Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 2

Glucose-Fructose-Gemische – das Spiel mit Unbekannten

Stuttgart - 22.01.2020, 07:00 Uhr

Glucose-Fructose-Sirup ist in vielen Lebensmitteln zur Süßung enthalten. Wie viel der jeweiligen Komponenten Glucose und Fructose dann jedoch drin ist, weiß man meist nicht. Dabei gibt es durchaus Risiken bei zu hohem Fructose-Konsum. (Foto: privat)

Glucose-Fructose-Sirup ist in vielen Lebensmitteln zur Süßung enthalten. Wie viel der jeweiligen Komponenten Glucose und Fructose dann jedoch drin ist, weiß man meist nicht. Dabei gibt es durchaus Risiken bei zu hohem Fructose-Konsum. (Foto: privat)


Saccharose und Isoglucose – wo liegen Risiken?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat im Jahr 2018 eine Bewertung veröffentlicht, die das Gefährdungspotenzial von Isoglucose und Saccharose für die menschliche Gesundheit beurteilt. Anlass waren gesetzliche Änderungen innerhalb der EU, die eine höhere Einfuhr von (überwiegend aus Maisabfällen) in den USA gewonnenen Fructose-Glucose-Sirup erlaubt. Bis Oktober 2017 gab es eine Quotenregelung auf dem EU-Zuckermarkt, der den US-Import begrenzte, um die europäischen Zuckerrübenbauern zu schützen. Die berechtigte Sorge vor einer Schwemme des amerikanischen, stark fructosefhaltigem Maissirup auf den europäischen Lebensmittelmarkt und das zunehmende Wissen über die Gesundheitsgefahren durch überhöhten Fructose-Verzehr ließ das Bundesinstitut für Risikobewertung aktiv werden. Doch die Warnung fällt moderat aus. Amtlicherseits vertritt man folgende Meinung: Solange in den industriell hergestellten Glucose-Fructose-Mischungen die einzelnen Bestandteile Glucose und Fructose in gleicher Menge vorliegen wie im Haushaltszucker, seien auch die Auswirkungen auf die Gesundheit vergleichbar. Voraussetzung allerdings sei – und jetzt sollte man genau lesen –, dass sich die Verzehrmenge an zugesetztem Zucker in der Ernährung nicht nennenswert erhöht. Dazu sollte man wissen, dass der Pro-Kopf-Zuckerkonsum in Deutschland bereits jetzt deutlich über der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Menge liegt.

Tägliches Zuckerlimit: 250 ml Apfelsaft und 50 g Schokolade

Der ursächliche Zusammenhang zwischen der Aufnahme von zugesetztem Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln und das Entstehen von Übergewicht und Adipositas, kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes gilt bei der WHO als gesichert. Um das Risiko einer ungesunden Gewichtszunahme und auch von Karies zu verringern, empfiehlt die WHO, in jedem Lebensalter die Aufnahme an „freiem Zucker“ auf unter 10 Prozent der benötigten Energiemenge zu begrenzen. Für einen Erwachsenen mit einem Kalorienbedarf von 2000 kcal entspricht das nicht mehr als 50 Gramm Zucker = 10 Teelöffel pro Tag. Mit „freiem Zucker“ sind alle Zuckerarten gemeint, die Speisen und Getränken zugefügt werden, eingeschlossen dem Zucker, der in Honig, Sirup, Fruchtsäften vorliegt. Praktisches Beispiel: 100 ml Apfelsaft enthalten 11 g Zucker. Wer 250 ml Apfelsaft trinkt (= ca. 27 Gramm Zucker) und dann noch 50 g Schokolade (= ca. 27 Gramm Zucker) isst, hat das WHO-Tageslimit für Zucker bereits überschritten.

Isoglucose: Fructose-Anteil variabel

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt: „Mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert. Vermeiden Sie diese möglichst und setzen Sie Zucker sparsam ein.“ Dass wir von diesen Empfehlungen in unserem Alltag weit entfernt sind und viel zu viel Zucker aufnehmen, ist die eine Sache. Der entscheidende Knackpunkt im Zusammenhang mit den Glucose-Fructose-Gemischen ist allerdings noch ein anderer: Es geht darum, dass das Verhältnis der Glucose-Fructose-Anteile in Isoglucose variabel ist und nicht (!) deklariert werden muss. Sollte die Lebensmittelindustrie ihren Produkten ein Zuckergemisch mit deutlich höherem Anteil an Fructose zusetzen, hat auch das Bundesinstitut für Risikobewertung seine Bedenken. In seiner offiziellen Bewertung zu Isoglucose weist das Amt darauf hin, dass der Verzehr hoher Mengen an Fructose ungünstige Auswirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel haben kann: „Konkret geht es um eine mögliche Begünstigung des metabolischen Syndroms sowie von Fettstoffwechselstörungen, Fettleber, Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2.“

Die Risiken und Nebenwirkungen eines zu hohen Fructose-Verzehrs finden Sie im ersten Kapitel unserer Serie Zuckersüßes Beratungswissen – Fructose: süße Gefahr beschrieben.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.