Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

22.09.2019, 07:59 Uhr

Ich sag's Dir, mein liebes Tagebuch, bis wir Apothekers unsere kleine Honorarerhöhung bekommen, bleibt es spannend bis zum Schluss. (Foto: Andi Dalferth)

Ich sag's Dir, mein liebes Tagebuch, bis wir Apothekers unsere kleine Honorarerhöhung bekommen, bleibt es spannend bis zum Schluss. (Foto: Andi Dalferth)


19. September 2019

Wem kann, wem soll man da noch vertrauen, meine liebes Tagebuch. Die Äußerungen von Gesundheitspolitikern, Juristen und Rechtsexperten zur Frage, ob ein Rx-Versandverbot möglich wäre, ob ein Rx-Boni-Verbot im SGB V der einzige Weg sei oder ob es durchaus Alternativen dazu gebe, ähneln schon Wasserstandsmeldungen. Wöchentlich, ja täglich äußert sich einer, der es besser weiß, was machbar wäre. Jüngstes Beispiel: Während in der vergangenen Woche Gesundheitspolitiker aus mehreren Bundesländern das Rx-Versandverbot als beste und einzige Lösung forderten, ließ Staatssekretärin Sabine Weiss (CDU) aus dem Hause von Jens Spahn beim Sommerempfang des Apothekerverbands Nordrhein wissen: Ein Rx-Boni-Verbot im SGB V sei der einzige Weg, um eine europarechtlich tragfähige Lösung zur Sicherstellung der Gleichpreisigkeit zu finden. Und sie fügt hinzu, dass das Bundesjustizministerium in der Ressortabstimmung ein solches Verbot europarechtlich für nicht durchsetzbar erklärt habe. Na, mein liebes Tagebuch, das macht einen doch langsam kirre, oder? Was nun? Kann man Rx-Versandverbot und Rx-Boni-Verbot überhaupt noch hören? Ach ja, letztlich sind das alles nur Vermutungen, Spekulationen und Meinungen. Niemand kann mit endgültiger Sicherheit wissen, ob ein Rx-Versandverbot auf Europaebene Bestand haben würde oder nicht. Man müsste es vor den Europäischen Gerichtshof bringen…

 

"Jubelthema“ pharmazeutische Dienstleistungen: Ist ja prinzipiell fein, dass die Apothekenreform uns Apothekers ermöglichen will, pharmazeutische Dienstleistungen zu erbringen, die endlich von den Krankenkassen honoriert werden. Das stärkt unser Standing und es bringt ein paar extra Euro in unsere Apothekenkasse. Da kann man doch schon mal jubeln. Dumm nur, mein liebes Tagebuch, dass wir bisher überhaupt noch nicht im Detail wissen, welche Dienstleistungen wir erbringen dürfen, sollen, können und wie sie honoriert werden. DAZ-Wirtschaftsexperte Müller-Bohn hat sich die Mühe gemacht, mal durchzurechnen, welche Dienstleistungen wie honoriert werden müssten, damit am Ende tatsächlich etwas übrig bleibt. Legt man den Kabinettsentwurf der Apothekenreform zugrunde, sollen Dienstleistungen über einen neuen Zuschlag von 20 Cent pro Rx-Packung, der in einen Fonds fließt, finanziert werden. Rechnet man da ein bisschen herum, könnten dadurch etwa 144 Mio. Euro dabei herauskommen, vermutliche auch weniger. Für die Durchschnittsapo kämen da etwa 7500 Euro heraus. Allerdings Vorsicht, das ist kein zusätzlicher Gewinn, denn neue Leistungen verursachen auch neue Kosten. Müller-Bohn weißt in seiner Analyse auf weitere Kostenfallen hin. Mein liebes Tagebuch, worauf er auch hinweist: „Wenn die neuen pharmazeutischen Leistungen so hilfreich sind, wie die Apotheker erwarten, wird die Nachfrage sehr groß. Doch aus einem so eng begrenzten Budget könnten die Apotheken dies nicht finanzieren. Sie würden dann zu Opfern des eigenen Erfolgs.“ Na, das klingt nicht unbedingt nach viel Spaß bei den neuen Dienstleistungen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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14 Kommentare

RX-Versandverbot

von Dr. Radman am 22.09.2019 um 12:12 Uhr

Wer für so einen katastrophalen Rahmenvertrag 5 Jahre Verhandlung braucht, kann man von ihm keine ordentliche Lobbyismus gegenüber Spahn erwarten. Schmidt, Becker und Co, stecken alle unter eine Decke und loben sich gegenseitig für ihre Misserfolg.

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Unschuldig

von Bernd jas am 22.09.2019 um 11:35 Uhr

Drei mal?! .....das war ich nicht. Ö

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AW: Unschuldig

von DAZ.online am 22.09.2019 um 14:31 Uhr

Lieber Herr Jas,
wissen wir. Ist irgendeine Macke im System. Wir haben einfach zwei gelöscht.
Schönen Sonntag noch
Ihre DAZ.online-Redaktion

Europarecht nur da wo abkassiert werden kann

von Bernd Jas am 22.09.2019 um 11:32 Uhr

Nää, Her Ditzel is´et nicht wigger schöön heut Morjen?

Versuchen Sie doch mal ungeschoren davon zu kommen, wenn sie in unseren Nachbarländern falsch parken oder mit 180 km/h auf der niederländischen Autobahn in eine Radarfalle rauschen, das scheppert ordentlich ... und zwar kurze Zeit später in Ihrem Briefkasten in Form eines schwergewichtigen Bußgeldbescheides. Da funktioniert der Vollzug und greift das EU-Recht in unsere Taschen. Nur wenn es auf höheren Ebenen bewegt, so dass sich die die Behörden miteinander auseinander setzen müssen, ist schweigen im Walde.
"Und wer ist für den Versender in den Niederlande zuständig? Die deutsche Kammer und die deutschen Behörden jedenfalls nicht…"
Diese Frage wird wohl ewig offen bleiben.

