Apotheken-Impfungen im Masernschutzgesetz

Auflösungserscheinungen bei der Apothekenreform

Berlin - 15.10.2019, 11:29 Uhr

Die Apothekenreform steckt weiterhin in der Abstimmung mit der EU-Kommission fest. Nun wollen Union und SPD einen wichtigen Teil herausnehmen und mit dem Masernschutzgesetz beschließen. (m / Foto: imago images / Chromorange)

Die Apothekenreform steckt weiterhin in der Abstimmung mit der EU-Kommission fest. Nun wollen Union und SPD einen wichtigen Teil herausnehmen und mit dem Masernschutzgesetz beschließen. (m / Foto: imago images / Chromorange)


Dittmar: Einige Punkte werden vorgezogen

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, bestätigte gegenüber DAZ.online, dass man die Grippeschutzimpfungen in Apotheken aus dem Apotheken-Stärkungsgesetz ins Masernschutzgesetz packen will. Dittmar wörtlich: „Wir brauchen für unsere Apotheken eine rechtssichere Lösung, die auch auf EU-Ebene Bestand hat. Hierfür sind weitere Gespräche auf EU-Ebene notwendig. Da unklar ist, wann das Apotheken-Stärkungsgesetz den Bundestag erreicht, ziehen wir einige unstrittige Punkte vor. Das Modellvorhaben Grippeschutzimpfung halte ich für einen guten Ansatz, um die Impfquote zu steigern.“

Dittmar sagte auch: „Und auch Dauerverordnungen für mehrere Quartale sind ein probates Mittel, um unnötige Arztkontakte zu vermeiden, wenn bei einer Dauermedikation keine engmaschige ärztliche Kontrolle notwendig ist.“ Zur Erklärung: Mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz will die Bundesregierung es auch ermöglichen, dass Ärzte ihren Patienten Dauerverordnungen ausstellen, damit insbesondere Chroniker seltener zum Arzt müssen, um sich Folgerezepte zu holen. Dieses Vorhaben ist zumindest bislang aber in kein anderes Gesetz transportiert worden, es ist weiterhin Teil des geplanten Apotheken-Stärkungsgesetzes.

Verordnungen schon beschlossen

Dass Union und SPD Teile aus dem Apotheken-Stärkungsgesetz herausnehmen, um sie mit anderen Vorhaben zu beschließen, ist nicht das erste Mal. Schon während der Entwurfsphase hatte das Bundesgesundheitsministerium weite Teile aus der geplanten Reform entfernt und sie extra über eine Sammelverordnung dem Kabinett vorgelegt. Unter anderem ging es um Anpassungen am Apothekenhonorar (Notdienste und BtM-Vergütung) sowie Änderungen an der Apothekenbetriebsordnung. Diese Sammelverordnung wurde kürzlich vom Bundesrat beschlossen und dürfte nach einigen Änderungen bald erneut vom Bundeskabinett beschlossen werden, damit sie in Kraft treten kann.

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Für die Apotheker ist das ein gefährliches Unterfangen. Denn neben dem geplanten Rx-Boni-Verbot, das derzeit für die Verzögerungen sorgt, enthält das Apotheken-Stärkungsgesetz noch weitere wichtige Regelungen. Beispielsweise zur Einführung des E-Rezeptes: Ärzten und EU-Versendern soll ausdrücklich verboten werden, Patienten mit dem E-Rezept zu lenken. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die vergüteten pharmazeutischen Dienstleistungen: Erstmals sollen die Kassen verpflichtet werden, die Apotheker für neue, pharmazeutische Dienstleistungen zu entlohnen. Doch das Schicksal dieser Neuregelungen ist nun völlig offen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

und wirtschaftlich

von Dr Schweikert-Wehner am 16.10.2019 um 7:05 Uhr

Wenn wir statt immer weniger, auch mal etwas mehr verdienen sollen, dann müssen wir die eigenen Berufsvertretungen abschaffen und bei den Ärzten unterschlüpfen.

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Heilkunde

von Dr Schweikert-Wehner am 16.10.2019 um 6:48 Uhr

Wenn Sie den Beruf attraktiver machen und vielfältige Dienstleistungen haben wollen, dann müssen sie zuerst das strenge Verbot der Ausübung der Heilkunde, dass es nur bei uns so gibt, für Pharmazeuten lockern. Stichwort: Heilpraktikergesetz.

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Macht Nichts

von Anita Peter am 15.10.2019 um 14:15 Uhr

Macht nichts. Man kann nicht erwarten, dass schon 3 Jahre nach dem EUGH Urteil eine Lösung umgesetzt wird. Man kann auch nicht erwarten dass sich Müller-Freund Spahn klar hinter die Vor Ort Apotheken stellt.

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AW: Macht Nichts für uns

von Dr. Schweikert-Wehner am 15.10.2019 um 17:10 Uhr

Das da eine Stärkung der Apotheken kommt glaubt ja e keiner mehr. Aber Kürzungen kommen nächstes Jahr sicher, wenn der Konjunkturmotor stockt und Ärzte und Kassenfunktionäre wieder einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben wollen.

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