Eradikationstherapie

Helicobacter: „In Deutschland können Sie Metronidazol vergessen“

Schladming - 24.01.2020, 16:29 Uhr

Helicobacter pylori: Man geht davon aus, dass weltweit mehr als 50 Prozent aller Menschen infiziert sind. (Foto: ucadp /stock.adobe.com)

Helicobacter pylori: Man geht davon aus, dass weltweit mehr als 50 Prozent aller Menschen infiziert sind. (Foto: ucadp /stock.adobe.com)


Welche Wirkstoffe, wie lange?

Wie behandelt man aber nun? Dazu gibt eine S2k-Leitlinie Auskunft. So kommt bei Patienten mit einem geringen Risiko für eine Clarithromycin-Resistenz die Standard-Tripletherapie zum Einsatz. Die gibt es in zwei „Nationalitäten“ – die französische bestehend aus PPI, Clarithromycin und Amoxicillin sowie die italienische, wo statt Amoxicillin Metronidazol zum Einsatz kommt. Zur italienischen Triple-Therapie hat Epple aber eine klare Meinung: „Können Sie in Deutschland vergessen.“ 

Hintergrund dieser Aussage ist die hohe Resistenzrate. Liegt die nämlich bei über 20 Prozent, ergibt laut Epple eine kalkulierte Therapie, also eine Therapie ohne Resistenztestung keinen Sinn mehr. Eine weitere First-Line-Therapieoption ist die sogenannte Bismut -Quadruple-Therapie bestehend aus einem PPI, einem Bismut-Kalium-Salz, Tetrazyklin und Metronidazol. Bei Nichtansprechen empfiehlt die Leitlinie entweder letztere – natürlich nur wenn zuerst eine Triple-Therapie durchgeführt wurde – oder eine Dreifach-Fluorchinolontherapie. Ist auch das nicht von Erfolg gekrönt, soll auf Resistenzen getestet und basierend auf der Testung zu behandelt werden.

Und bei Clarithromycin-Resistenz?

Besteht hingegen ein hohes Risiko für eine Clarithromycin-Resistenz – das Makrolid ist laut dem Mediziner die Schlüsselsubstanz in der Helicobacter-Therapie – geht man anders vor. Solche Risikofaktoren sind beispielsweise das Herkunftsland, aber auch erfolglose Eradikationsversuche in der Vergangenheit. Ist das Resistenz Risiko also hoch empfiehlt die als Erstlinientherapie die Bismut-Quadruple-Therapie oder die kombinierte Quadrupletherapie aus einem PPI, Amoxicillin, Clarithromycin und Metronidazol, die trotz Clarithromycin-Resistenz wirksam sein kann. Bei Therapieversagen kommen auch hier die Dreifach-Fluorchinolone zum Einsatz. Wird man auch damit den Erreger nicht los, bleibt die Resistenztestung.

Nach der Wahl der passenden Wirkstoffkombination stellt sich die Frage: Wie lange das Ganze? Bei den Vierfachtherapien macht die Leitlinie klare Ansagen: sieben Tage für die kombinierte, 10 für die bismutbasierte. Bei den Tripletherapien gibt es mehr Ermessenspielraum – sieben bis 14 Tage so die Empfehlung. Doch auch hier hat Epple eine klare Meinung: Länger ist besser, also lieber zehn bis 14 als sieben Tage. Zudem sollte laut dem Mediziner immer vier Wochen nach Ende der Therapie das Anschlagen überprüft werden, weil allein die Symptomverbesserung keine Aussage über das Ansprechen zuließe. Oft würden die Beschwerden nämlich initial besser auch ohne erfolgreiche Eradikation, kehrten dann aber zurück.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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