Glucosetoleranz-Test mit Todesfolge

Polizei erklärt Hintergründe: Toxische Verunreinigung in Kölner Apotheke

Stuttgart - 24.09.2019, 17:46 Uhr

Die Pressekonferenz im Polizeipräsidium Köln offenbarte am heutigen Dienstag um 11:30 Uhr viele betroffene Gesichter – sie wurde live auf Facebook und NTV übertragen. (b/Foto: Screenshot der NTV-Übertragung der Pressekonferenz)

Die Pressekonferenz im Polizeipräsidium Köln offenbarte am heutigen Dienstag um 11:30 Uhr viele betroffene Gesichter – sie wurde live auf Facebook und NTV übertragen. (b/Foto: Screenshot der NTV-Übertragung der Pressekonferenz)


Toxische Verunreinigung in Glucose-Gebinde in der Apotheke – aber nicht in allen Abfüllungen?

Zunächst musste die Polizei die Gefahrenlage einschätzen: Sie kam zu dem Schluss, dass bundesweit etliche entsprechende Glucose-Gebinde im Umlauf sind und waren – die zu keinen weiteren Komplikationen führten. Auch der betroffene Gynäkologe aus Köln soll dieselben Glucose-Abfüllungen bei anderen Patientinnen ohne Komplikationen angewendet haben. Die Polizei geht mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem lokalen Ereignis aus. Die toxische Verunreinigung soll nicht über den Hersteller in die Glucose-Gebinde gelangt sein. Bislang habe sich niemand aus der Bevölkerung gemeldet, der noch Glucose-Abfüllungen aus der Apotheke zu Hause habe, (bevor eine Arztpraxis für den Toleranztest aufgesucht wird).

Erst am Montag um 15:37 Uhr konnte ein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme der Glucose-Mischung und dem Todesfall nachgewiesen werden. Denn in dem Glucose-Behältnis der Verstorbenen wurde eine giftige Substanz gefunden. Dass es diese in Apotheken gebe, sei nicht ungewöhnlich – wie sie jedoch in die Glucose gelangen konnte, sei nun Gegenstand der Ermittlungen, hieß es in der Pressekonferenz. Um welche Substanz es sich genau handelt, wurde nicht gesagt – um kein Täterwissen zu offenbaren.

In der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass die toxische Verunreinigung auch im Glucose-Gebinde in der Apotheke gefunden wurde. Allerdings sei nicht klar, ob sie dort bewusst untergemischt wurde oder vielleicht nur an einer Stelle konzentriert zu finden ist.

Es sei ein Verfahren gegen unbekannt wegen eines Tötungsdelikts eingeleitet worden. Zu klären sei nun, ob die Verunreinigung vorsätzlich oder fahrlässig in die Glucose gelangte. Der Heilig-Geist-Apotheke wurde vorerst untersagt, selbst hergestellte Arzneimittel zu verkaufen.

Apotheken-Inhaber äußert sich gegenüber Nachrichtenagentur 

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa stellen die Todesfälle den Inhaber der Apotheke nach eigenen Angaben vor ein Rätsel: „Ich bin fassungslos, ich kann es mir nicht erklären.“ Er vertraue auf die Ermittlungen der Polizei. „Dabei bin ich Zeuge nicht Beschuldigter“, betonte der Apotheker. Das Heilig-Geist-Krankenhaus, auf dessen Gelände sich die Apotheke befindet, ist laut dpa nach eigenen Angaben nicht betroffen. Man beziehe keine Medikamente aus der Apotheke, sagte eine Sprecherin. Die Apotheke sei eigenständig und gehöre nicht zum Krankenhaus.



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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6 Kommentare

Unfassbar...

von Marina am 27.09.2019 um 3:23 Uhr

Hallo Herr Gesko!

Wie können Sie so etwas nur schreiben?

Sie wissen doch gar nicht, ob der Arzt den Test zu Recht angeordnet hat oder nicht.
Gewöhnlich muss es erst einmal entsprechende Hinweise und Symptome für den Verdacht auf Diabetes geben, damit dieser Test dann genutzt wird, um die Krankheit zu diagnostizieren. Sonst zählt die Kasse das auch nicht.

Man kann doch nicht einfach auf gut Glück Menschen so beschimpfen!

