Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

06.10.2019, 07:59 Uhr

Nach dem Apothekertag: Jetzt wird's erst richtig spannend... (Foto: Andi Dalferth) 

Nach dem Apothekertag: Jetzt wird's erst richtig spannend... (Foto: Andi Dalferth) 


Nach dem Apothekertag: Spahn hat uns Apothekers auf Linie gebracht, Hauptsache die Apothekenreform kommt bald in den Bundestag – und kommt überhaupt. Die Lieferengpässe sind endlich, endlich ein Thema, bei der ABDA, aber vor allem in der Politik. Es gibt sogar schon ein Paper aus der Union, wie man sie angehen kann. Auch wenn der AOK-Chef aus Ba-Wü meint, es liege nicht an Rabattverträgen. Die Noweda haut derweil eine starke Kampagne raus: Lieferengpässe, Apothekenschließungen, handeln!  Und in den Grünen-Reihen versucht man über Klimaschutz und Versandhandel nachzudenken – und windet sich. Und während inzwischen sogar die ABDA pro Impfung in der Apotheke votiert, wettert der Hausärzte-Chef dagegen. Lasst ihn, wir träumen weiter von honorierten Dienstleistungen. 

30. September 2019 

Wie hat das Handelsblatt so nett getitelt: „Gesundheitsminister Spahn bringt Apotheker auf Linie“. Ja, mein liebes Tagebuch, so isses – Spahn stellte uns Apothekers vor die Wahl: Entweder wir unterstützen ihn bei seinen Plänen zur Gleichpreisigkeit oder es gibt eben kein Gesetz zum Arzneimittelversand und er werde seine Arbeit bei der Apothekenreform einstellen – mit all den bösen Konsequenzen (Rabatt- und Boni-Schlachten der EU-Versender). Hoppala, mein liebes Tagebuch, da fielen unsere ABDA-Funktionäre und Delegierten aber um wie die Dominosteine. Wir können, wir dürfen  Spahn doch nicht verärgern, sonst ist er uns böse, böse, böse, schallte es da durchs Plenum. Und flugs war ein zuvor verabschiedeter Antrag geglättet und Spahn-gefällig gebügelt mit dem Tenor: Möge das Spahnsche Apothekenstärkungsgesetz schnellstmöglich in den Bundestag eingebracht werden, wir wollen den parlamentarischen Prozess dann gerne „konstruktiv und kritisch“ begleiten – Spahn hat uns dann wieder lieb, lieb, lieb. Und der Apothekertag schwor der Versuchung ab, über den Bundesrat ein Gesetz fürs Rx-Versandverbot einzubringen, denn das könnte den Gesundheitsminister vergrätzen, zumindest ihn dazu bewegen, seine Arbeit für die Apothekenreform einzustellen. Das wäre ganz schlimm! Wirklich?  Tja, mein liebes Tagebuch, wie gesagt, und dieses „Risiko“ wollten nur die wenigsten eingehen. Warum eigentlich? Es wäre möglicherweise das Aus für eine stark wackelige Teil-Gleichpreisigkeit und für unsichere spartanisch honorierte Dienstleistungen – so what?

Eine „charmante Idee“ nennt DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer die Möglichkeit, dass der Bundesrat sein Recht nutzen könnte, einen Entwurf für ein Rx-Versandverbot auf den Gesetzesweg zu bringen. Der Vorschlag könnte sogar rasch in den Bundestag wandern. Natürlich gibt es auch Unwägbarkeiten auf diesem Weg, aber dennoch… Mein liebes Tagebuch, was mich irritiert: Wenn es Spahn mit uns Apothekers ernst meint, warum spaltet er dann eigentlich nicht sein Apothekenstärkungsgesetz in zwei Gesetze auf: ein Gesetz, mit dem die Dienstleistungen, die Botendienste, die Arzneimittelautomaten usw. geregelt werden und ein zweites Gesetz, das nur die Gleichpreisigkeit, wie auch immer, zum Ziel hat. Die Gefahr, dass eine Ablehnung der Spahnschen Gleichpreisigkeit durch die EU-Kommission auch den Rest des Gesetzes mit in den Orkus zieht, wäre gebannt. Warum teilt Spahn das Gesetz nicht auf? Die Honoraranpassung zum Notdienstfonds und für die BtM-Doku hat er doch auch in eine eigene Sammelverordnung ausgelagert.

