Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

10.11.2019, 08:00 Uhr

Alles dreht sich ums E-Rezept? Nicht nur, es gibt auch noch anderes Schönes, aber auch Seltsames in dieser Woche. (Foto: Andi Dalferth)

Alles dreht sich ums E-Rezept? Nicht nur, es gibt auch noch anderes Schönes, aber auch Seltsames in dieser Woche. (Foto: Andi Dalferth)


8. November 2019

Wenn zwei Professoren streiten, hat meist jeder ein bisschen Recht. So war’s denn auch beim 7. OTC-Gipfel des Apothekerverbands Nordrhein, auf dem die Professores Dingermann und Glaeske darüber stritten, ob Arzneimitteltests wie die von Stiftung Warentest den Patienten nützen oder eher verunsichern. Dingermann machte klar: „Man kann ein Arzneimittel nicht losgelöst vom Patienten bewerten.“ Er hält grundsätzlich wenig davon, Arzneimittel als nicht oder wenig geeignet einzustufen. Er hält auch nicht viel davon, Kombinationen pauschal zu verteufeln, wie Stiftung Warentest es tut. Recht hat er. Glaeske hielt dagegen: Wenn ein Hersteller eine Indikation für sein Mittel beansprucht, müsse er die Wirksamkeit nachweisen. „Aber bei 25 bis 30 Prozent der OTC finden wir nichts“, so Glaeske. Er erwarte nicht, dass Apotheker den Patienten etwas ausreden, sondern nur, dass sie gegebenenfalls eine Warnung aussprechen. Genau. Mein liebes Tagebuch, immer wieder schön, darüber zu streiten. Wie recht doch beide haben.

 

Die Lieferengpässe bei Arzneimitteln erhöhen den Druck auf das Rabattvertragssystem der Kassen. Denn Experten gehen davon aus, dass die exklusive Ausschreibung von Arzneistoffen mit ein Grund für Lieferengpässe sein können. Wenn der exklusiv liefernde Hersteller ausfällt und aus welchen Gründen auch immer nicht liefern kann, sieht’s schlecht aus. Unionsfraktion und SPD denken daher darüber nach, exklusive Ausschreibungen künftig zu verbieten. Und die Linke will gleich ganz die Rabattverträge abschaffen. Huhu, mein liebes Tagebuch, da zittert die AOK schon: Rabattverträge sind nämlich eine Gelddruckmaschine für die Kassen. Und im AOK-System sind fast alle Ausschreibungen exklusiv. Und so sucht der AOK-Bundesverband nach Argumenten pro Exklusiv-Ausschreibung. Und die hat er schnell gefunden. Das größte Argument: Exklusivverträge haben sogar Vorteile! Ja, mein liebes Tagebuch, dass uns das noch nicht aufgefallen ist. Laut AOK können die Pharmafirmen so ihre Absatzmengen besser kalkulieren und müssen nicht mit anderen Anbietern konkurrieren. Ja, und die Patienten würden stabiler versorgt, unnötige Medikamentenwechsel würden vermieden. Und Exklusiv-Verträge wirken sich dazu noch positiv auf die Anbietervielfalt aus. Wer hätte das gedacht, mein liebes Tagebuch. Und überhaupt, mit Lieferengpässen sieht die AOK eh kein großes Problem. Tja, mein liebes Tagebuch, so bastelt sich jeder seine eigene Welt zurecht. Und die AOK glänzt mit ihren Wunschwelten ganz besonders.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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5 Kommentare

Rührend und naiv

von Karl Friedrich Müller am 10.11.2019 um 15:15 Uhr

Ist es, immer noch zu denken, aus dem BMG käme irgendwas, was fair wäre.
Der Bürger ist nicht interessant, nicht die Arbeitenden im Gesundheitswesen, nicht der Kranke.
Es geht anderen im Gesundheitswesen nicht viel anders als uns oder noch schlimmer. Ausgebeutet und mit ein paar warmen Sprüchen bedacht, interessant sind Gewinne, Renditen, Umsätze, Macht und Einfluss.
Wann sagt denen jemand, was Bismarck wollte? Ein Erzkonservativer, der immerhin so weit dachte, dass ein Kranker für die Gesellschaft nichts bringt und im Alter ein Überleben möglich sein sollte.
Solche Gedanken sind heute der reine Sozialismus oder Kommunismus. Weil unsere Politiker blind sind, überhaupt keine Vorstellung mehr vom Bürger haben.
Eine der größten Errungenschaften der Demokratie wird zerstört, ein unabdingbarer Teil der sozialen Gesellschaft

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Politik

von Anita Peter am 10.11.2019 um 15:14 Uhr

Meinen Glauben an die Politik habe ich diese Woche endgültig verloren, als sich Lauterbach und Co über die hohe Belastung der Politker beschwert haben.
Es bleibt aber Gott sei Dank noch genügend Energie für x Nebenjobs, sonstige Pöstchen sowie das Schreiben von Büchern.
Mich widert die deutsche Politik nur noch an. Wenn man sich die Wahlergebnisse anschaut geht es immer mehr Menschen so.

