Bei psychischen Störungen

Umfangreiche Metaanalyse dämpft zu hohe Erwartungen an Cannabis

Remagen - 11.11.2019, 10:14 Uhr

Auf medizinischen Cannabinoiden, einschließlich Medizinalcannabis ruhen große Hoffnungen. auch bei verschiedenen psychischen Störungen.(Foto: imago images / epd)

Auf medizinischen Cannabinoiden, einschließlich Medizinalcannabis ruhen große Hoffnungen. auch bei verschiedenen psychischen Störungen.(Foto: imago images / epd)


Wirkung allenfalls auf Ängste bei Patienten mit anderen Erkrankungen

83 Studien wurden in die Überprüfung einbezogen. Knapp die Hälfte davon (40, n=3067) waren randomisierte kontrollierte Studien (RCT). Die restlichen hatten offene Studiendesigns. Der weitaus größte Anteil untersuchte Depressionen (42 Studien, davon 23 RCT, n=2551) und Angstzustände (31 Studien, davon 17 RCT, n=605), acht das Tourette-Syndrom (davon zwei RCT, n=36), drei ADHS (davon eine RCT, n=30), zwölf posttraumatische Belastungsstörungen (davon eine RCT, n=10) und elf Studien befassten sich mit Psychosen (davon sechs RCT, n=281).

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Pharmazeutisches THC (mit oder ohne Cannabidiol) verbesserte bei Personen mit anderen Erkrankungen, in erster Linie chronische Nicht-Krebsschmerzen und Multiple Sklerose, die die Angstsymptome (sieben Studien, n=252), allerdings war der Beweisgrad gering. In einer einzigen Studie verschlimmerte pharmazeutisches THC die negativen Symptome einer Psychose sogar (n=24). Auf irgendwelche anderen primären Endpunkte/Symptome der untersuchten psychischen Störungen hatte pharmazeutisches THC (mit oder ohne CBD) keinen signifikanten Einfluss. Dagegen stieg die Zahl der Personen mit unerwünschten Ereignissen und Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo über alle untersuchten Störungen an. 

Keine valide Basis für Therapieempfehlungen

Die Autoren schlussfolgern, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum Hinweise darauf gibt, dass Cannabinoide depressive Störungen und Symptome, Angststörungen, ADHS, das Tourette-Syndrom, posttraumatische Belastungsstörungen oder Psychosen verbessern könnte. Für Therapieempfehlungen fehlt deshalb aus der Sicht der Autoren aktuell eine valide Grundlage. Sie fordern weitere qualitativ hochwertige Studien.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Pharmazeutisches THC, Canabis, CBD Öl

von Peter Schmitz am 01.12.2019 um 18:39 Uhr

Im Betreff habe ich "Pharmazeutisches THC, Canabis, CBD Öl" angegeben.

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Als langjähriger Schmerzpatient mit der Diagnose CRPS II (Morbus Sudeck und dann Sympathische Reflexdystrophie sprich Sympatikus ---> Reflex ---> Dystrophie / Schwäche) halte ich von der derzeitigen Diskussion um die angegebenen Wirkstoffe nicht viel.

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In meiner 23 Jahre langen Laufbahn als hochpotenter Schmerzpatient habe ich dem schon alles ausprobiert. Das war vor ewigen Jahren während eines Urlaubs in den Niederlanden.

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Das ganze hat bei mir keine Wirkung gezeigt. Auch nicht mit Bezug auf meine Psyche

Es war eher unangenehme. Die anticholinergen Nebenwirkungen waren erheblich.

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Vor kurzem habe ich mich noch einmal wegen dem derzeit frei verkäuflichen und viel diskutiertem CBD Öl überrede lassen. Auch damit trat keine Wirkung ein. Auch hier bemerkte ich bei Einnahme eher die anticholinergen Nebenwirkungen. Zwar waren diese gering. Aber weil keinerlei positive Wirkung eintrat, waren diese dann auch nicht zu akzeptieren.

Auch zum einreiben zeigte das CBD Öl bei mir keinerlei Wirkung. Auch nicht für die Haut.

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Ich kann dazu nicht raten. Wenn schon, ist es besser bei chronischen Schmerzen seinen Hausarzt anzusprechen oder einen Schmerztherapeuten (Anästhesisten) aufzusuchen.

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