DAZ.online-Serie (Teil 3 von 3)

Menstruationstasse statt Tampon – sinnvoll und sicher?

Stuttgart - 11.10.2019, 09:00 Uhr

Sind Menstruationscups hygienisch sicher? Bieten Cups auch beim Toxischen Schocksyndrom Vorteile gegenüber Tampons? Und was kann das Risiko für ein TSS senken – sowohl bei Tampons als auch Menstruationstassen? (Foto: Val Mad / stock.adobe.com)

Sind Menstruationscups hygienisch sicher? Bieten Cups auch beim Toxischen Schocksyndrom Vorteile gegenüber Tampons? Und was kann das Risiko für ein TSS senken – sowohl bei Tampons als auch Menstruationstassen? (Foto: Val Mad / stock.adobe.com)


Toxisches Schocksyndrom – ist die Menstruationstasse sicherer?

Klar ist: Infektionen können bei beiden Monatshygienemethoden auftreten, auch Fälle von TSS (Toxisches Schocksyndrom) wurden sowohl mit der Anwendung von Tampons als auch Menstruationscups assoziiert und als Fallberichte dokumentiert. Und auch Staphylokokken, die wesentlichen Erreger des TSS, wurden sowohl bereits in Tampons als auch Cups gefunden.

Das TSS ist wohl die gefürchtetste „Nebenwirkung“ von – ursprünglich – Tampons. In den 70er und 80er Jahren wurde TSS umgangssprachlich auch als „Tamponkrankheit“ bezeichnet, zu dieser Zeit gab es spezielle, hochsaugfähige Tampons und Fälle von menstruationsassoziiertem TSS traten zeitgleich auf. Man nimmt an, dass sich die Bakterien in den hochvollgesogenen Tampons so stark vermehren konnten, dass sich die Infektion klinisch in einem Toxischen Schocksyndrom äußerte.

Doch was ist das eigentlich, ein TSS?

Das TSS – was ist das?

Unter dem Toxischen Schocksyndrom versteht man ein schweres Kreislauf- und Multiorganversagen aufgrund einer Infektion. Ausgelöst wird es durch Giftstoffe (Toxine) von bestimmten Bakterien: meist von Staphylokokken, seltener von Streptokokken. Die drei Leitsymptome des TSS sind Fieber, Blutdruckabfall (Hypotonie) und Hautausschlag (Exanthem). Daneben können Bewusstseinstrübung, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall), Muskelschmerzen (Mylalgien), Nieren- und Leberschäden bis hin zum Multiorganversagen auftreten. Die US-amerikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC, Centers für Disease Control and Prevention) definieren ein TSS nach folgenden Kriterien:

  • Körpertemperatur mindestens 38,9 °C, niedriger Blutdruck (mit Ohnmacht und Schwindel), Hautausschläge ein bis zwei Wochen nach Krankheitsausbruch (vor allem an Handflächen, Fußsohlen)
  • Mindestens drei Organsysteme geschädigt: Magen-Darm-Trakt, Leber, Niere, Muskulatur, Blut (Hämatome, „blaue Flecken“), Zentralnervensystem (beispielsweise Verwirrtheit), Schleimhäute mit Rötung von Augen/Mund/Vagina (Scheide)

Eintrittspforte für Bakterien, die zum Toxischen Schocksyndrom führen können, kann prinzipiell jede Wunde sein. Deswegen kann ein TSS somit auch als Komplikation bei Frauen nach Verwendung von Tampons, Menstruationstassen, Diaphragma oder im Wochenbett auftreten. Laut dem Berufsverband der Frauenärzte (BvF) tritt ein TSS dann auf, wenn „die Keime in hoher Zahl in den Organismus eintreten und dabei auf ein Immunsystem treffen, das noch keinen Kontakt zum Erreger hatte und noch keine Antikörper gebildet hat, und daher nicht in der Lage ist, die Keime (…) schnell zu neutralisieren“. Im späteren Erwachsenenalter besitzen mehr als 90 Prozent der Menschen Antikörper.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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