Superinfektion bei Neurodermitis

Von Kopf bis Fuß: Einmal täglich mit Octenidin ansprühen

Heidelberg - 02.12.2019, 07:00 Uhr

Was haben Taucherbrillen mit Neurodermitis zu tun? (b/Foto: michael hampel / stock.adobe.com)

Was haben Taucherbrillen mit Neurodermitis zu tun? (b/Foto: michael hampel / stock.adobe.com)


„Die Realität hinkt nach“

In der anschließenden Fragerunde zeigte sich, dass das Thema Rezepturen die Apotheker beschäftigt. So lautete eine Frage aus dem Publikum, wie denn mit Gentamycin-Rezepturen zu verfahren sei? Pföhler bezeichnete solche Rezepturen als „No-Go“ bei Neurodermitis. Sie warb insgesamt dafür, auf die Anwendung topischer Antibiotika aus Gründen der Resistenzentwicklung zu verzichten. Auch laut Leitlinie bringen antibiotische Zusätze im Vergleich zur alleinigen Glucocorticoidtherapie keinen zusätzlichen Nutzen. 

Die Realität hinkt hier laut Pföhler noch nach, ihrer Meinung nach werden die Antiseptika kommen.

Mehr zum Thema

Nutzen-Risiko-Relation des Biozids auf dem Prüfstand

Brauchen wir Triclosan?

Evidenzbasierte Empfehlungen zur Pflege der Babyhaut

Hochempfindlich

Aus dem Publikum kam sodann auch die Frage, wie das Antiseptikum Triclosan einzuschätzen sei. Hier verwies Pföhler vor allem auf die Umweltproblematik, weshalb sie Octenidin aktuell für die bessere Alternative hält.

Wer dazu einen Blick in die Leitlinie wirft, findet dort: „Triclosan kann in einer Konzentration von 1% bei Säuglingen und 2% bei älteren Kindern und Erwachsenen auf entzündeter Haut eingesetzt werden. Alternative Wirkstoffe sind Chlorhexidin, rezeptiert z.B. 1%-ig in Basiscreme DAC (welches aber selten Kontaktallergien auslöst); Silber oder auf nässenden Ekzemen auch Octinidinlösung. Die früher häufig eingesetzten antiseptischen Farbstofflösungen Gentianaviolett (0,5%) oder Eosin (1%) werden im ambulanten Setting aufgrund ihrer Eigenfärbung nur noch begrenzt verwendet.“

Pföhler sprach in der Fragerunde von sich selbst als einem „großen Fan von Farbstofflösungen“, sie seien aber vom Markt verschwunden. Auch sonst gab Pföhler viele praxisnahe Empfehlungen. So ging es um die konsequente Basistherapie nach dem bekannten Motto „feucht auf feucht, fett auf trocken“. Außerdem zeigte sich Pföhler als Fan von fett-feuchten Verbänden



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

42. Heidelberger Herbstkongress widmete sich Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter

Früh die Weichen stellen

Verordnungsfähigkeit von Antiseptika und Desinfektionsmitteln

Oft verwendet, kaum verordnet

Individuelle Rezepturen gegen den Juckreiz

Pflege alter Haut

Die Antisepsis hat viele Gesichter

Hygiene ist das A und O

Rezepturen für empfindliche Kinderhaut

Schmieren und Salben ...

Welche Antiseptika eignen sich für welche Zwecke?

Mikrobizid, fungizid, viruzid

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.