FDA-Zulassung von Reyvow

Lasmiditan bei akuter Migräne – eine Alternative zu Triptanen

Stuttgart - 17.10.2019, 12:45 Uhr

Lasmiditan erweitert als selektiver 5-HT1F-Rezeptoragonist die Behandlungsmöglichkeiten bei akuter Migräne. Reyvow ist, anders als die über  5-HT1B vasokonstriktorischen Triptane, bei kardiovaskulären Erkrankungen nicht kontraindiziert. (Foto: igor_kell / stock.adobe.com)

Lasmiditan erweitert als selektiver 5-HT1F-Rezeptoragonist die Behandlungsmöglichkeiten bei akuter Migräne. Reyvow ist, anders als die über  5-HT1B vasokonstriktorischen Triptane, bei kardiovaskulären Erkrankungen nicht kontraindiziert. (Foto: igor_kell / stock.adobe.com)


Lasmiditan: wirkt bei Migräne …

Die Wirksamkeit von Reyvow in der Akutbehandlung von Migräne wurde in zwei randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studien nachgewiesen. Bereits im Dezember 2018 sind die Ergebnisse der ersten großen Phase-3-Studie – Lasmiditan is an effective acute treatment for migraine: A phase 3 randomized study – in Neurology veröffentlicht. 1856 Patienten wurden doppelblind randomisiert und in drei Gruppen aufgeteilt, sie nahmen innerhalb von vier Stunden nach Attackenbeginn entweder 200 mg Lasmiditan, 100 mg Lasmiditan oder Placebo oral ein. Die Patienten waren angehalten, für 48 Stunden nach Therapiebeginn Kopfschmerzen, Übelkeit, Phono- oder Photophobie zu dokumentieren. Primärer Endpunkt der SAMURAI-Studie war die Schmerzfreiheit zwei Stunden nach Lasmiditan- oder Placebogabe. Die Ergebnisse waren statistisch signifikant zugunsten einer Lasmiditantherapie: 32,2 Prozent der Migränepatienten waren mit 200 mg Lasmiditan nach zwei Stunden schmerzfrei, 28,2 Prozent unter 100 mg Lasmiditan und 15,3 Prozent der Placebopatienten. Die Studie untersuchte nicht nur die Wirksamkeit des 5-HT1F-Agonisten, es ging auch um die kardiovaskuläre Sicherheit.

Wie wirkt Lasmiditan?

Lasmiditan wirkt agonistisch an 5-HT1F-Rezeptoren. Welche exakten Effekte Lasmiditan auf molekularer Ebene auslöst, ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft unbekannt. Es gibt Hinweise darauf, dass Lasmiditan wirkt, indem es die Freisetzung von Neuropeptiden verringert und die Schmerzwege hemmt, einschließlich derjenigen im Trigeminusnerv und in den Ganglien. Die funktionelle Selektivität von Lasmiditan für den 5-HT1F-Rezeptor gegenüber dem 5-HT1B-Rezeptor, von dem angenommen wird, dass er für vasokonstriktive Effekte verantwortlich ist, ist 440-fach größer, und somit fehlt Lasmiditan die vasokonstriktorische Aktivität, die Triptanen innewohnt.

Ein Großteil der Probanden (77,9 Prozent) hatte neben der Migräne noch mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor. Unerwünschte Ereignisse waren meist mild bis moderat, und es traten laut den Studienautoren nur wenige behandlungsbedingten Nebenwirkungen (treatment emergent adverse event, TEAE) unter Lasmiditan auf: Nach der ersten Dosis waren die einzigen kardiovaskulären TEAEs – mit einem möglichen Zusammenhang zu dem Studienmedikament – Palpitationen bei drei Patienten (0,5 Prozent) unter 200 mg Lasmiditan und bei zwei Patienten (0,3 Prozent) unter 100 mg Lasmiditan. Bradykardie trat bei einem Patienten (0,2 Prozent) unter Lasmiditan 100 mg auf. Das Fazit der Wissenschaftler: „Lasmiditan war in Dosierungen von 200 mg und 100 mg wirksam und sicher in der Behandlung von Patienten mit akuter Migräne, bei denen ein hoher Anteil kardiovaskuläre Risikofaktoren hatte“.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Migräneschmerz

von Wähnert am 19.10.2019 um 14:44 Uhr

der MIgräneschmerz entsteht durch perivaskuläre Ödeme im Bereich der vom Trigeminus versorgten Hirngefäße. Th: Acetazolamid mit veränderter Galenik. Sehr effektiv, aber zu billig für die Pharmaindustrie.
Als bedeutende medizinische Entdeckung leider nicht patentierbar

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