Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

01.12.2019, 07:59 Uhr

Gibt's ein Honorar für den Ärger mit den Lieferengpässen? Oder: Gibt's einen Weihnachtsmann? (Foto: And 

Gibt's ein Honorar für den Ärger mit den Lieferengpässen? Oder: Gibt's einen Weihnachtsmann? (Foto: And 


29. November 2019

Nächste Runde zum Thema Lieferengpässe, die man bekanntlich mit dem Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz in den Griff zu bekommen sucht: Die ersten Vorschläge aus der Politik, von Regierungsfraktionen und Bundesgesundheitsministerium, wurden weiter modifiziert. Einige Beispiele zum aktuellen Stand: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) soll neue Kompetenzen im Management von Lieferengpässen bekommen. Die zuständigen Behörden sollen eine Liste aller versorgungsrelevanten und versorgungskritischen Wirkstoffe im Internet veröffentlichen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte soll beispielsweise anordnen dürfen, dass Pharmaunternehmen und Großhändler Maßnahmen „zur Gewährleistung der angemessenen und kontinuierlichen Bereitstellung von Arzneimitteln“ ergreifen. Hersteller und Großhändler müssen ihre Lagerbestände künftig melden, „sofern die Bundesoberbehörde das fordert. Und für die Apotheker ist eine Regelung besonders interessant: So soll es „nach Ablauf von 24 Stunden“ für Apotheker möglich sein, ein anderes, wirkstoffgleiches, nicht rabattiertes und lieferbares Präparat abzugeben. Dieses darf allerdings den Preis des verordneten Arzneimittels nicht überschreiten. Mein liebes Tagebuch, müssen wir dann unsere Patienten warten lassen und auf den nächsten Tag vertrösten? Welch ein Schwachsinn wird da ausgebrütet? Und noch ein bemerkenswerter Punkt: Das Bundesgesundheitsministerium hält bei den Rabattverträgen der Kassen nichts von der Vergabe von Verträgen an mehrere Hersteller, das helfe nicht, Engpässe zu vermeiden. Es seien zudem die Exklusivverträge, die den Kassenwettbewerb sicherten. Oh mein Gott, wie lässt sich da das Ministerium von den Kassen an der Nase herumführen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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15 Kommentare

Richtige Fragen aufgeworfen!

von Elisabeth Thesing-Bleck am 02.12.2019 um 8:31 Uhr

@Wolfgang Müller
Genau die richtigen Fragen, die sie aufwerfen. Für die Antwort brauchen wir Als ersten Schritt eine präzise Analyse, Diese kann nur professionell erstellt werden. Daraus folgt unmittelbar ein umsetzbares Handlungskonzept. Selbstverständlich können weder sie noch ich das persönlich leisten. Wir können aber sehr wohl diese Forderung an die Zuständigen innerhalb unseres Berufsstandes adressieren. Und genau das ist auch eine Aufgabe dieses Forums.
In diesem Sinne allen Mitlesenden: Eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.

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Lösungskonzept erarbeiten, um Benachrichtigung zu beseitigen

von Elisabeth Thesing-Bleck am 01.12.2019 um 18:09 Uhr

@ Dr. Radmann
@ Karl Friedrich Müller
Liebe Kollegen,
Ganz so einfach wie sie es interpretieren ist es allerdings nicht. Das Gewerbegebiet Avantis wurde in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt war Doc Morris noch nicht gegründet.
Um Gewerbeansiedlungen im strukturschwachen Grenzgebiet zu unterstützen, wurde Avantis mit Privilegien ausgestattet, die nur bei einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit möglich sind. Doc Morris hat das durch seine Standortwahl für sich ausgenutzt. Das ist schon seit längerem bekannt, wurde aber nicht in den Vordergrund der Debatte gerückt, um Me-Too-Effekte zu vermeiden.
Den Hinweis auf die großen Benachteiligungen, die von dieser Situationin für die ortsgebundenen öffentlichen Apotheken entstehen, habe ich erstmalig in einer berufsständischen Debatte in der letzten Kammerversammlung der Apothekerkammer Nordrhein gehört. Die DAZ hat mit ihren unterschiedlichen Formaten dieses Argument aufgegriffen.

