Pharmacon Schladming

Grippeimpfung ist so effektiv wie Rauchstopp

Schladming - 21.01.2020, 06:59 Uhr

Beim Pharmacon geht es in dieses Mal um Infektionen – Professor Weinke aus Potsdam stellte daher die aktuellen Impfempfehlungen vor. (r/ Foto: imago images / Christian Ohde)

Beim Pharmacon geht es in dieses Mal um Infektionen – Professor Weinke aus Potsdam stellte daher die aktuellen Impfempfehlungen vor. (r/ Foto: imago images / Christian Ohde)


Die Influenzaimpfung schützt nicht nur vor Influenza, sondern auch vor sekundären Pneumonien sowie systemischen Inflammationen, die die kardiovaskuläre Morbidität steigern. Das machte Professor Dr. Thomas Weinke bei seinem Vortrag beim Pharmacon in Schladming deutlich. Der Mediziner warb daher nachdrücklich für eine Erhöhung der Impfquoten bei Influenza und befürwortet vor diesem Hintergrund auch Grippeimpfungen in Apotheken.

Mit keiner Impfung lassen sich hierzulande so viele Leben retten wie mit der Grippeimpfung“  –  Pharmacon-Urgestein Professor Dr. Thomas Weinke vom Ernst-von Bergmann-Klinikum in Potsdam zitierte in seinem Vortrag in Schladming den Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Und das, obwohl die Influenza-Impfung mit einer Effektivität von 50 bis 70 Prozent zu den eher mäßig wirksamen Impfungen zähle, wie Weinke betonte. Zum Vergleich: Bei der Windpockenimpfung erreiche man bei vollständiger Immunisierung fast 100 Prozent Wirksamkeit.

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Jetzt noch gegen Grippe impfen?

Dass die Grippeimpfung trotzdem so viele Todesfälle verhindert, liegt laut Weinke an der hohen Influenza-bedingten Übersterblichkeit (Excess-Mortalität). So komme es jedes Jahr im Durchschnitt zu 10.000 zusätzlichen Influenza-bedingten Todesfällen –  zwischen 2007/2008 und 2017/2018 insgesamt 112.100 Menschen, registrierte Maserntodesfälle gab es zwischen 2007 und 2019 gerade einmal 29. Die Grippeimpfung schütze nämlich nicht nur vor der Grippe selbst, sondern auch vor den Folgen, den sekundären Pneumonien sowie systemischer Inflammation.

Die Krankheitslast bei der Influenza gehe nämlich über die Grippe allein hinaus. Weinke legte dar wie sich beides auf die Mortalität auswirkt. Er präsentierte Daten aus Tierversuchen, bei denen Mäuse allein mit Influenzaviren beziehungsweise Pneumokokken infiziert wurden sowie erst mit Influenzaviren und dann mit Pneumokokken. Nach einer alleinigen Influenzainfektion überlebten alle Versuchstiere, infizierte man sie ausschließlich mit Pneumokokken, waren es 90 Prozent. Erkrankten die Mäuse jedoch erst an Influenza und dann an Pneumokokken, starben alle Tiere. Auch wenn es sich nur um Tierversuchsdaten handele, zeige der Versuch eindrucksvoll die viral-bakterielle Synergie, so Weinke. Auch bei Menschen treten zu Zeiten hoher Influenzaaktivität vermehrt schwere Atemwegsinfekte auf, was eben auf diese viral-bakterielle Synergie zurückzuführen sei. Das RKI geht davon aus, dass die diesjährige Grippewelle in der zweiten Kalenderwoche 2020 begonnen hat.

Weinke: Mit Impfungen in Apotheken gut beraten

Weinke warb vor diesem Hintergrund nachdrücklich für eine Erhöhung er Impfquoten bei Influenza, die derzeit weit unter denen von der STIKO angestrebten liegen. „Hier ist noch viel Luft nach oben“, so der Mediziner.  Er befürwortet es daher, dass die „Apotheker in diese Lücke rutschen“.  Schließlich biete die Apotheke einen niedrigschwelligeren Zugang als Arztpraxen. Damit sei die medizinisch-pharmazeutische Community gut beraten.

Grippe: kardiovaskulärer Risikofaktor

Komme zu einer bestehenden Atherosklerose eine Influenzainfektion, führe das unter anderem zu systemischer Inflammation, Tachykardie, Hypoxie, Zytokinfreisetzung, Vasokonstriktion und zur Ruptur atherosklerotischer Plaques und in der Folge zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko, erklärt der Mediziner.

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Für ihn gehört daher eine Grippeinfektion ganz klar zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse dazu. Auch hier liefert das ehemalige STIKO-Mitglied Zahlen. So verhindert die Gabe von Statinen einen Herzinfarkt mit einer Effektivität von 19 bis 30 Prozent, die Gabe von Antihypertensiva schafft 17 bis 25 Prozent. Hört man zu Rauchen auf, wird eine Effektivität von 32 bis 43 Prozent genannt. Und die Grippeimpfung dringt im Idealfall in gleiche Dimensionen vor, hier liegt die Effektivität bei der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse bei 15 bis 45 Prozent.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Grippeimpfung

von Schon am 22.01.2020 um 23:26 Uhr

In dem Buch Impfeñ-Facetten einer Diskussion könnt ihr alles über die Lügen der Pharmaindustrie nachlesen.

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