Online-Ärzte

Kry: Telemedizin mit Rezepten per Fax

Berlin - 20.12.2019, 14:45 Uhr

Die schwedische Online-Arztpraxis Kry bietet deutschen Patienten Online-Beratungen an. Die Rezepte wandern dann allerdings per Fax in die Apotheke. (s / Foto / Screenshot: Kry/DAZ.online)

Die schwedische Online-Arztpraxis Kry bietet deutschen Patienten Online-Beratungen an. Die Rezepte wandern dann allerdings per Fax in die Apotheke. (s / Foto / Screenshot: Kry/DAZ.online)


Seit einigen Wochen ist der europaweit tätige, schwedische Telemedizin-Anbieter Kry in Deutschland aktiv. Über die Kry-App können sich Patienten mit einem deutschsprachigen Online-Arzt verbinden lassen, der dann gegebenenfalls auch Arzneimittel verordnet. Im DAZ.online hatte Kry-Deutschlandchefin Cristina Koehn noch dazu geschwiegen, wie die Rezepte in die Apotheken oder zum Kooperationspartner DocMorris kommen. Nun ist klar: Kry versendet die Verordnungen per Fax. Auf Nachfrage von DAZ.online verteidigt das Unternehmen diesen Übermittlungsweg.

Die Telemedizin entwickelt sich derzeit rasant in Deutschland. Nachdem der Deutsche Ärztetag die Musterberufsordnung der Ärzte dahingehend änderte, dass Mediziner auch per Video oder Telefon beraten dürfen, sprießen fast wöchentlich neue Angebote aus dem Boden. Inzwischen ist auch das sogenannte Fernverordnungsverbot aufgehoben. Apotheker dürfen also wieder Rezepte beliefern, die aus nicht-direkten Arzt-Patienten-Kontakten resultieren.

Somit steht Geschäftsmodellen wie dem des Telemedizin-Anbieters Kry nichts mehr im Wege: Im Interview mit DAZ.online hatte Kry-Deutschlandchefin Dr. Cristina Koehn das Modell beschrieben. Demnach beraten Ärzte mit einer Approbation aus Deutschland ihre Patienten per Video über eine App. Sollte es nötig sein, stellt der Mediziner ein Privatrezept aus. Koehn stellte klar, dass der Patient frei entscheiden könne, ob er sein Rezept zu einer Vor-Ort-Apotheke oder zum Kooperationspartner DocMorris schicken will. Nur eine Frage ließe Koehn offen: Wie kommt das Rezept in dem Digital-Projekt in die Apotheke?

Kry: Rezepte per Fax in die Apotheke oder zu DocMorris

Der Branchendienst „Apotheke Adhoc“ hat dies nun in einem Test mit einer „vorgetäuschten Krankheit“ ausprobiert. Und siehe da: Nach einigen Komplikationen bei der Apothekenauswahl landete die Verordnung per Fax in einer Vor-Ort-Apotheke. Interessant ist auch, dass DocMorris das Rezept über ein Antibiotikum laut „Apotheke Adhoc“ ablehnte. Der Grund: Das Arzneimittel werde schnell benötigt.

Aber warum verschickt Kry Arzneimittel-Rezepte per Fax? Das Fax ist zwar zwischen vielen Arztpraxen und Apotheken weiterhin ein beliebtes Kommunikationsmittel. Aber ist es sicher genug, um es als Standard-Transportweg für Arzneimittel-Verordnungen zu verwenden? Beim Telemedizin-Versorgungsmodell der Teleclinic und apotheken.de hatte man mit Absicht auf das Fax verzichtet – aus Datenschutzgründen. Hier können die Apotheker nur über einen verschlüsselten Zugriff auf die Patientendaten zugreifen und das PKV-Rezept einsehen. Hinzu kommt die Frage nach der Ausfallsicherheit. Viele Apotheken schalten ihr Faxgerät außerhalb der Öffnungszeiten ab. Es kann auch mal kaputt sein.

Kry-Sprecherin: Bis es die TI gibt, nehmen wir das Fax

Auf Nachfrage von DAZ.online erklärte eine Kry-Sprecherin, dass man zunächst überhaupt eine Lösung anbieten wollte und nun auf die Etablierung der Telematikinfrastruktur warte. Die Sprecherin wörtlich: „Das Ziel von Kry ist es, eine Rezeptlösung anzubieten, die jetzt schon in allen Apotheken eingelöst werden kann. Grundsätzlich möchten wir die gerade entstehende Infrastruktur nutzen und freuen uns, möglichst schnell an diese anzuknüpfen. Für die Übergangszeit, in der es kein flächendeckendes System gibt, setzen wir auf eine Lösung, die funktioniert und den rechtlichen Anforderungen genügt. Dafür nutzen wir unsere Erfahrung mit verschiedenen E-Rezept-Systemen im Ausland.“

Und was sagt Kry zu den Bedenken zur Datensicherheit? Die Sprecherin: „Sicherheit hat bei Kry höchste Priorität. Die Übermittlung per Fax ist Standard in Deutschland. Ärzte übertragen täglich Rezepte per Fax an Apotheken. Bis es in Deutschland eine flächendeckend funktionierende Lösung für elektronische Rezepte gibt, greifen wir auf Etabliertes zurück.“

In seiner Pressemitteilung zum Start der Kooperation mit DocMorris hatte das Unternehmen den Beratungs- und Verordnungsprozess zudem als „unkompliziert“ beworben. Aber hält sich diese Aussage, wenn man sich überlegt, dass für jede Verordnung ein Fax verschickt werden muss? Ja, meint die Kry-Sprecherin. „Aus Patientensicht ist der Prozess maximal unkompliziert: Nachdem das Rezept ausgestellt ist, muss der Patient/die Patientin lediglich die präferierte Apotheke auswählen, erhält daraufhin von Kry eine Info, sobald das Medikament dort abholbereit ist, und kann es dann abholen. Alternativ bestellt er oder sie das Medikament nach Hause.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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