Selbst wenn der Test unnötig gewesen sein sollte, dann hat immer noch das Gift in der Glucoselösung das Unheil angerichtet!

Was passiert ist, ist so furchtbar, traurig und tragisch und Sie sillzen sich schämen, dass Sie den Tod und das Unglück dieser armen Menschen als Vorwand für Ihre Wut und Ihren Hass nutzen.

Und übrigens ist mit Sicherheit jede Frau, bei der der Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes besteht, froh, dass die Krankenkassen den Test mittlerweile bezahlen. Denn Schwangerschaftsdiabetes ist doppelt gefährlich und Untersuchungen teuer, da sollte man dankbar sein, wenn die Kassen ihr Angebot entsprechend erweitern.

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Oraler Glukosetoleranztest: Seit März 2012 Teil der Mutterschaftsrichtlinien?

von Peter Gesko am 26.09.2019 um 17:30 Uhr

Stimmt ja. Vor 2012 gab es ja noch gar keine Mütter. Zur Information: Zur Feststellung eines Schwangerschaftsdiabetes kann der Test im Rahmen der Vorsorge zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. In Deutschland ist dieser Test seit März 2012 Teil der Mutterschaftsrichtlinien und damit eine Leistung der Gesetzlichen Krankenkassen.

Ich frage mich, was das soll. Wo leben wir eigentlich mittlerweile? Was seid ihr für Ärzte, die diesen Wahnsinn unterstützen? Pfui Teufel, seid ihr DRECK! Wegen euch ist diese Frau und ihr Kind nicht mehr am Leben! Wegen einem vollkommen überflüssigen Zuckertest. Ich könnte kotzen.

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AW: Oraler Glukosetoleranztest: Seit März

von Lukas am 29.09.2019 um 17:18 Uhr

Hallo DAZ online, wann wird dieser unsägliche und beleidigende Kommentar endlich gelöscht?

Glucose Eingangskontrolle

von Dr. Rainer Trittler am 26.09.2019 um 13:06 Uhr

Mir ist es unverständlich, dass bei dem Fall keinerlei Kommentar zur obligatorischen Eingangskontrolle der zur Herstellung verwendeten Glucose auftaucht. Da keine Warnung vor dem Rohstoff an andere Apotheken ausgesprochen wurde, und die Verunreinigung im Gebinde zu finden ist, liegt der Verdacht nahe, dass sie mutwillig eingebracht wurde. Ich kann nicht wirklich verstehen, dass der Apotheker seine Eingangskontrolle nicht kommentiert. Es wäre auch keine Schande, wenn bei einer Eingangskontrolle eine in 75g tödliche Menge an Sufentanil nicht entdeckt wird. Die Eingangskontrolle minimiert das Risiko trotzdem beträchtlich. Daher ist es glücklicherweise nicht gesetzeskonform, dass in Apotheken weiße Pulver unkontrolliert abgefüllt werden und die Quallitätskontrolle dann die Polizei durchführen muss ! Ohne vernünftige Analytik wird das Vertrauen von Patienten und Ärzten in Apothekenherstellungen langfristig beschädigt.

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AW: Glucose Eingangskontrolle

von Peter Gesko am 26.09.2019 um 17:12 Uhr

Typisch für einen "Dr." Hinterfragt gar nicht erst, ob das Screening überhaupt notwendig gewesen wäre. Aber klar doch: Es generiert Geld! Richtig, Herr Doktor? Alles was Geld bringt ist gut.
Ich hoffe sehr, dass in Zukunft die eine oder andere werdende Mutter ALLES hinterfragt, was ihr Arzt ihr so an "Vorsorge" anbietet.

verunreinigte Glukoselösung

von Jürgen Weinberg am 24.09.2019 um 20:31 Uhr

Das ist wirklich das Schlimmste, was einem Apotheker/in passieren kann. Alleine in den Verdacht zu kommen, Menschenleben zerstört zu haben ist wohl der blanke Horror. Der betroffene Kollege hat mein volles Mitgefühl. Ich bin froh, dass mir so etwas in meinem über 30jährigen Berufsleben bisher nich passiert ist. Und bevor es „böse“ Kommentare gib: natürlich tut mir auch die verstorbene Patientin und ihr ungeborenes Kind leid. Und der zurückbleibende Ehemann und Vater erst recht. Grausam das alles!

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