 

Mein liebes Tagebuch, um Spahn besser kennenzulernen, hätten die Delegierten vielleicht vor dem Apothekertag das Gespräch von Christian Ehring mit Jens Spahn anschauen sollen, das schon 2018 in "extra 3" des Norddeutschen Rundfunks lief. Hier der Link zu diesem tiefgründigen Interview, auch heute noch gut. (Vorsicht Satire.)

 

Sie können es nicht lassen: Die Hausärzte gehen nach wie vor gegen die Idee von Bundesgesundheitsminister Spahn vor, dass Apotheker z. B. Grippeschutzimpfungen verabreichen. Ihr Scharfmacher ist Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbands. Mit den Impfungen in der Apotheke überschritten die Apotheker, so Weigeldt, die Heilberufsgrenzen, was nicht hinnehmbar sei. Und er fordert reflexartig im Umkehrschluss das Dispensierrecht für Mediziner. Mein liebes Tagebuch, natürlich geht es da nicht um irgendwelche Grenzen, die die Apotheker überschreiten, es geht vielmehr darum: Die Ärzte haben Sorge, die Apotheker stecken Geld ein, das eigentlich ihnen gehört. Anfangs beäugte die ABDA den Spahnschen Modellversuch recht kritisch, auch aus Sorge vor möglichen Konflikten mit den Ärzten. Doch seit dem Apothekertag sind andere, fast schwärmerische Töne von unserer Standesvertretung pro Impfung in der Apotheker zu hören. Fritz Becker auf dem Apothekertag: „Wir Apotheker sind bereit und nehmen diese Herausforderung an! Die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass die Impfquoten durch ein zusätzliches niedrigschwelliges Impf-Angebot in den Apotheken steigen…“ Woher die Pro-Stimmung kommt, ist nicht genau auszumachen. Möglicherweise ist die ABDA überzeugt, dass Impfen in der Apotheke hervorragend zu den neuen honorierten pharmazeutischen Dienstleistungsangeboten passt, die uns in Aussicht gestellt wurden. Also, mein liebes Tagebuch, wenn das Apothekenstärkungsgesetz kommen sollte, werden sich Apotheken an den Modellversuchen Impfen in der Apotheke beteiligen können – die Ärzte werden das akzeptieren (müssen). Ich bin sicher, die Patienten werden das neue Angebot dankend annehmen. Gut so.

Übrigens, auch von der in Aussicht gestellten Möglichkeit, dass Ärzte in Zukunft Dauerverordnungen (max. bis zu viermal belieferbar) ausstellen dürfen, will der Chef der Hausärzte nichts wissen. Mein liebes Tagebuch, statt diese Möglichkeit als willkommene Entlastung zu sehen, stänkert Weigeldt gegen diese Option. Klar, auch hier geht’s ums Geld. Jedes Folgerezept, das die Arzthelferin ausstellt, bringt ein bisschen extra Kohle. An die Patienten, an deren Zeit und Wege, denkt er da nicht. Aber auch hier: Das wird sich geben.

 

Lieferengpässe könnte man in der Apotheke leichter und praktikabler in den Griff bekommen, wenn die Ärzte Wirkstoffe verordnen würden statt Präparate eines bestimmten Herstellers. Der Patient könnte sofort beliefert werden, für die Krankenkasse bleibt der Preis niedrig. Und für die Apotheke hat es den Vorteil, dass der Preisanker nicht gilt und keine Rücksprache mit dem Arzt notwendig wird – die Apotheke kann unter einem der vier preisgünstigsten Präparate ein  geeignetes und vor allem verfügbares Präparat auswählen. Aber die Mehrzahl der Ärzte will (oder kann) keine Wirkstoffe verordnen. Laut einer Umfrage des Deutschen Apotheken Portals möchte ein Viertel der Ärzte keine Wirkstoffe verordnen, 34 Prozent der Ärzte erklärten, ihr Softwaresystem sei nicht in der Lage, Wirkstoffverordnungen zu erstellen. Dabei empfehlen sogar einige Kassenärztliche Vereinigungen den Ärzten, Wirkstoffe zu verschreiben, um Rückfragen durch die Apotheke zu vermeiden. Mein liebes Tagebuch, keine Wirkstoffverordnungen –  kann’s auf Dauer nicht sein, da wird sich etwas tun müssen. Warum sollte die Apotheke in Zukunft nicht generell ein vorhandenes Präparat unter den Preisgünstigsten auswählen dürfen unabhängig davon, was der Arzt namentlich verordnet hat? Die Lieferengpässe werden eine Änderung dieser Vorschriften erzwingen…

