„Historische Apotheken – neu betrachtet“ – Teil 1

„Spitzweg-Apotheke“ – aus der Tradition heraus Apotheke betreiben

25.12.2019, 08:00 Uhr

Seit 1690 eine Institution in Erding – die Stadtapotheke. (c / Fotos: Stadtapotheke Erding)

Seit 1690 eine Institution in Erding – die Stadtapotheke. (c / Fotos: Stadtapotheke Erding)


„Spitzweg-Apotheke“ – Maler lockt Kunden in Apotheke

Die lange Geschichte der Stadtapotheke kennt einen Höhepunkt, der heutzutage hin und wieder interessierte Kunden in die Apotheke lockt: Der Maler und Apotheker Carl Spitzweg absolvierte 1825 beziehungsweise 1828 zwei kurze Praktika in der Apotheke – so die Überlieferung. Stolz weist eine an der Apothekenfassade angebrachte Kupferplatte mit eingravierter Nachbildung einer Handzeichnung Spitzwegs auf den berühmten Praktikanten hin. Dargestellt ist eine Laborszene mit dem Titel „Die unglücklichen Opfer der Chemie“. Ein Unbekannter hat die Originalzeichnung mit dem Zusatz versehen: „als Apothekerlehrling in Erding gezeichnet“. 

Carl Spitzweg absolvierte zwei Apothekenpraktika in der Stadtapotheke Erding. Eine seiner frühesten Skizzen, „Die unglücklichen Opfer der Chemie“, enthält den Zusatz „als Apothekerlehrling in Erding gezeichnet“. Eine auf eine Kupferplatte gravierte Nachbildung findet sich an der Stadtapotheke in Erding

Die Stadtapotheke jedenfalls ist stolz auf ihren berühmten „Lehrling“ – und Kunden schauen auch gerne mal nach der „Spitzweg-Apotheke“. „Dass bei uns der Maler Spitzweg war, das ist natürlich was, das verbinden viele Leute ganz bewusst mit der Apotheke“, erläutert Braun. Überhaupt kämen viele Touristen in die Apotheke und seien über das Ambiente erstaunt. So ist unter anderem die historische Einrichtung der Offizin aus der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts weitestgehend erhalten. „Es ist eine traditionelle Apotheke, die so nicht mehr so häufig anzutreffen ist. Wir haben – das hat auch der Vorgänger schon so gemacht – sehr großen Wert darauf gelegt, dass wir das historische Gewand erhalten“, so Braun.

Nicht nur Kunden profitieren vom historischen Ambiente

Apotheke aus der Tradition heraus führen, ist eines der Mottos des Apotheker-Ehepaars Braun. „Wir führen eine Tradition fort. Die zeigt man auch.

Alte Apothekengefäße repräsentieren ein Stück Pharmaziegeschichte.

Und wenn man aus der Tradition heraus Apotheke betreibt und wenn man auch mit der Aura der Tradition verbunden Pharmazie betreibt, dann finde ich das eine gute Sache“, beschreibt der Erdinger Apotheker seine Überzeugungen. Er ergänzt: „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass in den modernen Zeiten mit Computer und so weiter viele Menschen auch eine Sehnsucht nach etwas Ursprünglichen und nach etwas Menschlichem haben. Und da versuchen wir natürlich, was die historische Einrichtung verspricht, auf menschliche Weise auch zu transportieren.“



Inken Rutz, Apothekerin, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

„Historische Apotheken – neu betrachtet“ – Teil 5

„Moderne Center-Apotheke wäre nicht authentisch“

„Historische Apotheken – neu betrachtet“ – Teil 2

„Wir sind integraler Bestandteil jeder Stadtführung“

„Historische Apotheken – neu betrachtet“ – Teil 4

Medikamente für englische Schiffe – so fing alles an

„Historische Apotheken – neu betrachtet“ – Teil 3

Bautzens Älteste – 477 Jahre Apothekengeschichte

DAZ.online-Serie „Die Besonderen“

Apotheke gewinnt Deutschen Lichtdesignpreis

DAZ.online-Miniserie Berühmte Apotheker (3)

Theodor Fontane und Co. – Apotheker in Kunst und Kultur

Pharmaziehistorisches Kolloquium im Apothekenmuseum Winkler und Schloss Ambras

Alte Innsbrucker Pretiosen

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.