OTC-Webshop

Medienberichte: Italiens Regierung geht gegen Shop Apotheke vor

Berlin - 15.10.2019, 07:00 Uhr

Der niederländische Versandkonzern Shop Apotheke hat wegen seines OTC-Online-Shops Ärger in Italien. (m / Foto: Shop Apotheke)

Der niederländische Versandkonzern Shop Apotheke hat wegen seines OTC-Online-Shops Ärger in Italien. (m / Foto: Shop Apotheke)


Der EU-Versandhändler Shop Apotheke hat wegen seines Webshops www.shop-farmacia.it offenbar Ärger mit dem italienischen Gesundheitsministerium. Denn die Niederländer verkaufen über ihre Seite OTC-Arzneimittel, obwohl das laut italienischen Regelungen nicht erlaubt ist. Einem Medienbericht zufolge ist nun die Regierung eingeschritten. So könnte es zu einer weiteren juristischen Auseinandersetzung für die Shop Apotheke kommen, die für ganz Europa von Bedeutung sein könnte. Der Konzern dementiert dies jedoch.

Die niederländische Versandapotheke Shop Apotheke bietet ihren italienischen Kunden in einem italienischsprachigen Webshop OTC-Präparate an. 2016 hatte man das belgische Versand-Unternehmen Farmaline übernommen, eine Versand-Plattform, die in mehreren südeuropäischen Ländern etabliert war. Aus „farmaline.it“ wurde schnell „shop-farmacia.it“. Die Firmenadresse auf der Internetseite ist die von Shop Apotheke im niederländischen Venlo, auch das grüne EU-Logo für den sicheren Internet-Versandhandel ist niederländisch und die zuständige Aufsichtsbehörde sitzt laut Webshop ebenfalls in den Niederlanden. Das Unternehmen macht also gar keinen Hehl daraus, dass das Geschäft aus den Niederlanden gesteuert wird.

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Wie schon zuvor von DAZ.online berichtet, gibt es aber Ärger wegen dieses Webshops der Niederländer. Laut einem italienischen Medienbericht hat sich nun sogar das Gesundheitsministerium eingeschaltet. Denn in Italien ist das Geschäftsmodell der Shop Apotheke nicht wirklich erlaubt. Der Rx-Versand ist in Italien ohnehin untersagt. Aber auch für den OTC-Versand, den die Shop Apotheke in Italien betreibt, gibt es strikte Voraussetzungen: Nur Apotheker und die Betreiber der sogenannten „Parafarmacie“ (OTC-Shops) dürfen OTC online verkaufen. Wenn sie dies tun möchten, benötigen sie eine Lizenz des Gesundheitsministeriums, die sie vorher beantragen müssen. Erteilt das Ministerium die Lizenz, dürfen die Versender das EU-Sicherheitslogo auf ihrer Seite veröffentlichen – erst dann dürfen sie auch im Internet Ware anbieten.

Logo der Shop Apotheke in Italien

Vorgabe: Online-Preise müssen Vor-Ort-Preisen entsprechen

Doch damit nicht genug: Als der OTC-Versand 2014 erlaubt wurde, hat das Gesundheitsministerium Italiens an die Apothekerverbände und die Betreiber der OTC-Shops ein Rundscheiben verschickt, das den OTC-Versand noch weiter reguliert. Das Rundschreiben („circolare“) hat zwar keinen rechtlich bindenden Charakter, dient den Apothekern jedoch als Hinweis darauf, wie die Politik den Arzneimittelversand gerne realisiert hätte. In dem Schreiben stehen die folgenden Maßnahmen:

  • Der Preis der online verkauften OTC-Präparate muss dem Preis entsprechen, für den das Arzneimittel auch in der jeweiligen Vor-Ort-Apotheke des Shop-Betreibers angeboten wird.
  • Die Apotheker dürfen ihre Ware NICHT auf Seiten anbieten, die nicht ausdrücklich zu ihrer Apotheke gehören. Damit will das Ministerium vermeiden, dass sich sogenannte „Marketplaces“ wie Amazon oder Ebay bilden oder – wie in Frankreich – eine gemeinsame Shop-Plattform aufgebaut wird, auf denen Apotheker gemeinsam Produkte verkaufen. Auch der Verkauf über Apps ist laut Rundschreiben nicht erwünscht.
  • Dort ist auch festgehalten, dass Großhändler in den Online-Verkauf nicht verwickelt sein sollten. Damit soll vermieden werden, dass Apotheker zwar eine Internetseite mit OTC-Angeboten aufbauen, der Versand und die Logistik aber vom Grossisten übernommen wird.
  • Damit eng verknüpft ist der Wunsch, dass nur Arzneimittel verkauft werden, die sich zum Zeitpunkt des Versendens schon im Besitz des Apothekers oder OTC-Shop-Betreibers befinden.

Berichte: Gesundheitsministerium intervenierte

Dass die Shop Apotheke wegen dieser Vorgaben derzeit in Kontakt mit der italienischen Regierung steht, berichtet nun das italienische Apotheken-Fachportal „pharmacyscanner.it“. Dem Bericht zufolge will das Gesundheitsministerium in Rom intervenieren. Allerdings sei noch nicht klar, welcher Weg dabei gewählt werde und wie die Niederländer reagieren. „Sehr wahrscheinlich“ sei allerdings ein juristisches Verfahren, das letztlich vor dem EuGH landen könnte, heißt es in dem Bericht. Denn es gehe um das „Dilemma“ die Frage zu beantworten, nach welchen Regelungen sich die EU-Versender halten müssten: an die des Landes, in dem sie verkauften oder an die des Landes, in dem sie selbst sitzen?

Die Lesart der Shop Apotheke dürfte klar sein. Denn auch in anderen EU-Ländern stößt der niederländische Konzern an juristische Grenzen. Wegen ihrer Werbung für OTC auf einer französischen Internetseite wurde die Shop-Apotheke in Frankreich wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt. Das Verfahren liegt derzeit beim EuGH, im nächsten Jahr wird ein Urteil erwartet.

Der niederländische Konzern selbst dementiert den gesamten Vorgang jedoch. Ein Sprecher von Shop Apotheke erklärte gegenüber DAZ.online, dass es in Italien keinen Rechtsstreit gebe und das man auch nicht in Kontakt stehe mit dem Ministerium.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Eine Regierung ! die für ihre Bürger was tut

von ratatosk am 15.10.2019 um 9:42 Uhr

Auch wenn in Italien oftmals etwas Chaos droht, sieht man, daß es sehr wohl Regierungen und Exekutiven gibt, die etwas zum Wohl ihrer Bürger tut und Verordnungen auch bei ausländischen Unternehmen durchsetzt. In D nur noch eine vage Erinnerung, da hier in diesem Bereich offensichtlich nach persönlichen Vorlieben gehandelt wird - oder auch nicht !

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