Cochrane-Analyse

HPV-Impfung: zwei Dosen so wirksam wie drei

Stuttgart - 09.12.2019, 13:00 Uhr

HPV-Impfungen schützen vor Gebärmutterhalskrebs. Hierbei scheint ein zweifaches Impfschema so effektiv zu sein wie ein dreifaches, was angesichts von immer wieder herrschenden Lieferengpässen eine gute Nachricht ist. (s / Foto: imago images / Science Photo Library)

HPV-Impfungen schützen vor Gebärmutterhalskrebs. Hierbei scheint ein zweifaches Impfschema so effektiv zu sein wie ein dreifaches, was angesichts von immer wieder herrschenden Lieferengpässen eine gute Nachricht ist. (s / Foto: imago images / Science Photo Library)


Neunfach so wirksam wie vierfach

Die Wissenschaftler werteten auch eine Studie mit 16- bis 26-jährigen Frauen aus, hier zeigte sich, „dass die nonavalenten und quadrivalenten Impfungen ähnlich guten Schutz vor Läsionen von Krebsvorstufen und Krebs in Gebärmutter, Scheide und Scham bieten“, so die Cochrane-Analyse. Die Evidenz sei „von hoher Vertrauenswürdigkeit“.

Mehr Nebenwirkungen nach nonavalenter Impfung

Zudem scheint die nonavalente Impfung bei Männern und Frauen zu mehr örtlichen unerwünschten Ereignissen zu führen als die quadrivalente Impfung. „Bis zu 90 Prozent der Männer und Frauen, die einen HPV-Impfstoff erhielten,“ zeigten „geringfügig lokale Nebenwirkungen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle“. Wobei auch hier die Evidenz zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und Todesfällen aus Studien, die verschiedene HPV-Impfstofftypen oder Dosis-Schemata verglichen, nur von niedriger oder sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, gewesen sei.

HIV-Infektion: bi- und tetravalente Impfung Vorteil

Die Wissenschaftler werteten auch Studien an HIV-Erkrankten aus. Die Ergebnisse sind interessant, denn laut Cochrane ist die Antikörperreaktion nach einer bivalenten oder tetravalenten Impfung höher als nach der nonavalenten Impfung: „Die HPV-Antikörperreaktionen bei Kindern mit HIV-Infektion waren nach der Impfung mit einem bivalenten oder vierwertigen Impfstoff höher als bei einem Neunfach-Impfstoff gegen HPV. Diese Antikörperreaktionen gegen HPV konnten bis zu zwei Jahre nachgewiesen werden", fanden die Wissenschafler

Welche HPV-Impfstoffe gibt es?

In Deutschland sind mehrere Impfstoffe zum Schutz vor HP-Viren auf dem Markt. Eine Impfung gegen alle HPV-Typen existiert nicht – was bei mittlerweile etwa 170 Virustypen auch unmöglich wäre. Derzeit schützt Cervarix® (GlaxoSmithKline) gegen die Subtypen 16 und 18, Gardasil® (nur noch Importe in Deutschland verfügbar) und Silgard® (beide MSD) immunisieren zusätzlich gegen die Virustypen 6 und 11. Am umfassendsten ist die seit 2015 verfügbare Impfung Gardasil® 9, der neunvalente HPV-Impfstoff schützt vor den Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58.

Der Mediziner Professor Harald zur Hausen erhielt für die Entdeckung des Zusammenhangs einer Infektion mit bestimmten HPV-Typen und der Entstehung von Zervixkarzinomen 2008 den Nobelpreis für Medizin.

Auch für Jungen

Für die Prävention von Gebärmutterhalskrebs empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) neun- bis 14-Jährige gegen HPV zu impfen. Laut WHO gelten zwei Impfdosen im Abstand von sechs Monaten als effektivste Strategie. Drei Impfdosen sollen über 15-Jährige, HIV-Infizierte oder Personen mit anderweitigen Immundefizienzen erhalten. In Deutschland gilt die HPV-Impfung seit November 2018 auch als Standardimpfung für Jungen, zuvor traf dies nur für Mädchen zu.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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