Anbindung an die Telematikinfrastruktur

Warum verzichtet Spahn bei Apothekern auf Sanktionen?

Berlin - 07.11.2019, 07:00 Uhr

Christian Klose ist im Bundesgesundheitsministerium für die Themen Gematik und E-Health zuständig. Er erklärte, warum es für Apotheker keine Anbindungsfrist bei der Telematikinfrastruktur gibt. (c / Foto: Pietschmann/BAH)

Christian Klose ist im Bundesgesundheitsministerium für die Themen Gematik und E-Health zuständig. Er erklärte, warum es für Apotheker keine Anbindungsfrist bei der Telematikinfrastruktur gibt. (c / Foto: Pietschmann/BAH)


Bis zum 30. Juni dieses Jahres mussten sich die etwa 170.000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten an die Telematikinfrastruktur anbinden. Für die Apotheker ist die Anbindung zum 30. September 2020 vorgesehen. Die Mediziner, die sich noch nicht an das Datennetz angeschlossen haben, müssen derzeit die ersten finanziellen Sanktionen hinnehmen. Für die Apotheker sind keine solchen Sanktionen vorgesehen. Christian Klose, im Bundesgesundheitsministerium für Digitalisierungsthemen zuständig, erklärt dazu entspannt: „Die Apotheker sind sowieso schon so weit.“

Seit etwa fünf Monaten müssen die Kassenärzte und –psychotherapeuten in Deutschland an die Telematikinfrastruktur angebunden sein. Die sogenannte „TI“ soll die künftige Datenstruktur für die Digitalisierung des Gesundheitswesens sein. Über sie sollen Ärzte, Apotheker, Kassen und andere Leistungserbringer E-Rezepte, E-Patientenakten und andere digitalisierte Anwendungen verwenden können. Bislang sind allerdings nur etwa 120.000 Praxen angeschlossen. Im Gesetz sind für die TI-Verweigerer oder verspäteten Praxen harte Sanktionen vorgesehen: Um 2,5 Prozent soll das Honorar der Mediziner gekürzt werden, die ersten Kürzungen sind schon unterwegs, für etwa 60.000 Praxen.

Die Apotheker sollen sich bis zum 30. September 2020 an die TI anbinden. So zumindest sieht es das Digitale Versorgung Gesetz (DVG) vor, das am heutigen Donnerstag im Bundestag zum Beschluss vorliegt. Sanktionen, die zur Anwendung kommen, falls die Apotheker gegen diese Frist verstoßen, sind im DVG allerdings nicht vorgesehen.

Klose: Die Apotheker haben ein ureigenes Interesse an Digitalisierung

Bei einer Fachkonferenz zum Thema E-Rezept am Mittwoch in Berlin, die vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) veranstaltet wurde, erklärte Christian Klose, warum das so ist. Klose leitet im BMG die Unterabteilung, die für die Gematik und das Thema E-Health im Allgemeinen zuständig ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) holte Klose von der AOK Nordost. In seinem Vortrag stellte der BMG-Experte klar, dass man gegenüber den Apothekern ein recht großes Grundvertrauen habe, was den Digitalisierungswillen betrifft.

Klose sagte, er werde oft gefragt, warum Ärzte Honorarkürzungen befürchten müssen, Apotheker aber nicht. Sein Kommentar: „Bei den Apothekern läuft dieser Prozess sowieso. Die sind schon so weit. Bei den Apothekern ist das ureigene Interesse, digitalisiert zu arbeiten, schon da.“ Klose verwies unter anderem darauf, dass Deutschland vor etwa zehn Jahren eines der ersten Länder war, in denen die Prozesse in der Arzneimittel-Lieferkette zwischen Apothekern, Großhändlern, Rechenzentren und Krankenkassen digitalisiert wurden. Der BMG-Digitalexperte warnte die Apotheker aber davor, sich auf dieser Nicht-Regelung auszuruhen. In Richtung der Apotheker sagte er: „Es ist natürlich immer noch möglich, dass eine solche Sanktion noch passiert. Nehmen Sie diese Fristen ernst!“ Ohnehin hoffe er, dass man bei Gesetzen zur Digitalisierung irgendwann komplett auf Fristen und Sanktionen verzichten könne.

Schaffen die Apotheker den 30. September 2020?

So stellt sich natürlich die Frage, ob die Apotheker dieses Vertrauen des Ministeriums auch nicht enttäuschen werden: Ist eine fristgemäße TI-Anbindung ALLER Apotheken bis Ende September 2020 möglich? Die ABDA selbst sieht dieses Datum zumindest kritisch. Die Standesvertretung der Apotheker hatte sich im Rahmen des DVG-Gesetzgebungsverfahrens mehrfach für einen dreimonatigen Aufschub ausgesprochen. Die Begründung: Die Software- und Hardwarehersteller, die die von den Apothekern für die TI-Anbindung benötigten Produkte herstellen, werden wahrscheinlich bis dahin nicht flächendeckend ausliefern können.

Der BMG-Digitalexperte Christian Klose äußerte sich dann auch noch grundsätzlich zu den Chancen und Gefahren, die für die Apotheken durch das E-Rezept entstehen. Der Ex-AOK-Manager empfahl den Apothekern, die Prozesse rund um die digitalen Verordnungen selbst in die Hand zu nehmen und sie als Chance zu sehen. Wörtlich sagte er: 


Die Digitalisierung stärkt die Apotheke, wenn man das E-Rezept richtig umsetzt. Und es sollte DURCH die Apothekerschaft richtig umgesetzt werden. Die Gefahr, dass plötzlich alle nur noch im Versandhandel bestellen, sehe ich nicht. Es ist wichtig, die Digitalisierung in Kombination mit dem Vor-Ort-Handel zu sehen. Für die Patienten ist es doch beispielsweise ein riesiger Vorteil, wenn ich im Voraus schauen kann, welche Apotheke mein Arzneimittel vorrätig hat. Der Mehrwert der Apotheke ist die sofortige Lieferbarkeit.“

Christian Klose, BMG-Unterabteilungsleiter


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Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Verzicht auf Sanktionen

von Roland Mückschel am 07.11.2019 um 9:35 Uhr

Ganz einfach, der will die Apotheker in Sicherheit wiegen
wenn sie zum Stichtag noch nicht an die
Telematikstruktur angeschlossen sind. Hat die ABDA
doch schon angekündigt,
Und ich weiss ganz genau dass DoMo dann bereitstehen
wird. Und ihren Vorsprung nützen werden. Wir sind dann
mal wieder die unwilligen Deppen.

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