von Antidepressiva das Darm-Nervensystem beruhigend zu beeinflussen. Auch verschiedene psychotherapeutische Maßnahmen zur Streßbewältigung können hilfreich sein. Als ein mögliches Beispiel sei hier die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson genannt.



Annette Thomas, Apothekerin, Dozentin, DAZ.online-Autorin
redaktion@daz.online


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