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Quadratur des Kreises oder Danaergeschenk ...

von Christian Timme am 22.09.2019 um 9:33 Uhr

Wer solche „Helferleins“ hat ... braucht keine Feinde mehr. Die „rote Handgranate“ liegt auf dem HV, natürlich auf Rezept mit Beipackzettel, „Zur Einnahme bitte hier und jetzt ziehen ...“

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Schmidt

von Conny am 22.09.2019 um 9:23 Uhr

Witzig ist auch das Herr Schmidt bei der Anfangspressekonferenz in Abu Dhabi weilt. Mehr kann man seine Verachtung gegenüber den Vorortapotheken nicht zeigen. Rücktritt !

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Falsch

von Anita Peter am 22.09.2019 um 8:33 Uhr

"Das hätte es nur mit dem Rx-Versandverbot gegeben. Aber davon hält unser Bundesgesundheitsminister nichts, dem gab er keine Chancen"

Liebes Tagebuch, auch wenn Du es jede Woche wiederholst, es bleibt falsch. Spahn hat angeboten das RXVV umzusetzen, dafür hätte er aber keine Kraft für andere Dinge.
Zuallererst hätte das RXVV kommen müssen. Dann der Rest.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Falsch

von Karl Friedrich Müller am 22.09.2019 um 8:51 Uhr

Das war reine Erpressung der ABDA. Heißt übersetzt: entweder RxVV und euer Liebling, Dienstleistungen, ist gestorben. Oder eben „bezahlte“ Dienstleistungen. (Wobei nicht erwähnt wurde, dass man nicht daran denkt, sie auch angemessen zu bezahlen. Das Defizit war von beiden Seiten eingeplant)

Boniverbot mit Dienstleistungen

von Ulrich Ströh am 22.09.2019 um 8:33 Uhr

Ein kommendes Rx -Boniverbot im SGB V wird juristisch 1000 Tage nicht überleben.

Dafür sich undefinierte ,minderhonorierte’ pharmazeutische Dienstleistungen hereinzuholen, kann man machen.

Wird allerdings der jüngeren Generation von Apothekern zukünftig als Rechnung präsentiert werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Boniverbot mit Dienstleistungen

von Anita Peter am 22.09.2019 um 8:42 Uhr

Lieber Herr Ströh, so sieht es aus. Für die untere Hälfte der Vor Ort Apos ist der Zug abgefahren. Ich denke, dass war das Thema der "Geheimverhandlungen".

AW: Boniverbot mit Dienstleistungen

von Dirk Krüger am 23.09.2019 um 8:32 Uhr

Lieber Herr Ströh,

in Ihrem vorigen Kommentar schrieben Sie in einem schönen maritimen Bild ( wir beide leben im "Land zwischen den Meeren " ) davon, "das Schiff sei aus dem Hafen".
Ich ergänze: der Kapitän heißt Jens Spahn, der Heizer Friedemann Schmidt und das Schiff heißt "Titanic" . Dieser Kapitän steuert es ( im Wissen um seinen Kurs, vielleicht sogar absichtlich ?) auf den Eisberg EuGH zu. Es wird viele Opfer geben ...

Digitalisierung

von Karl Friedrich Müller am 22.09.2019 um 8:31 Uhr

Hilfreich wäre es, wenn nicht jeder mit einer eigenen Plattform, App, Konnektor und was weiß ich an käme.
Ein furchtbares Durcheinander für uns und den möglichen Kunden.
Die Apotheken vor Ort sollten ein gemeinsames Auftreten haben, ein Ding für alle. Ich will auch mich nicht bei zig Anbietern anmelden und bezahlen müssen. Ich will nicht unter 1000 Möglichkeiten für meine Hard und Software auswählen müssen, um dann doch die schlechteste Möglichkeut zu erwischen. Als Laie weiß ich überhaupt nicht, was mir angeboten wird. So lese ich im Netz, dass ausgerechnet CGM teuren und veralteten Elektroschrott verkauft und installiert hat. Es kotzt mich an.
2013: Westerwelle: wir verstehen uns ausschließlich als Dienstleister der Industrie.
So noch Fragen? Warum des kein RxVV gibt? Warum alles gegen Patienten, Beitragszahler, Leistungsanbieter läuft?
Weil sich die Haltung der Regierung nicht geändert hat. Siehe auch „Klimapakt“. Man will die Industrie schonen und gaukelt Maßnahmen vor, Will die Öffentlichkeit verschaukeln. Nur funktioniert das nicht mehr, jedenfalls nicht beim Klima, im Gesundheitswesen schon.
Spahn verkauft uns alle aus Eigennutz. Nicht nur er, die ganze Berliner Regierung. Einträchtig mit der SPD.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Digitalisierung

von Felix Maertin am 22.09.2019 um 15:34 Uhr

Amen!

AW: Digitalisierung und andere Bauernfängerei

von Bernd Jas am 22.09.2019 um 16:01 Uhr

Genau so ist es, Sie haben es verstanden Herr Müller.
So z.B. auch die Lebensmittelindustrie. Was Glauben sie, was die grünen und roten Schnipseln in den glibberigen Salatsaucen aus den Supermärkten sind?
Auch hier gib´s Schrott en masse in Form von Gurken- und Tomatenschalen.
Eigennutz und Selbstgefälligkeit im Gegensatz zur Verantwortung und Schutz gegenüber den Bürgern und Patienten ist halt wesentlich leichter zu bewerkstelligen.

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