1. Oktober 2019 

Angenommen, wir bekommen eine Apothekenreform, die uns die Möglichkeit gibt, über honorierte pharmazeutischen Dienstleistungen mit den Krankenkassen zu sprechen, dann, mein liebes Tagebuch, dann mag die erste Freude berauschend sein (endlich, Dienstleistungen!), aber es wird rasch Ernüchterung einsetzen, schneller als es uns lieb ist. Denn die Krankenkassen werden da nur ungern zugreifen, wie Äußerungen verschiedener Kassenfunktionäre zu entnehmen ist, beispielsweise auf dem Apothekertag: Pharmazeutische Dienstleistungen ja, aber es darf bitte nicht mehr kosten, so argumentierte sinngemäß Thomas Bodmer von der DAK. Vollkommen skurril dabei ist seine Argumentation. Er meinte, man müsse schauen, welche Aufgaben Apotheker von den Ärzten übernehmen könnten und dann das entsprechende Ärztehonorar bei der KV wegnehmen und es den Apothekern zukommen lassen. Super, oder? Kann er sich vorstellen, dass da die versammelte Ärzteschaft aufschreit und wir Apothekers keine Chancen haben? Die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Regina Overwiening, sagt ihm deutlich: „Wir haben als Apotheker eine Daseinsberechtigung für Dienstleistungen, die wir erbringen können, zum Beispiel arzneimittelbezogene Probleme zu lösen. Wir wollen keine Dienstleistungen stehlen, wir haben selbst genug.“ Richtig, mein liebes Tagebuch, wir können das nicht laut genug in Richtung Kassen sagen: Es gibt etliche genuin pharmazeutische Dienstleistungen, die für Patienten ein echter Gewinn wären – und die Kassen könnten dabei noch sparen. Wann verstehen das endlich mal die Kassenfunktionäre?

2. Oktober 2019

Mein liebes Tagebuch, wie haben die Grünen noch bis vor nicht allzu langer Zeit den   Versandhandel, vor allem bei Arzneimitteln, hochgejubelt! Selbst als wir Apothekers schon auf die Nachteile für den Klimaschutz hinwiesen, weil Tausende von Arzneipäckchen von Holland nach Deutschland gefahren werden, wo doch die gleichen Arzneimittel vor der Haustüre in den Schubladen der Vor-Ort-Apotheken liegen. So ein bisschen Nach- und Umdenken scheint sich im Grünen-Lager jetzt einzustellen, aber leider nur ein bisschen. Bettina Hoffmann, Gesundheits- und Klima-Expertin in der Grünen-Bundestagsfraktion, sieht zwar, dass die explodierende Zahl der Online-Bestellungen Probleme mit sich bringt und gesundheitliche, soziale und ökologische Kosten auf die Gesellschaft abwälzt. Aber klar, so argumentiert sie im Interview mit DAZ..online, der Versandhandel sei für viele Menschen auch eine Entlastung, z. B. für mobilitätseingeschränkte oder chronisch kranke Menschen, die bestimmte Medikamente regelmäßig benötigen. Mein liebes Tagebuch, liest sich ein bisschen wie Herumeiern: Ja, Versandhandel macht CO2 und ist umweltschädlich, aber ja, er ist auch superbequem, die Leute brauchen ihn. Sie schlägt vor, dass sich Apotheker und Großhändler zusammensetzen und besprechen, wie man Mehrfach-Lieferungen reduzieren könnte. Mein liebes Tagebuch, fein, aber auf die Idee, dass man den, Arznei-Versandhandel, vor allem den von Holland nach Deutschland ächtet – kommt sie nicht. Immerhin sagt sie: „Der Botendienst ist zudem eine echte Alternative zur Versandapotheke, denn die Wege sind kürzer.“ Wäre schön, wenn die Grünen dafür mal öffentlich werben würden…

