Immer wieder wandlungsfähig

Ein Vierteljahrhundert BfArM

Bonn/Remagen - 31.10.2019, 17:45 Uhr

Bei den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des BfArM: Karl Broich, Sabine Weiss, Ashok Shridharan (Oberbürgermeister von Bonn), Karl-Josef Laumann, Erwin Böttinger (v.l.). (s / Foto: H. Blasius)

Bei den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des BfArM: Karl Broich, Sabine Weiss, Ashok Shridharan (Oberbürgermeister von Bonn), Karl-Josef Laumann, Erwin Böttinger (v.l.). (s / Foto: H. Blasius)


Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte begeht in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wurde am heutigen Donnerstag mit einer Veranstaltung am Sitz der Behörde in Bonn begangen. Im Zentrum der Redebeiträge stand weniger die Vergangenheit als die Zukunft mit dem „Zauberwort“ Digitalisierung.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. „Was? Erst 25 Jahre?“ Wird sich so mancher fragen? Tatsächlich gibt es die Institution zumindest von ihrer Kernbestimmung her schon länger, nämlich seit dem Jahr 1975. Damals wurde als Teil des Bundesgesundheitsamtes (BGA) das „Institut für Arzneimittel“ eingerichtet. Nach der Auflösung des BGA im Jahr 1994 gingen daraus drei eigenständige Einrichtungen hervor, darunter das BfArM als Nachfolgeinstitut des Instituts für Arzneimittel.

Ein kleiner Blick zurück

Seitdem sind viele „regulatorische Stürme“ durch das Land gezogen und das BfArM hat allen erfolgreich getrotzt. Angefangen von der Bewältigung der Nachzulassung über die Implementierung des europäischen Zulassungssystems bis hin zum Umzug von der Spree an den Rhein zu Anfang dieses Jahrtausends. In den letzten 25 Jahren hat die Behörde sechs Präsidenten beziehungsweise kommissarische Leiter kommen und gehen gesehen. 

Die weitaus meisten waren Mediziner aus speziellen Fachrichtungen. Als einziger Apotheker hat Harald Schweim die Geschicke der Behörde von 2000 bis 2004 geleitet. Seit August 2014 steht der Humanmediziner und Facharzt für Nervenheilkunde und Psychotherapie Karl Broich an der Spitze der renommierten Behörde.

Zahlreiche Aufgaben und hohe Wertschätzung

Mit rund 1.100 Mitarbeitern, darunter Ärzte, Apotheker, Chemiker, Biologen, Juristen, Ingenieure, technische Assistenten und Verwaltungsmitarbeiter ist das BfArM Europas größte Arzneimittel-Zulassungsbehörde. Neben der Zulassung, der Verbesserung der Sicherheit von Arzneimitteln, der Risikoerfassung und -bewertung von Medizinprodukten fällt auch die Überwachung des Betäubungsmittel- und Grundstoffverkehrs in seine Zuständigkeit. Außerdem betreibt das BfArM zur Erfüllung seiner Aufgaben unabhängige wissenschaftliche Forschung.

Heute steht das BfArM bestens da. Sein Wort findet auch auf europäischer Ebene allerorten Gehör und die hohe Wertschätzung ihren Ausdruck darin, dass leitende Mitarbeiter der Behörde wiederholt zu Vorsitzenden oder stellvertretenden Vorsitzenden von Ausschüssen und Arbeitsgruppen bei der EMA gewählt oder berufen wurden.

Digitalisierung im Vordergrund

Anlässlich des Jubiläums möchte die Behörde weniger zurück als nach vorne blicken. Dies wurde bei der heutigen Festveranstaltung in dem lichtdurchfluteten BfArM-Gebäude unweit der Bonner Rheinaue deutlich. Im Vordergrund der Grußworte stand die Digitalisierung mit all ihren Implikationen. Erwin Böttinger vom Hasso-Plattner-Institut, einem in Potsdam angesiedelten Exzellenzentrum für Digital Engineering, sagte in einem Keynote-Vortrag: „Das ist weit mehr als die Einführung einer Technologie, nämlich eine digitale Transformation.“ BfArM-Präsident Karl Broich hob die gute Vernetzung seiner Behörde auf diesem Gebiet mit anderen Institutionen hervor. Für die Patienten hat er folgende Vision: „Wir werden in Zukunft nicht ein Arzneimittel und ein Medizinprodukt, sondern ein Ökosystem für den Patienten haben.“

Zwei westfälische Minister, auf die Verlass ist

Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen Karl-Josef Laumann (CDU) nutzte die Gelegenheit für ein flammendes Plädoyer für die Digitalisierung im Gesundheitswesen, die ihm schon lange am Herzen liegt: „Die moderne Medizin muss kommunikativer werden und dazu kann die Digitalisierung jetzt fest zementierte Grenzen sprengen.“ Um zum Durchbruch zu kommen, müsse sie fester Bestandteil der GKV-Versorgung werden, so seine Überzeugung. Er sei Jens Spahn sehr dankbar, dass er „in dieser Thematik jetzt aufgeräumt“ habe. Dem BfArM wünschte Laumann viel Erfolg für seinen Beitrag zur Digitalisierung und fügte an: „Und auf Ihren westfälischen Minister in Düsseldorf und Ihren westfälischen Minister in Berlin können Sie sich in dieser Sache verlassen.“

„Zusammen mit dem DIMDI noch besser aufgestellt“

Bei der Veranstaltung kam auch die Zusammenlegung von BfArM und DIMDI zur Sprache, die so langsam in trockene Tücher zu kommen scheint. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, Sabine Weiss (CDU), betonte, dass damit auch die Außenwirkung der Institutionen „unter einem Dach“ gestärkt werden sollte. Etwaigen Bedenken bezüglich Verwerfungen bei der Personalsituation trat Weiss mit den Worten entgegen: „Wir sind davon überzeugt, dass die Vorteile der Fusion auch für die Beschäftigten überwiegen.“ Auch für Broich, der die Leitung des DIMDI zunächst kommissarisch übernimmt, ergibt die Zusammenlegung von BfArM und DIMDI Sinn. „Das ist gar keine Frage“, bemerkte Broich. „Mit den Daten-und Software-Experten des DIMDI sind wir einfach noch besser aufgestellt.“



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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