Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 1

Fructose – süße Gefahr

06.12.2019, 11:30 Uhr

Natürlicherweise findet sich Fructose in frischen Früchten und Gemüse. Aber sie  ist auch Bestandteil zahlreicher verarbeiteter Lebensmittel – oft hinter verschleiernden Bezeichnungen. (Foto: spline_x/stock.adobe.com)

Natürlicherweise findet sich Fructose in frischen Früchten und Gemüse. Aber sie  ist auch Bestandteil zahlreicher verarbeiteter Lebensmittel – oft hinter verschleiernden Bezeichnungen. (Foto: spline_x/stock.adobe.com)


Nicht alkoholbedingte Fettlebererkrankungen auf dem Vormarsch

Fettleber und Hyperlipidämie gehören zum Symptomenkomplex des Metabolischen Syndroms, von dem ca. 30–35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland betroffen sind, zunehmend auch Kinder. Gerade die nicht alkoholbedingten Fettlebererkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen, wobei die Deutsche Leberstiftung in erster Linie den Süßigkeiten- und Softdrink-Verzehr als Ursache annimmt. Hier zeigt sich bereits die Dramatik, die von einer stark Fructose-lastigen Ernährung ausgeht.

Auch das Körpergewicht steigt

Epidemiologische Studien belegen, dass Fructose-Konsum und Adipositas eindeutig zusammenhängen. Die Erklärung dafür liegt im hormonellen Bereich. Wenn ein gesunder Mensch eine normale Mahlzeit verzehrt, steigt der Insulin-, aber auch der Leptinspiegel an, während der Spiegel des appetitanregenden Hormons Ghrelin sinkt.

Leptin spielt nicht nur eine Rolle dabei, den Fettstoffwechsel zu regulieren, sondern bremst auch das Hungergefühl. Das heißt: Normalerweise wird ein Mensch während des Essens satt. Der Verzehr von Fructose hat jedoch keinerlei Wirkung auf die Insulin-, Leptin- und Ghrelinspiegel. Das bedeutet, dass das Sättigungsgefühl ausbleibt und viele Menschen ungehemmt weiteressen und -trinken. Die Gewichtszunahme ist damit vorprogrammiert.

Nicht nur das Fett ist ein Problem

Auch auf den Harnsäurespiegel hat die Fructose – als einziger Zucker überhaupt – einen negativen Einfluss. In den Leberzellen wird Fructose enzymatisch in eine Phosphatverbindung umgewandelt. Je mehr Fructose mit der Nahrung oder über Getränke in den Körper gelangt, umso mehr Phosphat wird verbraucht. Im Verlauf dieser Reaktionskette wird ein Enzym aktiviert, das den Abbau von Purinen einleitet.

Purine sind Bausteine von Nukleinsäuren und werden vom Körper selbst produziert oder auch durch tierische Nahrung zugeführt. Beim Abbau von Purinen entsteht Harnsäure. Bei verstärktem Purinabbau steigt der Harnsäurespiegel und es kann eine Hyperurikämie (krankhafter erhöhter Harnsäuregehalt im Blut) entstehen, die mit den typischen Symptomen der Gicht einhergeht.

Blutgefäße in Gefahr

Die Hyperurikämie gilt zugleich als einer der Risikofaktoren für die Entwicklung eines Metabolischen Syndroms. Denn Harnsäure gelangt auch in die Endothelzellen, die die Innenseite der Blutgefäße auskleiden, und bremst dort die Produktion des gasförmigen Transmitters Stickstoffmonoxid (NO). Ein anhaltender NO-Mangel führt dazu, dass die Endothelmuskelzellen unelastisch werden und sich nicht mehr erweitern. Ein unerwünschter Blutdruckanstieg ist die Folge.

Doch das ist noch nicht alles. Die verminderte NO-Freisetzung trägt dazu bei, dass die Endothelzellen resistent gegen Insulin werden. Das bedeutet, die Glucose aus dem Blut wird nicht ausreichend in die Zellen transportiert. Der Blutzuckerspiegel bleibt hoch, sodass die Bauchspeicheldrüse noch mehr Insulin freisetzt. Es entwickelt sich eine Hyperinsulinämie. Gemeinsam mit der Hypertonie, dem gestörten Lipidstoffwechsel und dem Übergewicht ist das Metabolische Syndrom somit komplett.



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Fructose Sirupe

von Julia Sander am 07.12.2019 um 7:09 Uhr

Ein ganz toller Artikel.
Sehr gute Darstellung der Reaktionswege die weit über die Leberbelastung hinausgehen. Welch unterschiedliche Auswirkungen und Kettenreaktionen. Ein Plädoyer für unverarbeitete Lebensmittel.
Vielen Dank, Julia Sander

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