 

Lieferengpässe! Das Thema ist auf der Website der ABDA angekommen, aber auch in der Politik. Es tut sich was, zumindest redet man drüber. Gesundheitsexperten von CDU und CSU schlagen weitreichende Änderungen in der Lieferkette vor: Export-Verbote, Arzneimittelreserve, längere Fristen für die Vorratshaltung in Krankenhäusern, neue Fristen für Hersteller und Großhändler und wieder mehr Arzneimittelproduktion in Europa. Was die Unions-Politiker in Richtung Apotheke vorschlagen, passt: Laut Union wenden die Apotheken viel Zeit und Geld dafür auf, die Medikamente aufgrund der Vielzahl der Rabattverträge zu beschaffen. CDU/CSU schlagen daher vor, dass die Kassen nach den Ausschreibungen künftig immer mindestens zwei Firmen bezuschlagen. Außerdem sollen Verträge zudem kassenübergreifend und auf regionaler Ebene ausgeschrieben werden. Mein liebes Tagebuch, angesichts der Lieferengpässe wäre das doch wirklich passabel. Aber für den Vater der Rabattverträge, für Christopher Hermann von der AOK Baden-Württemberg, scheint dies Teufelszeug zu sein. Er wettert kräftig dagegen und meint, die Pharmalobby habe die Politik eingelullt, dass Rabattverträge Engpässe auslösten, und die Unions-Poliitker fielen darauf rein. Hermann rechnet vor, dass der deutsche Arzneimittelmarkt am globalen patentfreien Arzneimittelmarkt nur einen Anteil von 4 Prozent habe und davon nur ein Teil durch Arzneimittelrabattverträge gesteuert seien. Mein liebes Tagebuch, mit anderen Worten: Er will sein liebstes Kind, seine Rabattverträge nicht aufweichen. Dabei könnte ihm jede Apotheke, aber auch wirklich jede Apotheke nachweisen, dass es weniger Lieferengpässe gäbe und die Patienten schneller versorgt werden könnten, wenn die Kassen mit mindestens zwei, besser drei oder vier Herstellern Rabattverträge abschließen müssten. Gegen Starrsinn kann nur eine politische Entscheidung helfen.

3. Oktober 2019 

29. Jahrestag Tag der Deutschen Einheit. Deutschland hat den Tag groß gefeiert, dieses Jahr in Kiel. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt war auch dort, weniger als ABDA-Präsident, sondern vielmehr als Vizepräsident des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB). Denn die Freien Berufe können eine Erfolgsgeschichte in den neuen Bundesländern aufweisen: Sie können ein Plus von 312,1 Prozent verzeichnen – so stark sind die selbstständigen Freiberufler in den neuen Bundesländern zwischen 1993 und 2019 gewachsen (in den alten Bundesländern betrug der Zuwachs knapp 150 Prozent). Mein liebes Tagebuch, gut wenn BFB-Präsident Wolfgang Ewer darauf hinweist, dass auch weiterhin passende Rahmenbedingungen notwendig sind: Die Selbstverwaltung müsse geschützt und der Subsidiaritätsgrundsatz gewahrt bleiben. Fein, mein liebes Tagebuch. Auch wenn das Apothekenwesen am 3. Oktober nicht im Mittelpunkt stand: Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie das Apothekenwesen nach der Wiedervereinigung von Ost und West zusammengewachsen ist. Rückblickend ist es besonders beeindruckend, wie rasch sich die Kammern und Verbände im Osten bildeten, wie die Apothekenorganisationen der westlichen und östlichen Bundesländer zusammenfanden, z. T. freundschaftlich verbunden waren und sind. Und wie perfekt die Arzneimittelversorgung in Ost und West läuft. Mal ehrlich, mein liebes Tagebuch, darauf können wir Apothekers in Ost und West stolz sein. Wie sehr wir Apothekers in Ost und West zusammengewachsen sind, zeigt doch alleine schon die Tatsache, dass in unserer ABDA der  Präsident und sein Vize aus den neuen Bundesländern kommen. Das gibt’s nicht mal in unserer Bundesregierung. 