Wenn man diese Debatte In unserem Berufsstand führen will, entsteht daraus eine besondere Verantwortung. „Schön das wir darüber geredet haben“ reicht nicht. Jetzt muss lösungsorientiertes Handeln folgen. Es muss ein Handlungskonzept aufgestellt und zügig umgesetzt werden, wie die Benachteiligungen, die zulasten der öffentlichen Apotheken entstehen, unverzüglich beseitigt werden.

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AW: Lösungskonzept erarbeiten, um

von Karl Friedrich Müller am 01.12.2019 um 19:06 Uhr

Ja? Dazu müsste erst mal erkannt werden, wer wirklich benachteiligt ist. Bis jetzt war das immer (fälschlicherweise) DocMorris. Da funktioniert das Netzwerk sehr gut und die Gehirnwäsche bei den Politikern

AW: "Benachteiligung beseitigen": Ja warum eigentlich nicht?

von Wolfgang Müller am 01.12.2019 um 23:25 Uhr

Liebe Kollegin,

Preisfragen (alles berufsideologische Tabus, übrigens):
Welche Nachteile/Benachteiligungen sind das überhaupt GENAU? Personalmangel-, Kosten- und generell: Aufwands-mäßig? Wo liegen die berufspolitischen Ursachen? WER ist verantwortlich für diese Nachtteile, also nunmehr auch für ihre Beseitigung? Bzw. mindestens verantwortlich dafür, die Beseitigung gut präzisiert auf den Weg in die Gesetzgebung zu bringen? Warum WERDEN diese Nachtteile nicht einfach beseitigt, anstatt in einem konstanten Strom berufspolitisch weitere hinzuzufügen? Und letztlich: Cui bono, außer "Dem Versand", dass die Nachteile BLEIBEN?

Gehen wir mal davon aus, dass der Rx-Versand nicht verboten wird, und auch Privilegien von Sonderwirtschafts-Zonen wie "Avantis" keinesfalls durchgreifend abgeschafft werden sollen. Und auch Honorare nicht steigen werden, Kosten wie Löhne und Mieten aber natürlich schon. Von "gedeckelten" Boni mal gar nicht zu reden ...

Dann hat "Weitermachen" mit diesem wachsenden Fixkosten-"Nachteils"-Block für eine enorme Anzahl normaler Apotheken wirklich keinen Sinn. Nachfolgersuche muss zwangsläufig zur peinlichen Lächerlichkeit werden, irgendwann auch mit 3 Mio. Umsatz. Wenn, ja wenn die Nachteile der Präsenz-Apotheken nicht konsequent zugunsten schlanker, abgespeckter Strukturen beseitigt werden.

Scheint Alles aber schwer zu verstehen zu sein. "Suchst Du helfende Hände, schau ans Ende Deiner eigenen Arme" muss sich bei "Uns" als Erkenntnis wohl erst noch durchsetzen.

AW: Lösungskonzept erarbeiten

von Dr. Radman am 01.12.2019 um 23:28 Uhr

Ich habe nichts dagegen, wenn “area fifty one” mit Privilegien ausgestattet ist, wenn es um Produktion von Stahl oder cement geht. Jedoch habe ich was dagegen, wenn es um Arzneimittel geht, die den Leib und Leben des Patienten beeinflussen. Wenn wir machtlos sind, müssen wir diplomatische Beziehungen zu Republik DoMo aufnehmen. Oder?

Grundgesetz, Verfassung, Einigkeit und Recht und Freiheit; LmaA = Lächle mehr als Andere

von Bernd Jas am 01.12.2019 um 17:04 Uhr

"Oh mein Gott, wie lässt sich da das Ministerium von den Kassen an der Nase herumführen."

Lieber Herr Ditzel,
wie das geht ist einfach zu erklären. Man vereinigt Legislative, Exekutive und Judikative in seinem eigenen Verein. Nur, sich bis in diese Position vor zu arbeiten ist schon beachtenswert.
Wobei wir wieder bei den Herren Dr. Rathmann und Müller sind.
"Ein Gebiet (im Gesundheitswesen), wo kein Recht gilt? Bzw. nur das eigene? Anarchie."
Die wahre Freiheit scheint auf dem Gipfel der Macht erreichbar zu sein.

