Trotz Rote-Hand-Brief von 2013

Diclofenac wird weiterhin Risikopatienten verordnet

Stuttgart - 15.11.2019, 07:00 Uhr

Diclofenac schafft es immer wieder in die Medien: Hat das NSAR nur einen schlechten Ruf? Eine neue Untersuchung legt nahe, seinen Einsatz besonders bei Risikopatienten zu überdenken. (s / Foto: Artinun / stock.adobe.com)

Diclofenac schafft es immer wieder in die Medien: Hat das NSAR nur einen schlechten Ruf? Eine neue Untersuchung legt nahe, seinen Einsatz besonders bei Risikopatienten zu überdenken. (s / Foto: Artinun / stock.adobe.com)


Hat Diclofenac nur einen schlechten Ruf?

Diclofenac schafft es seit vielen Jahren immer wieder in die Medien. Zuletzt berichteten DAZ.online und die DAZ im September 2018 von der Empfehlung Dänischer Forscher Diclofenac aufgrund seiner kardiovaskulären Nebenwirkungen generell der Rezeptpflicht zu unterstellen. Viele DAZ-Leser schienen diese Empfehlung auch für sinnvoll zu halten. In einer Online-Abstimmung stimmten 61 Prozent von 627 Teilnehmer mit „ja“, 39 prozent mit „nein“. In derselben Ausgabe (DAZ 39/2018) äußerte sich aber auch Prof. Dr. med. Thomas Herdegen in einem Gastkommentar zu Diclofenac – der Titel: „Rettet das Diclofenac und den gesunden Menschenverstand!“ 

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Was er an der dänischen Studie bemängelte war die Kommunikation der Risikoerhöhung – mit überwiegend relativen Daten. Absolut würde nur ein zusätzliches Ereignis (im Vergleich von Diclofenac mit Ibuprofen) bei 25.000 Patienten in vier Tagen auftreten – der Einnahmedauer von Diclofenac in der Selbstmedikation. Zudem ignoriere die reine Statistik, dass Diclofenac das wirkungsvollste NSAID ist. Außerdem schrieb Herdegen: „Mit zunehmendem kardiovaskulärem Risiko verschwindet das an sich geringe Schadenspotenzial.“ Schon seit Längerem sei zu beobachten, dass zum Beispiel Ärzte weniger/kein Diclofenac verordnen, die Patienten jedoch mit Ibuprofen/Metamizol oft nicht ausreichend analgetisch/antiphlogistisch abgedeckt seien. In der DAZ 48/2016 bot Herdegen eine Übersicht zu den kardialen Risiken (aber auch zum Nutzen) von NSAR.

Im Grunde deckt sich Herdegens Sicht mit der der Forscher vom BIPS. Und so ist – wie in der Mitteilung des BIPS zu lesen – die Warnung von 2013 vielleicht gar nicht „verhallt“, sondern eher in der Praxis falsch interpretiert worden? Für Apotheker bedeutet diese Botschaft in der Konsequenz wohl, die maximale Anwendungsdauer von vier Tagen in der Selbstmedikation (weiterhin) zu betonen – und in auffälligen Situationen einen Arzt auch mal auf das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten aufmerksam zu machen.

Übrigens steht Diclofenac auch aus anderen Gründen immer wieder in der Kritik: 



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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