4. Oktober 2019

„Medikamente fehlen. Apotheken schließen. Zeit zu handeln.“ – Diese drei Sätze stehen schlagwortartig im Mittelpunkt einer Anzeige, die von der Noweda als Kampagne im „Focus“ und im Kundenmagazin  „MyLife“ läuft. Ist stark gemacht, mein liebes Tagebuch, Dank an die Noweda. Die Anzeige verbindet Lieferengpässe mit Apothekenschließungen – und vermittelt: Das hängt alles zusammen, die Ursache liegt in Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Eindrucksvoll die zentrale Aussage: „Tag für Tag kämpfen 19.268 Vor-Ort-Apotheken darum, die Versorgung der Patienten in Deutschland trotz dieser Lieferengpässe sicherzustellen“, heißt es im Anzeigentext. Und weiter: „Noch. Denn inzwischen muss alle 31 Stunden eine Vor-Ort-Apotheke aufgeben und für immer schließen.“ Und das letztlich wegen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Mein liebes Tagebuch, darüber sollte auch mal der Chef der AOK Baden-Württemberg nachdenken, der glaubt, Lieferengpässe hätten so gut wie nichts mit Rabattverträgen zu tun.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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10 Kommentare

Glaubwürdigkeit

von Reinhard Rodiger am 07.10.2019 um 1:13 Uhr

Es ist ja etwas besonderes geschehen. Beim DAT wurde nicht wie üblich alles störende verhindert.

Da erreichen die Delegierten, dass eine Führung, die nicht Wort hält, ihr Gesicht nicht verliert und dafür unverdient eine neue Chance. Statt jedoch den dabei vermittelten Auftrag ernst zu nehmen, zeigt sie durch Kleinreden der Chance deutlich, dass sie die Delegierten und deren Schonung ihrer völligen Demaskierung, genauso missachtet, wie die erkenntlichen Bedürfnisse der Mehrheit.

Es ist doch eine bekannte Sache, dass die Chancen, um etwas zu erreichen umso kleiner werden, je früher auf die Aussichtslosigkeit hingewiesen wird.Dieses Kleinreden und das negieren aller für das Unterfangen sprechenden oder verwendbaren Argumente, fördert den Abbau der Glaubwürdigkeit ausserordentlich und schwächt die Verhandlungsposition. Das erfährt eine Potenzierung durch Geheimverhandlungen vorher und offensichtlich auch nachher. Diese Praxis stärkt Spahn überproportional.

Bislang ist die Überzeugungskraft des Konzepts der zusätzlichen Dienstleistungen zu Lasten der heutigen
sehr gering.Das zu ändern ist eine unverzichtbare Bringschuld .
Auch das Fehlen schwächt.

Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass ohne Anerkennung von Heute die vermeintliche Höherentwicklung ins Leere läuft und für den Abgang vieler sorgt.Deren Fehlen kümmert nach wie vor niemand.

Die vornehm geschonte Führung sollte die Delegierten achten und deren Auftrag glaubwürdig annehmen.Schön wäre es, aber die Haltung ist leider anders.Schade für alle.









» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Richtigstellung

von Joachim Sievers am 06.10.2019 um 11:33 Uhr

Ihr Bericht über den Verlauf des DAT 2019 gibt in weiten Teilen nicht den tatsächlichen Verlauf der Diskussion wieder:
1) Richtig ist, dass der geschäftsführende Vorstand mit seinen Vortragenden Herr Schmidt und Herr Schmitz intensiv versuchte, die Versammlung von der Abkehr des Vorstandes vom Versandhandelsverbot zu überzeugen; dieser Versuch ist mißlungen.
2) Richtig ist, daß die Versammlung den Antrag, daß Versandhandelsverbot als Forderung der Apotheker beizubehalten, mit überwältigender Mehrheit - auf meine Bitte stehend und applaudierend - angenommen hat.
3) Richtig ist, daß Herr Spahn in seiner Rede die Versammlung ultimativ aufgefordert hat, seinen Gesetzentwurf zu unterstützen, den Ruf nach einem Versandhandelsverbot aufzugeben und doch besser nicht dem Bundesrat zu folgen, da dies das Ende seiner Bemühungen wäre
4) Richtig ist, daß ich als vierter Redner Herrn Spahn darauf hingewiesen habe, daß mit der 90% Regelung zur Gleichpreisikeit die letzte Säule des " alten Apothekenwesen " (ein Apotheker, eine Apotheke, Werbeverbot, Versandverbot, Gleichpreisigkeit aller apothekenpflichtiger ! Rrodukte ) fallen und damit das ganze System abrutschen würde; daß sein Plan wesentlich von den Vorstellungen seines Parteifreundes Gröhe abweichen würde, ebensonwie von dem Wortlaut des Koalitionsvertrages; daß er, der Minister, in wenigen Wochen einen Nachfolger/in einer anderen Parteifarbe haben könne und wie wr Apotheker nach einem solchen Kotau vor IHM uns denn dann positionieren wollten.
5) Richtig ist, dass der DAT in einer sehr intensiven Diskussion den nahezu einstimmigen Beschluß fasste, den Gesetzesentwurf des Ministers positiv begleiten zu wollen ohne !! den Beschluß vom Vortag zurBeibehaltung der Forderung des Versandhandelsverbots zu verwässern.