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Anbindung von DocMorris an die TI

von Karl Friedrich Müller am 01.12.2019 um 13:56 Uhr

Und Datenschutz
Jeder Patient sollte auf die Aushändigung der Rezepte in Papierform bestehen, auch in Zukunft.
Es geht überhaupt nicht, dass DocMorris schon wieder einen Sonderstatus bekommt.
Dr. Radmann hat da völlig recht. Ein Gebiet in der EU, wo kein Recht gilt? Bzw. nur das eigene? Anarchie.
Die Behörden und Spahn müssten mit Klagen überzogen werden.

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Republik DocMo

von Dr. Radman am 01.12.2019 um 13:03 Uhr

Republik DocMo steht auf eigens Territorium, so etwa wie ein Reichsbürger. Diese Republik gehorcht nur eigenen Gesetze. Wir müssen uns damit einfach abfinden. Oder?

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Strafzahlungen aufgrund von Nichtverfügbarkeit

von Uwe Hüsgen am 01.12.2019 um 11:28 Uhr

Der Vorschlag des GKV-SV sollte m.E. von der Apothekerschaft weiter verfolgt werden. Denn wenn nichtlieferfähige Hersteller die Mehrarbeit in den Apotheken aufgrund von Nichtverfügbarkeit vergüten müssen, werden sich Hersteller überlegen, ob sie noch Rabattverträge (zu den bisherigen Konditionen) mit den Kassen abschließen können. Auch auf diesem Wege könnten zumindest Abschlüsse von singulären Rabattverträgen ein Ende finden.
Übrigens: Vorschläge zur Höhe der Strafzahlungen sind in PZ-Nr. 43, S. 28 ff., zu finden

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Lauter Stuss

von Karl Friedrich Müller am 01.12.2019 um 10:21 Uhr

Wie soll man das ertragen, Binsenweisheiten, Realtätsverweigerung.
200 Mio Umsatz werden umverteilt durch Apothekensterben. Im Monat oder wann? Und wie viele Apotheken sterben dann?
Bei 2 Mio Umsatz pro Apotheke gerade mal 100. Bei 1 Mio sind es 200. Bei durchschnittlich 200.000 Umsatz wären das 1000. da kommen wir noch lange nicht in den von KK und Politik erwünschten Bereich. Wieviele „kleine“ gibt es denn und ab welchem Umsatz fängt das an? Über wen reden wir denn da? Wer ist entbehrlich? Eine Art Apotheken Euthanasie. Find ich bedenklich. Und welche Apotheken, regional gesehen sind unerwünscht? Es trifft doch dann die auf dem Land? Und in kleinen Städten?
Diener verharmlost und findet Automaten und Versand toll, Digitalisierung auch. Kritiklos, verblendet.
Das Betriebsergebnis steigt nicht. Klar, prozentual eher nicht. Absolut doch schon.
Das ist ABDA Linie. Die Satten erklären uns die Welt. Wenn Du zu doof bist, auf allen digitalen Hochzeiten zu tanzen, kannst du können was du willst. Wohnortnahe Beratung wird überbewertet. Du kannst dann zum Sozialhilfelohn bei den gut vernetzten (in jeder Beziehung) Cleverles rund um die Uhr arbeiten. Als Teleapotheker. Damit sich Spahm, DocMorris und Bertelsmann Goldene Jachten verdienen.
Diener ist oberflächlich., schiebt den digital nicht bewanderten Kollegen die Schuld am Scheitern zu, nicht etwa der Politik und der ABDA, operiert zudem mit Binsenwahrheiten. Kein Wort gegen die Konsequenz aus den Spahnschen Gesetzen für die Bevölkerung. Abgehoben. Das Papier nicht wert. Und manche finden es noch toll. Hilfe..
Von wem werden eigentlich Spahn, GKV und so betraten? Wenn der Schwachsinn 24 Stunden immer wieder kommt? Sind das die gleichen Experten, auf deren Mist auch aller anderer Quatsch wäschst? Unsäglich peinlich ist das. Und diese Typen kommen sich vor, als hätten sie das Rad erfunden.

