Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

24.11.2019, 08:00 Uhr

Wer zwischen den Zeilen lesen kann, weiß, wie's mit der Gleichpreisigkeit weitergeht... (Foto: Andi Dalferth)

Wer zwischen den Zeilen lesen kann, weiß, wie's mit der Gleichpreisigkeit weitergeht... (Foto: Andi Dalferth)


19. November 2019

Man muss schon arg an sich halten, mein liebes Tagebuch, um da nicht auszurasten: Der Preisanker macht uns noch wahnsinnig. Nach anfänglichen Hin und Her kam im Oktober die Nachricht, dass bei Überschreitung des Preisankers bei Nichtverfügbarkeit eines Arzneimittels und in der Akutversorgung keine Rücksprache mehr notwendig sei. Wir Apothekers atmeten auf, die  Ärzte dankten. Und jetzt die Nachricht: Von dieser ur-vernünftigen Regelung gibt es Ausnahmen! Bei den Ersatzkassen (die schon wieder!) sind ergänzende Verträge zu beachten. Sie sehen nämlich vor, dass vor der Abgabe eines höherpreisigen Importarzneimittels/Originalarzneimittels als vom Arzt verordnet aufgrund von Nichtlieferbarkeit vor der Abgabe Rücksprache mit dem verordnenden Arzt zu halten ist. Oh nein, geht’s noch? Das alles ist doch mittlerweile Schikane, oder? Der Deutsche Apothekerverband befinde sich bereits in Gesprächen mit dem Ersatzkassenverband, heißt es nun. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Das E-Rezept treibt so manchen um. Auch den oberbayerischen Apotheker Stefan Hartmann, der u. a. auch Chef des Verbands der Apothekenkooperationen ist. Er sorgt sich, dass zunehmend Insellösungen entstehen, die der Apothekerschaft schaden könnten. Da ist was dran, wenn man bedenkt, dass derzeit über 50 E-Rezept-Projekte laufen. Hartmann wünscht sich, dass die Warenwirtschaftsanbieter mehr kooperieren sollten. Und die 19.000 Apotheken in Deutschland sollten untereinander vernetzt werden und eine kundenorientierte Lösung realisieren. Hartmann träumt sogar von einer standeseigenen Versandapotheke. Mein liebes Tagebuch, träumen darf man, aber der Zug ist schon lange weg. Vielleicht schafft es ja der Deutsche Apothekerverband, seine Web-App fürs E-Rezept so attraktiv zu platzieren, dass es die zentrale Plattform fürs E-Rezept wird. Vielleicht. Es soll da auch andere feine Apps geben. So ist das eben…

 

E-Rezept hin, E-Rezept her – es gibt nur einen „natürlichen Vermittler“ des E-Rezepts, und das ist die Web-App des Deutschen Apothekerverbands (DAV). Sagt der stellvertretende Chef des DAV, Hans-Peter Hubmann auf der Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesapothekerkammer. Und wenn er das sagt, dann ist das so, mein liebes Tagebuch, oder? Was macht ihn da eigentlich so sicher? 12.000 Apothekenleiter, die sich schon für die Web-App registriert haben. Aha, und alle anderen sollen doch bitte auch mitmachen, so Hubmann. Was für die DAV-Web-App spricht: Sie ist absolut diskriminierungsfrei, mit ihr werden keine kommerziellen Interessen verfolgt, sagt Hubmann. Und er ist voll optimistisch, dass das Bundesgesundheitsministerium die DAV-Web-App zum offiziellen Transportmedium für E-Rezepte macht. Und, mein liebes Tagebuch, was ist mit all den anderen Anbietern, die auch eine App entwickeln? Keine Sorge, man werde auch Schnittstellen für die Angebote anderer Anbieter bieten, sagt Hubmann, „aber  wir wollen das Sammelbecken sein“. Na gut, mal sehen.

 

Unglaublich, wie sich DocMorris sträubt, groß und deutlich die niederländische Adresse auf seinen Bestellscheinen anzugeben und stattdessen als „Versandapotheke DocMorris, 52098 Aachen“ fungieren und wahrgenommen werden will. Der Kunde soll wohl nicht denken, dass er seine Arzneimittel in Holland bestellt, sondern bei einem deutschen Versender. Um die Angabe, wie und wo und wie groß der korrekte Firmensitz anzugeben ist, schwelt schon seit Jahren, seit 2013 ein Rechtsstreit zwischen dem Verband Sozialer Wettbewerb als Kläger und DocMorris.  Da der Versender sich stur weigert, die Angaben auf den Bestellschein so anzugeben, wie es das Berliner Landgericht verlangt, hat das Gericht bereits ein Ordnungsgeld von läppischen 10.000 Euro verhängt. Aber DocMorris weigert sich zu zahlen. Mittlerweile sind die Rechtsmittel, die dem Versender zur Verfügung stehen ausgereizt, er müsste zahlen und seine Bestellscheinformulare endlich umgestalten. Wie geht das Spiel weiter? 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

Ja doch. Deutschland ist ein merkwürdiger Verein, besser die Regierung und Parteien

von Bernd Jas am 24.11.2019 um 13:07 Uhr

Guten Morgen lieber Herr Ditzel,
guten Morgen liebe Knöttergemeinde,

ich hol da mal etwas aus, bevor ich dann auf das nette Bürschchen von letzter Woche zurück komme.
Für mich der Aufreger der Woche, war Karlchen der Lautdenbachruntergeht mit samt seiner Sozialistenschwitte. Im Schlepptau gleich da hinterher, die in sozialistischer Planwirtschaft gebadete Kanzlerin, die schön von Schäuble und Draghi in die Target 2 Salden eingewickelt wurde; passte ja bestens zur angeborenen Grundeinstellung.
Wie hoch sind wohl die von jeglichen Tilgungen und Zinsen befreiten Target-2-Kredite der Bundesbank? ...na´..., jou, das sind fast eine Billionen Euro (1.ooo.ooo.ooo.ooo)! Und kleines Scherzle am Rande: Bei unseren, den Banken von der EZB auferlegten Negativzinsen, brauchen wir den Kredit (dank Zinsbefreiung) nicht mal mehr bezahlen. Hö,..höö.
Laut Focus sollte der Einlagenzins im September durch den EZB-Rat auf 0,60% abgesenkt werden.
Kurz überschlagen wären dass knapp 6 Milliarden € im Jahr. Da müssen die KK mit ihren Rabattverträgen aber reinhauen um uns das sparen zu lassen. 4 Milliarden haben wir Apothekers in 2017 ja schon geschafft.

