Risiko einer Infektion mit Clostridioides

Clindamycin ist der größte Übeltäter

Schladming - 27.01.2020, 13:34 Uhr

Seit etwa 20 Jahren nehmen die Infektionen mit Clostridioides difficile (CDI) zu. Die Symptome – Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Flüssigkeitsverlust – rufen allerdings nicht die Bakterien selbst, sondern die Toxine, die sie ausscheiden, hervor. (s / Foto: imago images / Science Photo Library)

Seit etwa 20 Jahren nehmen die Infektionen mit Clostridioides difficile (CDI) zu. Die Symptome – Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Flüssigkeitsverlust – rufen allerdings nicht die Bakterien selbst, sondern die Toxine, die sie ausscheiden, hervor. (s / Foto: imago images / Science Photo Library)


Jede Episode steigert das Rezidivrisiko

Tritt bei Patienten eine CDI auf, sollte das Antibiotikum abgesetzt werden. Auch Motilitätshemmer wie Loperamid sind keine gute Idee. Als erste Maßnahme werden Volumen und Elektrolyte substituiert. Die weitere Behandlung richtet sich dann nach der Schwere. Bei sehr leichten Verläufen kann eine engmaschige Beobachtung reichen. Bei leichten Verläufen kommt orales Vancomycin oder Metronidazol zum Einsatz, bei moderat bis schweren orales Vancomycin oder Fidaxomycin. Besteht ein Rezidivrisiko bei gleichzeitig kompliziertem Verlauf ist Fidaxomycin das Mittel der Wahl. 

Reizidive stellen ein großes Problem bei der CDI-Therapie dar. So liegt die Rezidivrate nach der ersten Episode bei 10 bis 25 Prozent und steigt mit jeder weiteren Episode an. Gründe dafür sind die Persistenz von Sporen, eine insuffiziente Immunreaktion sowie die fortbestehende intestinale Dysbiose. Letzteres liegt unter anderem daran, dass man bei CDI gewissermaßen den Teufel mit dem Belzebub austreibt: Die zur Behandlung der antibiotikaassoziierten Erkrankung eingesetzten Antibiotika bekämpfen zwar die Clostridioides, gehen aber natürlich an der Darmflora auch nichts spurlos vorüber.

Anti-Toxin-B-Antikörper oder eine Stuhltransplantation erst bei Versagen der Antibiotikatherapie

Die nicht-antibiotischen Therapiemaßnahmen kommen allerdings erst als Ultima ratio zum Einsatz, zunächst setzt man auf einen Substanzwechsel oder eine „Taper-Puls-Therapie“, mit der den Sporen der Garaus gemacht werden soll. Anti-Toxin-B-Antikörper oder eine Stuhltransplantation sind erst bei Versagen der Antibiotikatherapie indiziert.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Clindamycin

von Margit Fox-Rappold am 28.01.2020 um 11:54 Uhr

Den Artikel kann ich nur unterstreichen!
Im Frühjahr 2016 wurde mir Clindamycin vom HNO verordnet.
Nach zweimaliger Einnahme bekam ich die beschriebenen Symptome. Nur mit dem Gegenmittel "Vancomycin" (525 €) konnte ich ich geheilt werden. Im Herbst desselben Jahres wurde bei mir ein Pankreaskarzinom entdeckt. Gedanklich bringe ich das natürlich in Zusammenhang...

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