Gematik-Chef Leyck-Dieken

„Einige E-Rezept-Projektbetreiber sollten vielleicht erst einmal innehalten“

Berlin - 06.11.2019, 13:15 Uhr

Gematik-Chef Dr. Markus Leyck-Dieken rät den E-Rezept-Modellbetreibern, sehr genau über mögliche Investments nachzudenken. (c / Foto: Pietschmann/BAH)

Gematik-Chef Dr. Markus Leyck-Dieken rät den E-Rezept-Modellbetreibern, sehr genau über mögliche Investments nachzudenken. (c / Foto: Pietschmann/BAH)


E-Rezept 1.0: Juni 2020; E-Rezept 2.0: Juni 2021

Leyck-Dieken sagt dazu: „Uns hat es schon erstaunt, dass es insgesamt 52 Pilotprojekte gibt. Ein Beispiel von den AOKen: Die AOKen in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg haben jeweils eigenständige Projekte. Es ist ja schon logisch, dass mindestens eine ihren Projektaufbau nach der Spezifizierung anpassen muss.“ Deswegen rät der Gematik-Chef: „Vielleicht sollte der ein oder andere Modellbetreiber in eine Phase der Orientierung eintreten und innehalten und auch überlegen, ob es sich lohnt, weiter zu investieren.“ Welches Projekt er favorisiert oder welches Vorhaben am nächsten an den Gematik-Plänen ist, verrät Leyck-Dieken nicht. Das GERDA-Projekt in Baden-Württemberg ist ihm aber bestens bekannt. Er kündigte an, dass er sich das Vorhaben vor Ort anschauen wolle. Und als NGDA-Chef Christian Krüger ihm auf der heutigen Veranstaltung eine Frage stellt, sagt er nur kurz: „Ich kenne Sie, Sie betreiben ein sehr gutes Pilotprojekt!“

Wie geht es nun weiter mit den Gematik-Festlegungen zum E-Rezept? Leyck-Dieken kündigte an, dass es zwei Veröffentlichungen geben werde. Zum 30. Juni 2020 werde es das „E-Rezept 1.0“ geben, mit der Spezifikation werden zunächst „normale“ GKV- und PKV-Arzneimittelrezepte geregelt. Das „E-Rezept 2.0“ soll dann genau ein Jahr später folgen, dann soll es auch das Grüne Rezept, BtM-Verordnungen und T-Rezepte digital geben. „Das Ziel ist es, alle Verordnungen digital anzubieten“, so der Gematik-Chef.

Bis es soweit ist, müssen allerdings noch einige Probleme gelöst werden. Unter anderem geht es um die elektronische Signatur der Ärzte. Leyck-Dieken stellte klar, dass die Prozesse für die Mediziner hier noch vereinfacht werden müssten. Es gebe auch mit dem 2D-Code, den er „Token“ nennt, noch offene Fragen. Mit dem Papierrezept sei es beispielsweise möglich, Verordnungen an Verwandte abzugeben, damit diese sie in der Apotheke einlösen. „Wie können wir das mit dem E-Rezept so lösen, dass es datenschutzrechtlich in Ordnung ist?“ An dieser Frage arbeite man derzeit noch.

Seine persönliche Motivation, die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben, verdeutlichte der Gematik-Chef übrigens unter anderem am Beispiel der HPV-Impfung. Leyck-Dieken plädiert dafür, den Bürgern in Deutschland „jahresaktuelles, medizinisches Wissen“ zur Verfügung zu stellen. In Deutschland seien beispielsweise nur etwa die Hälfte aller jungen Frauen gegen HPV geimpft, in Schweden seien es 100 Prozent. Dort sei der Gebärmutterhalskrebs daher quasi besiegt.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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