Apothekerforum Brandenburg

ABDA-Jurist Tisch warnt vor Vor-Ort-Offensive der EU-Versender

Wittenberge - 28.10.2019, 16:14 Uhr

Lutz Tisch, ABDA-Geschäftsführer Recht, war Gast beim diesjährigen Apothekerforum Brandenburg. (c / Foto: Apothekerverband Brandenburg)

Lutz Tisch, ABDA-Geschäftsführer Recht, war Gast beim diesjährigen Apothekerforum Brandenburg. (c / Foto: Apothekerverband Brandenburg)


Präsenzapotheke, Botendienst, Versandhandel: Die Grenzen verwischen

Tisch zeigte auf, dass die großen EU-Versender bereits neue Multi-Channel-Konzepte aufbauen. Der Chef der Schweizer Zur Rose-Gruppe, Walter Oberhänsli, habe schon verschiedentlich deutlich gemacht, dass er sich nicht auf den Versandhandel beschränken möchte. Er wolle alle Kanäle bespielen und dabei auch Präsenzapotheken einbeziehen. So habe er bereits Plattformen in Frankreich und Spanien erworben, über die Arzneimittel bestellt werden können, die dann von kooperierenden Präsenzapotheken ausgeliefert werden.

Damit löse Oberhänsli „das Problem der letzten Meile“, die für den Versandhandel das teuerste sei, erklärte Tisch. Die Apotheken seien dann nur noch Zusteller – und würden auch nur dafür bezahlt. Ein anderer Punkt: die „Prescription Corner“, in der Rx-Arzneimittel in einem Bereich eines Supermarkts ausgegeben werden. Das gehe hierzulande im Moment nicht, betonte Tisch, auch nicht mit den jetzt vorliegenden Reformplänen. Denn es ist nicht erlaubt, außerhalb von Großhandlungen oder Apotheken Arzneimittel zu lagern. Aber: In der Schweiz gibt es bereits Modellversuche von Zur Rose in Migros-Märkten. Und in Deutschland gebe es immerhin schon Strukturen, die für eine Weiterentwicklung bereits stünden, wenn sich das Gesetz ändert: So biete DocMorris seine Boni schon seit Jahren auf Rewe-Kassenzetteln an.

Was ist jetzt nötig?

Und so hat die ABDA auch weiterhin sehr konkrete Forderungen. Unter anderem müsse das Verbot der Lagerung von Arzneimitteln außerhalb von Apotheken erhalten bleiben. Automatisierte Ausgabestationen müssten ausnahmslos an Apothekenbetriebsräume gebunden bleiben, damit nicht entsprechende Einrichtungen von Versandanbietern Platz griffen. Auch dürften Ausgabestationen nicht automatisiert bestückt werden, um kein weiteres Hüffenhardt heraufzubeschwören. Wichtig ist der ABDA zudem, dass das Makel-Verbot für E-Rezepte noch kommt – und zwar eines, das nicht nur Krankenkassen und Ärzte, sondern auch Dritte adressiert. Und: All diese maßgeblichen Regelungen müssten in ihrer Wirkung auf Versender erstreckt werden, so Tisch. Denn was nutzen neue Reglementierungen, die am Ende nur die nationalen Apotheken betreffen?

Tischs Fazit: „Es ist eine spannende Zeit mit unglaublichen Herausforderungen“. Die ABDA habe sich viel Mühe gegeben, um Verbesserungen zu erreichen – das sehe man in ihren Stellungnahmen zu den Gesetzen und Verordnungen. Aber ab einem bestimmten Punkt würden solche Gesetzgebungsverfahren unkontrollierbar, so der ABDA-Jurist. Dann, wenn sich auch weitere interessierte Gruppen in den Diskussionsprozess einbringen. Denn unterschiedliche Marktbeteiligte hätten eben auch unterschiedliche Interessen. Jetzt müsse die Politik entscheiden. Dennoch hoffe die ABDA, weitere Verbesserung erreichen zu können. „Da wartet noch sehr, sehr viel Arbeit“, so Tisch. Sein abschließender Rat: Die Apotheker sollten „mit Bewusstsein für die Schwierigkeit der Lage, aber nicht ohne Optimismus in die Zukunft schauen“.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

Warnungen

von Roland Mückschel am 29.10.2019 um 9:43 Uhr

Danke Herr Tisch für Ihre Warnungen.
Ich hatte mich immer gefragt wofür ich Sie
bezahle.
Jetzt weiss ich es.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Ach

von Christiane Patzelt am 28.10.2019 um 19:25 Uhr

Herr Tisch - wenn Sie Ihren Job vorm EuGh-Urteil vernünftig gemacht hätten, müssten Sie jetzt hier nicht Dinge erzählen, die meine Tochter schon mit 4 Jahren sehen kann!

Sie und die ABDA sind doch die Beerdigungsgesellschaft unserer vor-Ort-Apotheken und haben uns täglich das Arsen gereicht!
Sie haben so richtig Glück, dass ich in München war...

Und soll ich Ihnen noch was für Ihre künftige Gruselrede sagen? Die OTC werden innerhalb der nächsten 8 Jahre in die Drogerien/Supermärkte verschwinden und die Kette ist noch schneller Gesetz! Abgabeautomaten? In 4-6 Jahren sind die überall....Aber Hauptsache, Sie kehren täglich in Ihr Apothekerhaus in Berlin, wo noch nie ein tatsächlich täglich in der Apotheke stehender Apotheker/in einen Fuß reinsetzen durfte -- reicht ja, wenn wir den Bums bezahlen!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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