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Fructoseintoleranz: Wie Traubenzucker helfen und Sorbit schaden kann

Bonn - 13.09.2019, 17:45 Uhr

Fruchtzucker ist natürlicherweise in Kern- und Steinobst sowie Honig enthalten. Aber auch Sorbit kommt in vielen Obstsorten vor (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume), sowie in Fertigprodukten und Süßigkeiten. (Foto: Nitr / stock.adobe.com)

Fruchtzucker ist natürlicherweise in Kern- und Steinobst sowie Honig enthalten. Aber auch Sorbit kommt in vielen Obstsorten vor (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume), sowie in Fertigprodukten und Süßigkeiten. (Foto: Nitr / stock.adobe.com)


Symptome und Folgen: von Bauschmerzen bis Zink-Mangel

Die entstehenden Gase, kurzkettigen Fettsäuren und andere Abbauprodukte führen zu krampfartigen Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Flatulenz und Diarrhö. Neben den genannten Symptomen kann Fructoseintoleranz zu einer ganzen Reihe an Folgeerscheinungen führen. Durch die veränderte Darmflora kann es beispielsweise zu einem Mangel an Folsäure, Zink oder der Aminosäure Tryptophan kommen.

20-30 Prozent der deutschen Bevölkerung sind von einer Fructosemalabsorption betroffen, es sind jedoch keine Zusammenhänge mit dem Alter oder der ethnischen Zugehörigkeit zu erkennen. Offensichtlich ist jedoch die Häufung gleichzeitig auftretender Sorbitunverträglichkeiten.

Exkurs: Sorbitintoleranz

Die Symptome der Fruchtzuckerintoleranz sind auch für eine Sorbitunverträglichkeit charakteristisch. Sorbit ist ein Zuckeraustauschstoff, der auch als Feuchthaltefaktor und Trägerstoff in der Lebensmitteltechnologie verwendet wird. 

Da Sorbit dieselben Transportsysteme nutzt wie die Fructose, kann die gleichzeitige Aufnahme eine Fructoseintoleranz verschlechtern. Bei der isolierten Sorbitintoleranz wird Fructose problemlos vertragen, nur der Zuckeraustauschstoff macht Probleme nach der Aufnahme, da er im Dünndarm nicht vollständig resorbiert wird.

Sorbit kommt in vielen Obstsorten (Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume) sowie in Fertigprodukten und Süßigkeiten vor.

Früh zum Arzt und individuelle Toleranzschwelle herausfinden 

Wichtig ist, dass die Patienten nach der ärztlich gesicherten Diagnose (Wasserstoffatemtest, Fructosebelastungstest) ihre individuelle Toleranzschwelle herausfinden. Hierzu wird nach einigen Tagen strikter Fructose- und Sorbitkarenz langsam und tageweise die Fructoseaufnahme gesteigert bis die typischen Beschwerden eintreten.

Zu fructosehaltigen Speisen besteht die Möglichkeit ein Produkt mit Xyloseisomerase einzunehmen. In der Lauer-Taxe werden beispielsweise die Präparate Fructosin®, Fructaid® und Xylosolv® gelistet. Das enthaltene Enzym sorgt für die Umwandlung von Fructose in Glucose. Verschiebt sich im Dünndarm das Gleichgewicht zwischen den beiden Monosacchariden durch die transporter­gesteuerte Gluco­seaufnahme, kann das Enzym die Fructose immer weiter umwandeln.

Betroffene, die regelmäßig unter oben genannten Symptomen leiden und immer wieder über Bauchschmerzen oder Durchfall klagen, wenn sie zuckerreiche Kost gegessen haben, sollten nicht zu lange damit warten, einen Arzt zu konsultieren. Eine für lange Zeit unentdeckte Fructoseintoleranz kann zu weitreichenden Folgen und schweren Darmerkrankungen führen.



Lars Peter Frohn, Apotheker, Autor DAZ.online
radaktion@daz.online


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