Mir ist unerklärlich, wie Sie die sehr ernsthaften, sehr diszipplinierte, sehr kollegiale Diskussion und Beschlussfassung mit der lapidaren Formulierung " auf Linie gebracht" diskreditieren können.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Richtigstellung

von Anita Peter am 06.10.2019 um 18:30 Uhr

Ich kann Ihren Ausführungen leider nicht folgen. Es gab eine klare Ansage von Spahn, und dann wurde so lange rumformuliert, bis alle gesichtswahrend weiter machen können wie bisher.
Wir kämpfen doch gar nicht für ein RXVV. Glauben Sie mir, den unteren 5000 ist es egal ob das Gesetz kommt oder nicht. Wir werden so oder so absaufen. Dann aber lieber mit Pauken und Trompeten!

AW: Richtigstellung

von Wolfgang Müller am 06.10.2019 um 19:51 Uhr

Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Zusammenfassung. Nach Allem zu urteilen, was einigermaßen objektive Quellen berichten, und vor Allem nach dem eindeutigen Wortlaut der beiden Pro-Rx-Versandverbots-Beschlüsse des DAT (zunächst zum Leitantrag, dann zu Spahns Drohungen).

Der DAT hat seine vollkommen eindeutigen Beschlüsse halt nur ziemlich diplomatisch gefasst, um die extreme Emotionalität rauszunehmen. Um netterweise (oder dummerweise, im Nachhinein, bei der intriganten Schweinerei, die jetzt gerade anläuft?) eine offene Revolte gegen Arnold/Becker/Kiefer/Schmidt zu vermeiden. Gegen unsere „Geheim-Agenten“, die mit ihrem bizarren Eintritt in vollkommen geheime Rx-Boni-Verhandlungen vor 1,5 Jahren diese jetzt natürlich eher verspätete Diskussion überhaupt nötig gemacht haben. Und um irgendwie mit dem Angst und Schrecken verbreitenden Spahn doch noch einigermaßen friedlich auseinanderzugehen.

Die PZ dieser Woche hat allerdings die Deutungshoheit mit komplett gegenteiliger Aussage an sich gezogen, bezogen auf Ihre heutige "Richtigstellung". Sie hat gegen den eigenen DAT sozusagen "aus vollen Rohren geschossen" …

Auch FS hat bereits klar zum Ausdruck gebracht, dass Alles, was in Richtung Ihrer "Richtigstellung" (und einiger entsprechender Artikel, z. B. in der DAZ, und einiger Posts, z. B. von mir) geht, eine "Überinterpretation" sei.

Das ist die aktuelle Aufstellung: Kampf um die Deutungshoheit. Die ABDA möchte sich schnell wieder nur um die Dienstleistungen kümmern. Natürlich wieder in „Geheim-Verhandlungen“ mit BMG und GKVen. Übrigens war die Mitteilung dieser ERNEUTEN Geheimhaltungs-Absicht ein weiterer, bizarrer niederschmetternder Schlag der ABDA gegen die DAT-Delegierten, der in obigem Thema vollkommen unterging.

Lieber Kollege Sievers, lassen Sie sich nicht beirren, weder von der PZ, noch unserer „Führung“, noch von den üblichen Pessimisten (Peter Ditzel und die DAZ nehme ich bewusst aus, das stellt sich für mich eben etwas anders dar als für Sie). Auch das Sowjet-System ist trotz „Prawda“ und „Neuem Deutschland“, gnadenlos vom ZK gelenkter Parteitage und all den tagtäglichen Drangsalierungen des „Ich liebe euch doch Alle“-Volkes letztendlich untergegangen. Die normalen Öffentlichen sind das Volk.