Das Folgende kennen wir schon, ...was sind unsere Apotheken heute noch wert?
Denn, erst mal weiter mit der Geliebten der Roten und Grünen; der Regulierung des Marktes. (Dann statt freier-, soziale Marktwirtschaft genannt)
Jüngst forderten sie die Enteignung (ENTEIGNUNG!) von Wohnungen, Häusern und ganzen Stadtteilen, zum Zwecke der Verstaatlichung und Regulierung.
Hier im Westen kann sich kaum noch jemand vorstellen wie es in den ehemaligen DDR-Ländern hinter den Kulissen der Stadtpromenaden ausgesehen hat.
Wer baut den BER mit Beinamen Willi Brand? ...der sich deswegen wohl nun endgültig in Grund und Boden schämen würde. Richtig, der BUND, Berlin und Brandenburg.
Die Kalkulationen der Kosten belaufen sich seit 1995 von 800 Millionen € bis heute (nicht linear steigend) auf ca. 7,3 Milliarden €. Extrapoliert kommen wir 2023 auf etwa 11,2 Millarden.
Es werden übrigens noch Wetten angenommen wer zuerst fertig ist; der BER oder die Gigafactory vom Investor Tesla Elon Musk.

Ich könnte jetzt so weiter machen mit den großen und kleinen Skandalen der Politik, möcht aber lieber die nun entscheidende Frage stellen: Wer bezahlt das alles, wer wird für Fehler empfindlich bestraft, wer kann ohne Folgen Beschlüsse fassen und diese anordnen und vor allen Dingen WER GEHT HIER FREI AUS UND KANN MACHEN WAS ER WILL, Herr Lauterbach?!

Aufgeblasen mit dem Weihwasser der Immunität kann man leicht solche Forderungen nach Strafen stellen. Aber vorher alles bis zum erbrechen regulieren, dass sich die regulierten nicht mehr in der Zwangsjacke bewegen können und dafür dass sie sich nicht mehr eigenverantwortlich bewegen dürfen, bestraft werden.
Und wir mitten drin in diesem Sumpf, genauso wie die pleite gehenden, ach so bösen Banken.

„Wir wollen mehr Demokratie wagen“, denn der Abbau dieser findet stetig statt, bis zur wiederkehrenden Diktatur.

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DicMorris

von Karl Friedrich Müller am 24.11.2019 um 12:29 Uhr

Wird, so habe ich letzte Woche geunkt, vom BMG bevorzugt werden, was die Anbindung an die TI an geht. So ist dann auch zu lesen, dass das BMG sich anstrengt.
Dafür, dass DocMorris nun schon Jahrzehnte illegal und unkontrolliert AM nach Deutschland liefert, schon bemerkenswert.
DocMorris erfüllt nicht die gesetzlichen Vorgaben zum Versand. Das ist bekannt.
Keiner findet es nötig, mal einen Juristen damit zu beauftragen, dieses Konstrukt auseinanderzunehmen.
Wär mal eine Aufgabe für die ABDA.
Die pennt lieber weiter.
Deutschland ist ein merkwürdiger Verein, besser die Regierung und Parteien. Die Inländer diskriminiert. Vor Ort Apotheken werden wegen Nichtigkeiten geschlossen. Der Versand strapaziert kreativ Gesetze. Was nicht passt, wird passend gemacht.
Widerlich.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: DicMorris

von Karl Friedrich Müller am 24.11.2019 um 12:44 Uhr

Entschuldigung, verschieben. Soll natürlich DocMorris heißen
Nicht, dass da jemand interpretiert

Württembergs KV hat noch gesunden Menschenverstand

von noplacebo am 24.11.2019 um 10:59 Uhr

...die KV Württemberg hat sich aktuell gestern FÜR die weitere Zusatzbezeichnung Homöopathie entschieden. Ihr Apotheker seid also nicht ganz allein gelassen im Sturm des Homöopathie-Bashings!
Aber was steckt eigentlich wirklich hinter der Homöopathie-Inquisition?

https://homoeopathiewirkt.wordpress.com/2019/11/23/bedrohliche-homoopathie-oder-bedrohte-homoopathie/

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Hubmanns DAV-Monopoltraum(a) ...

von Christian Timme am 24.11.2019 um 9:59 Uhr

Seit wann entscheidet der Briefträger ... wohin die Post geht?

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Überzeugend?

von Ulrich Ströh am 24.11.2019 um 8:59 Uhr

Es empfiehlt sich an besonders Tagen wie heute, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen !
Auch wenn der Novembernebel aktuell die Apothekensonne verschwinden lässt..

Probleme bereitet mir die konträr unterschiedliche Sichtweise der KammerpräsidentenInnen auf die politische und wirtschaftliche Zukunft unseres Berufsstandes.Und die Folgen.

Beim Fußball spricht man dann vom Klein-Kleinspiel im Mittelfeld ohne Abschluss.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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