Ergebnis der Umfrage

So gehen die Apotheker mit der Bonpflicht um

Stuttgart - 07.01.2020, 17:55 Uhr

Die meisten Bons aus Apotheken landen in der Tonne. Nur wenige Patienten nehmen sie mit. (m / Foto: FOTOWAWA/stock.adobe.com)

Die meisten Bons aus Apotheken landen in der Tonne. Nur wenige Patienten nehmen sie mit. (m / Foto: FOTOWAWA/stock.adobe.com)


Seit einer guten Woche müssen Händler mit elektronischer Kasse für jeden Geschäftsvorfall einen Bon drucken. Das gilt für den Apotheker ebenso wie für den Bäcker und den Kneipenbesitzer. Möchte der Kunde oder Patient diesen nicht, darf der Händler den Beleg wegwerfen. Laut einer kürzlich von DAZ.online durchgeführten Umfrage ist das auch das Schicksal der meisten Bons – sie landen in der Tonne. Einige Apotheker haben den automatischen Bondruck aber deaktiviert.

Dem Bund sollen Milliarden an Steuereinnahmen durch Manipulationen an elektronischen Kassen durch die Lappen gehen. Die Belegausgabepflicht ist eine Maßnahme, die hier gegensteuern soll. Seit 1. Januar 2020 ist sie in Kraft. Konkret bedeutet das, dass auch in der Apotheke für jeden Geschäftsvorfall ein Bon ausgedruckt werden muss – und zwar immer, nicht nur, wenn der Kunde das wünscht. Das gilt auch dann, wenn gar kein Geld über den HV-Tisch geht, wie das bei zuzahlungsbefreiten Rezepten der Fall ist. Ohnehin wird in Apotheken das Gros der Umsätze gar nicht bar gemacht, sondern direkt mit den Kassen abgerechnet, was Steuerbetrug erschweren dürfte. Dennoch gelten für Apotheker dieselben Regeln wie für den Metzger nebenan. Erschwerend kommt bei Apotheken allerdings noch hinzu, dass die Bons oft weitaus sensiblere Daten enthalten als Leberwurst- und Schinkenmengen. Stehen personenbezogene Daten darauf, muss der Kassenzettel folglich, wenn ihn der Patient nicht möchte, datenschutzkonform vernichtet werden.

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Wir wollten von unseren Lesern wissen, was mit den Bons in ihrer Apotheke passiert. 1752 DAZ.online-Leser haben an unserer Umfrage teilgenommen. Demnach nehmen in nur wenigen Apotheken die Patienten mehrheitlich ihre Bons mit. Bei 13,53 Prozent der Teilnehmer ist das der Fall. Das Schicksal, das die meisten Bons ereilt, ist die Entsorgung durch die Apotheke. 62,33 Prozent erklärten, dass das bei ihnen am häufigsten vorkommt. 6,39 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, Aufrufen zu folgen, die Bons zu sammeln und nach Berlin an das zuständige Bundesfinanzministerium zu schicken. Immerhin 17,75 Prozent räumten ein, sich über die Vorschrift hinwegzusetzen und den Beleg nur auf expliziten Kundenwunsch auszudrucken.

In Munster schreddern die Patienten selbst

Manche haben sich aber auch ganz andere Varianten ausgedacht, so zum Beispiel die Sonnen-Apotheke in Munster. Hier steht an jeder der zwei Türen ein Aktenvernichter. Auf den Kassendisplays und sonstigen HV-Bildschirmen läuft folgendes Video:

Laut Inhaber Dr. Alexander Zörner werden die Schredder rege genutzt. Andere sammeln die nicht mitgenommenen Bons, verteilen diese dann in der Offizin und fotografieren schließlich den Müll, natürlich datenschutzkonform, um die Fotos für spätere Aktionen nutzen zu können.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Bonpflicht

von Kiwani am 09.01.2020 um 1:02 Uhr

Super für die Umwelt diese Thermopapier... Congrats.... Bon braucht kein Mensch

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