Delegierte

von Conny am 06.10.2019 um 10:48 Uhr

Die Delegierten waren ein Albtraum auf dem Dat. Danke, danke , danke Herr Spahn das Sie hier sind. Wir wollen Sie auch nächstes Jahr in München auf der Bühne haben. Es war nach Spahns bockiger Rede eine einzige Arschkriecherei.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Dienstleistungen... und Plan C!

von Gunnar Müller, Detmold am 06.10.2019 um 9:35 Uhr

Wie wär‘s denn mal mit der Vergütung von „Dienstleistungen“, die die Apotheken bereits jetzt schon tagtäglich - und das seit Jahren zunehmend - erbringen:
- Ein Euro für jede Sonder-PZN
- Ein Euro für jede Minute Rückfrage beim Arzt (genauer: bei der Arztpraxis!), beim Großhändler, ggf. beim Hersteller, bei den Krankenkassen, Abstimmung / Rücksprache mit den Patienten
- Fünf Euro für jeden Genehmigungsantrag bei den KrankenKassen
- Fünf Euro für jede Sonderbestellung bei Pharmamall, Einzelbestellung beim Hersteller, Desensibilisierungen, Augenpflaster
- weitere ... (Anmerkungen erwünscht!)

Außerdem sollte dann natürlich über das Durchreichen von 1,19 Euro Beschaffungsgebühr bei BtM nicht einmal mehr diskutiert geschweige denn solche ggf. retaxiert werden.

Willkommen in der Realität.
Unsere Berufszertretung schwebt offenbar immer noch in den 2030- und AMTS-Sphären ...

Im übrigen halte ich unseren Vorschlag, die unberechtigt hohen Vergütungen der Versender auf die traditionell arbeitenden Apotheken strukturiert umzuverteilen, auch vor dem Hintergrund eines aufgeschobenen VOASG nach wie vor und mehr denn je für praktikabel, für richtig und für realistisch.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Dienstleistungen... und Plan C

von A. Fischer am 08.10.2019 um 15:48 Uhr

Sehr geehrter Kollege Müller,

bitte ersetzen Sie " Euro " mit " % ". Wir wollen doch nicht alle 3 Jahre um neue Zahlen reden müssen.

Mit kollegialem Gruß,

A. Fischer

Fremdbestimmung bis zur Selbstaufgabe?

von Christian Timme am 06.10.2019 um 8:43 Uhr

„Es gibt etliche genuin pharmazeutische Dienstleistungen, die für Patienten ein echter Gewinn wären – und die Kassen könnten dabei noch sparen.“ Wann verstehen das endlich mal die „Apothekers“ und handeln danach ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Zeit zu handeln !

von Ulrich Ströh am 06.10.2019 um 8:24 Uhr

Medikamente fehlen.
Apotheken schließen.
Zeit zu handeln....

Dann ist eine“ charmante Idee “ ,wenn die Delegierten des DAT - zeitgleich - darum bitten,das Spahnsche Apothekenstärkungsgesetz schnellstmöglich in den deutschen Bundestag einzubringen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Zeit zu handeln

von Pillendreher am 08.10.2019 um 8:18 Uhr

Wir sollten in uns gehen! Wir und unsere Standesvertretungen haben vor Jahren z.B. Dienstleistungen wie Botendienst (für viele Patienten ein echter Gewinn!) sanktioniert, Kollegen die Wettbewerbzentrale auf den Hals geschickt. Wir haben z.T. Rezepturen abgelehnt, in andere Apotheken geschickt, viele Kollegen tummelten sich "woanders" als es finanziell noch gut ging. Als es darum ging, zu streiken, zogen wir uns auf unseren "Versorgungsauftrag" zurück, wir waren uns nie einig (anders als die Ärzte). So hat man uns jahrelang an der Nase herum führen können und man tut es weiter. Versender und die große Lobby haben längst die Karten gemischt. Und... impfen? Nein Danke! Wollen wir den Doc eine Betamethason - Triclosan Creme rühren lassen?

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