„Telepakt Schleswig-Holstein“

Froese kündigt E-Rezept-Modellprojekt in Schleswig-Holstein an

Kiel - 28.10.2019, 12:45 Uhr

Dr. Peter Froese, Chef des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, hat für seine Mitglieder zwei frohe Botschaften: Erstens soll es im Norden ein eigenes E-Rezept-Modellprojekt geben, zweitens hat sich der Verband beim G-BA offenbar erfolgreich mit einem digitalen Versorgungsmodell beworben. (Foto: Schelbert)

Dr. Peter Froese, Chef des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, hat für seine Mitglieder zwei frohe Botschaften: Erstens soll es im Norden ein eigenes E-Rezept-Modellprojekt geben, zweitens hat sich der Verband beim G-BA offenbar erfolgreich mit einem digitalen Versorgungsmodell beworben. (Foto: Schelbert)


Verbandschef Dr. Peter Froese berichtete bei der Mitgliederversammlung des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein am 26. Oktober in Kiel über zwei neue anstehende Projekte im Land. Auch dort soll es künftig ein Pilotprojekt zum E-Rezept geben. Außerdem sei ein Zuschlag des Innovationsfonds für ein weiteres Digitalprojekt der Apotheker aus Schleswig-Holstein zu erwarten. Zur Politik auf Bundesebene erklärte Froese, das Apotheken-Stärkungsgesetz solle in erster Linie das nötige Zeitfenster schaffen, um danach eine „große Lösung“ zu gestalten.

Peter Froese gilt als Experte für die Digitalisierung innerhalb der ABDA. Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein ist auch Mitglied der AG Digitalisierung der ABDA. Zur Verbandsarbeit in Schleswig-Holstein berichtete Froese am vergangenen Freitag, dass auch dort unter dem Titel „Telepakt Schleswig-Holstein“ ein Pilotprojekt zum E-Rezept geplant sei. Apothekerkammer und -verband seien gemeinsam mit dem Landesgesundheitsministerium, Krankenkassen und anderen Partnern in einer Arbeitsgruppe vertreten, die ein anspruchsvolles Konzept erstellt habe. Als Zwischenstand berichtete Froese, die Anforderungen seien durchgängig aus Patientensicht formuliert. Der Datenschutz solle „by design“, also durch das Konzept selbst gewährleistet werden. Für die Übermittlung der E-Rezepte solle die Web-App des Deutschen Apothekerverbandes benutzt werden. Nun werde der Projektantrag formuliert. Nach Einschätzung von Froese seien der Ehrgeiz und der Konsens bei allen Beteiligten derzeit groß.

Gute Aussichten beim Innovationsfonds des G-BA

Außerdem berichtete Froese über einen Antrag, den der Apothekerverband Schleswig-Holstein beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eingereicht hatte. Zur Erklärung: Mit den Mitteln aus diesem Fonds werden regelmäßig innovative Versorgungsmodelle gefördert. Der G-BA kann darüber entscheiden, welche Versorgungsideen einen Zuschlag in welcher enthalten. Ein Zwischenbericht des G-BA lasse nun erkennen, dass dieser Antrag voraussichtlich einen Zuschlag erhalten werde. Dabei gehe es um Sensordaten von Patienten, die mit Hilfe der Apotheken erfasst und in die Versorgung eingebracht werden sollen. Dafür müssten die Apotheken Patientendossiers anlegen, wie sie von Hausapothekenverträgen prinzipiell bekannt seien. Froese betonte, dass solche Digitalprojekte große Signalwirkung in der Politik hätten.

Zeit für Diskussion über langfristige Reform

Zur Bundespolitik erklärte Froese, die getrennte Bearbeitung einzelner Elemente aus dem ursprünglichen Apotheken-Stärkungsgesetz ergebe sich aus der Sorge, wie lange die Koalition noch halte. Was Konsens sei, solle schnell umgesetzt werden. In dem Konzept von Gesundheitsminister Spahn zur Gleichpreisigkeit im GKV-Bereich sieht Froese gegenüber dem Rx-Versandverbot eine höhere Wahrscheinlichkeit bei Klagen zu bestehen. Denn es sei „das Baby“ der Bundesregierung, die sich dann auch dafür einsetzen werde. So entstehe ein „abgesichertes Zeitfenster“. In diesem Zeitfenster brauchen wir eine große Lösung“, erklärte Froese. Dann gehe es um tiefgreifende Fragen und langfristig stabile Lösungen für künftige Kollegen. Die europäische Interpretation von Arzneimitteln als Ware solle „nachhaltig“ nicht mehr greifen. Jetzt gehe es darum, Zeit für die Bearbeitung dieser Themen zu gewinnen.

Froese erwartet neuen Wettbewerb beim Botendienst

Von den jüngsten Änderungen beim Botendienst zeigte sich Froese positiv überrascht. Der Verordnungsgeber habe festgelegt, dass die Versorgung mit einer telepharmazeutischen Beratung gekoppelt sein könne. Dies sollten die Apotheker nutzen, um näher an die Patienten zu rücken. Dazu werde es viele Modelle im Wettbewerb unter Vor-Ort-Apotheken und zu Versendern geben. Froese appellierte an die Apotheker, damit kreativ umzugehen und sich vor Fremdanbietern zu hüten. „Das können Sie selbst“, erklärte Froese. Da der Botendienst nun eine Regelversorgung sei, liege es allerdings auch nahe, dass die GKV ihn über einen Aufschlag finanziere.

Stagnation für 2020 erwartet

Für die wirtschaftliche Entwicklung der Apotheken im nächsten Jahr prognostizierte Froese keine Veränderung gegenüber diesem Jahr. Die durchschnittlichen Erträge würden gleich bleiben, die Spreizung der Apothekentypen und -renditen werde sich fortsetzen, bei den Schließungen sieht Froese „keinen Boden“. Doch 2020 würden die Grundsatzentscheidungen zum E-Rezept mit nachhaltigen Folgen getroffen.

Neues Interesse an „Grensapotheken“

Zu den berufspolitischen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene erklärte Froese, dass die EU-Kommission weiterhin den Anspruch verfolge, sich direkt um den Zugang zu E-Rezepten zu kümmern. Neu erscheint Froese, dass sich Politiker für die Rechtsstellung niederländischer „Grensapotheken“ interessieren. Als ausländische Apotheken würden diese von deutschen Behörden nicht überwacht. Doch könnten sie eine Überwachung durch niederländische Behörden abwenden, soweit sie dazu eine Erklärung von Behörden aus dem Empfängerland vorlegen, erklärte Froese. Viele der strengen und umfassenden Bestimmungen und Haftungsregeln für niederländische Apotheken würden daher beim Versand ins Ausland nicht greifen.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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