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Kein Grund zu Optimismus

von Karl Friedrich Müller am 10.11.2019 um 11:48 Uhr

„ Wer das Rennen macht? Ganz klar derjenige, der die endgültigen Spielregeln fürs E-Rezept am besten umsetzt. Aber diese Regeln, die gibt’s von der Gematik erst Mitte 2020. Und ein Makelverbot haben wir immer noch nicht.“

1. lese ich immer wieder, dass das BMG Hauptanteileigner der Gematik ist.
2. erstellt die Gematik die Spielregeln und legt fest, wer den Zuschlag bekommt.
3. kein Makelverbot
1+2+3= stinkt erheblich nach Korruption.
Ich bin sicher, dass DocMorris den Zuschlag bekommt, weil es das BMG so will und sicherlich Infos rechtzeitig an DM fliessen werden. Dazu wird DM machen können, was es will.
Es besteht kein Grund zum Optimismus, was die Apotheken vor Ort an geht. Der Plan ist weiterhin, uns zu behindern und zu zerstören.
Wer blickt bei der Digitalisierung noch durch? Ich nicht. Das ist vielleicht kein Wunder, aber bei vier Vielzahl der Anwendungen, Apps, Platformen, Anbieter blickt bestimmt der Normalo auch nicht mehr durch. Die Digitalisierung geht an den Wünschen und Möglichkeiten der Bürger vorbei.
Da wird dann durch den Bundestag das DVG beschlossen, das mal zuerst den Datenschutz aufhebt, den Anfang für die komplette Überwachung der Bürger bietet. Daten werden kaum verschlüsselt zur „Forschung“ frei gegeben. Wer profitiert? Spahn direkt? Das BMG? Auf jeden Fall Datenkraken und Konzerne, die uns zu Opfern und Objekten machen, die es auszunehmen gilt.
Der Datenschutz existiert nicht mehr.
Die AOK ist schon ein seltsamer Verein. Keine Schuld an Lieferengpässen. Wenn man bei den Rabattpartnern gut liefernde Firmen gegen andere austauscht, deren Namen man vorher nie gehört hat und die nicht liefern können, ist man schon schuld. Die alten haben Lager und Produktion reduziert. Die Neuen können nicht.
Da macht es schon Sinn, auf die einzuprügeln, die noch erhebliche Energien investieren (müssen), damit die Kunden versorgt werden. Mit Versand und Automaten wäre das Ganze schon zusammengebrochen. Wäre evtl. ganz gut, dann gingen die Leute mal auf die Barrikaden.
Aus Missachtung oder Verachtung hat der Bundestag unsere Frist zur Anbindung an die TI nicht verlängert. Unser schlafender Verein der Schweiger hätte da auch ein wenig früher reagieren können. Die Ärzte sind schon dran gewesen. Da ist es keine Überraschung, dass wir auch mal müssen...
Viele Ärzte verweigern die Anbindung, aus Datenschutz. So.
Ich wäre auch für ein mehr analoges Leben. Wir sind Spielball fremder Interessen, weder Regierung noch Bundestag verhindern das. Das ist ein Bruch ihrer Aufgaben und des Eids. Diese Leute können zurücktreten, wie die ABDA, und dürften nie wieder kandidieren oder ein öffentliches Amt bekleiden.
Ich sehe vor allem Unehrlichkeit und Korruption, wobei es Spahn ganz ungeniert auf die Spitze treibt. Er verbirgt es nicht mal. Und trotzdem verschließen alle die Augen.
Wie gesagt. Es gibt keinen Grund für Optimismus. Der Zug ist Richtung Versand abgefahren, die Weichen gestellt. Von Spahn. Und desinteressierten Abgeordneten und naiver ABDA.

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Es wird Zeit…

von Gunnar Müller, Detmold am 10.11.2019 um 9:14 Uhr

... dass die Apothekerschaft nicht länger wie der Hase den Igeln hinterher läuft!
Viele unserer „langjährig bewährten“ Spitzen haben den Berufsstand Stück für Stück abgewirtschaftet.
Die Zeit ist reif für einen Wechsel!

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