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AW: Lauter Stuss

von Karl Friedrich Müller am 01.12.2019 um 11:36 Uhr

Wenn ich sehe, wie Krankenkassen und Behörden mit armen, abhängigen, behinderten Personen umgeht, krieg ich das kalte Grausen.
Die Techniker, die immer wieder durch solche Aktionen auffällt, verweigert einen Rollstuhl mit Hub, empfiehlt dafür Windeln anzuziehen. Sozialamt verweigert eine Brille oder die Übernahme von Kosten für eine Krankenfahrt. Mit weitreichenden Folgen.
Es Werden erst Leistungen verweigert, auf die die Leute Anspruch haben in der Hoffnung, dass nichts weiter passiert. Keine Klage, dann ist Geld gespart. Die Betroffenen sollen klein bei geben.
Das ist Normalität, keine Einzelfälle.
Was ist das für eine beschi.....e Haltung? Was ist das für ein Staat, der solches Verhalten fördert?
Spruch von Spahn:
Wer Geld für Wodka und Co hat, um sich bewusst zu betrinken, kann auch 50 oder 100 EUR für den Notarzt und das Krankenhaus bezahlen.
So abgehoben. Ihn interessiert nur Spahn, für den Rest der Bevölkerung nicht.
Der Fisch stinkt nicht vom Kopf her, der Kopf ist tot.

Sonderregelung im grenzüberschreitenden Gewerbegebiet Avantis

von Elisabeth Thesing-Bleck am 01.12.2019 um 9:06 Uhr

Doc Morris liegt in einem grenzübergreifenden Gewerbegebiet der Länder Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Der Name ist Anvantis. Dieses Gewerbegebiet ist von Anfang an so konzipiert worden, dass die Betriebe, die sich dort ansiedeln sich aus den Regulierungen der drei Länder Deutschland, Belgien und Niederlande die für den einzelnen Betrieb jeweils günstigste Regelung auswählen dürfen. Über diese Sonderregelung wurde schon lange bevor Doc Morris dort sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, umfangreich debattiert. Diese Tatsache gilt es zu berücksichtigen, wenn man sich ein Urteil darüber erlauben will, warum Doc Morris nicht von den deutschen Behörden kontrolliert wird. Mit anderen Worten, man muss zunächst mal die gesetzlichen Vorgaben der drei Länder vergleichen, in deren Einfluss Bereich das Gewerbegebiet Avantis liegt.
Übrigens, ich wohne in unmittelbarer Nähe der beiden Windräder, die auf deutscher Seite vor dem Haupteingang von Doc Morris stehen, allerdings in einem Wohngebiet, das zum Glück nicht mehr zu Avantis gehört.

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AW: Sonderregelung

von Hermann Eiken am 01.12.2019 um 9:54 Uhr

Umso unverständlicher ist das EuGH Urteil von 2016 mit der Begründung, EU- Versender wie DoMo müssten auf Grund ihrer besonderen Standort- NACHTEILE gerechterweise weitere Vorteile erhalten, um in der deutschen Arzneimittelversorgung mitmischen zu können.— Es ist und bleibt so. DoMo ist keine Apotheke, auch nicht nach holländischer Version und vertreibt so in Deutschland illegal Medikamente! -Wann wird das endlich mal juristisch festgestellt?

Alles wird anders !

von Ulrich Ströh am 01.12.2019 um 8:46 Uhr

Fehlt noch eine aktuelle Ergänzung vom gestrigen Samstag, 30. November:

Durch die erfolgte Wahl eines regierungskritischen Duos bei der SPD wird sich auch bei Apothekers im kommenden Jahr bei der kommenden Gesetzgebung noch manches ändern .

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Alles wird anders

von Anita Peter am 01.12.2019 um 9:02 Uhr

Richtig. Die SPD wird nun alles blockieren. D.h. bei DoMo knallen mal wieder die Korken.
Tja hätte die ABDA ab Tag 1 mal lieber auf den Koalitionsvertrag bestanden.

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