Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

08.09.2019, 07:29 Uhr

Es ist und bleibt die beste Lösung: das Rx-Versandverbot! (Foto: Andi Dalferth)

Es ist und bleibt die beste Lösung: das Rx-Versandverbot! (Foto: Andi Dalferth)


3. September 2019

Nun, mein liebes Tagebuch, unsere Standesführung konnte sich bei Jens Spahn nicht mit dem Rx-Versandverbot durchsetzen, da war nichts zu machen, Spahn wollte einfach nicht. Wir bekommen stattdessen eine wacklige Gleichpreisigkeit übers Sozialgesetzbuch nur für GKV-Versicherte, der PKV-Markt bleibt außen vor – mit allen Unwägbarkeiten, die eine solche Regelung mit sich bringt. So sieht’s aus. Und dennoch ist das für den Chef des Bayerischen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann, „eine klare Verbesserung“, wie er uns wissen lässt,  denn derzeit „haben wir de facto keine Rx-Preisbindung für EU-Versender, es herrscht ein Preiswettkampf, die Versender aus den Niederlanden können machen, was sie wollen – sowohl im GKV- als auch im PKV-Bereich“. Und er ist davon überzeugt, dass Minister Spahn und das BMG die Gleichpreisigkeit im Sozialrecht retten wollen, weil sonst auch andere Bereiche des GKV-Systems juristisch hinterfragt werden könnten. Und außerdem, so jubiliert Hubmann, gibt es mit der Reform eine Aut-idem-Regelung für den PKV-Bereich, die Apotheker können also immer ein günstiges Präparate auswählen und so der PKV sparen helfen – mehr als die PKV durch Rx-Boni der Versender sparen würde (nebenbei bemerkt: sparen helfen könnten dann EU-Versender allerdings auch!). Und dann, ja dann fühlt sich Hubmann auch beglückt darüber, dass uns die Reform ermöglichen wird, honorierte pharmazeutische Dienstleistungen anzubieten. Kurzum, laut Hubmann kann die Apothekenreform die Situation von uns Apothekers doch eigentlich nur verbessern, „wir haben keine besseren politischen Alternativen“. Ja, mein liebes Tagebuch, so kann man die desaströse Gemengelage sehen, muss man aber nicht. Und schimmert da nicht die ewige ABDA-Formel durch, die uns und unseren Apothekerberuf gefühlt schon Generationen begleitet: Seien wir doch froh, es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Mein liebes Tagebuch, klingt alles irgendwie frustig, oder? 

 

Mal abgesehen, ob man an Homöopathie glaubt oder nicht: Sollen die Kassen Homöopathie bezahlen? Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), hat dazu eine klare Meinung: Nein. Denn: „Homöopathie ist eine Glaubensfrage und für Glauben sind die Kassen nicht zuständig.“ Auch hier gilt, mein liebes Tagebuch: Das kann man so sehen, aber man muss es nicht. Vielen „Gläubigen“ helfen die Globuli und die Ausgaben der Kassen für Homöopathie sind marginal. Und wir wissen doch:  Die Homöopathie-Erstattung ist ein billiges Wettbewerbsinstrument von Kassen. Karin Maag, die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, geht mit dieser Frage übrigens pragmatischer um, volksnäher: Es sollte im Ermessen der Kassen liegen, ob sie die Globulimedizin erstatten oder nicht – die Patienten haben Wahlfreiheit und könnten die Kasse wählen, die Homöopathie erstattet. Kommt bei den Menschen sicher besser an als ein Rüddel-Verbot.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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4 Kommentare

Klempner in weißen Kitteln ... same procedure as every year ...

von Christian Timme am 09.09.2019 um 7:37 Uhr

Nicht nur in Berlin werkeln nur noch Klempner des Standes und Politiker so vor sich hin ... und der Rest kommentiert noch nicht mal seinen Untergang auf dem kommenden DAT. Beliebigkeit wird zum Klebstoff der Zukunft erhoben um das zu erhalten was schon lange bröckelt. Die deutsche Apothekerschaft hat offenkundig die Fähigkeit verloren, überzeugende Mehrheiten mit echtem Gestaltungswillen hervorzubringen. Das ist wieder die beunruhigende Botschaft, die sich seit Jahren zeigt und auch dieses Jahr in Düsseldorf fortsetzt ... der Abgrund wartet und wartet ... und die Apothekers ???

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Botendienst erleichtern ?

von gabriela aures am 08.09.2019 um 10:18 Uhr

Da wird die ABDA aber massiv Einspruch erheben und voller Elan dagegen angehen.
Haben sich nicht kürzlich die Pharmazieräte unter dem Vorsitz von Herrn Bauer schon dagegen ausgesprochen ?

Oder Botendienst nur mit 5fach Formular ....

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Guten Morgen ,meine Lieben,

von gabriela aures am 08.09.2019 um 10:02 Uhr

an mancher Stelle bin ich nicht sicher, ob ich von einer neuen grotesken Volte beim Brexit oder doch beim RX-VV lese.
Beides seit 3 Jahren bestehende Baustellen, an denen nichts vorwärts geht, bei denen die Politik aber immer wieder mit „ich hätte da jetzt auch noch eine neue Variante“ eine Lösung weiter verzögert.

Soso, jetzt erkennen die Länder WIEDER mal, daß sie das Rx-VV möchten. Kann man ja WIEDER völlig gefahrlos fordern, da -wie oben geschrieben - diese Ländermeinung kein politisches Gewicht hat.
Bequeme Situation: die Landespolitiker können ihren Schäfchen zeigen, wie sie gekämpft haben, müssen sich aber vor der Gesamtbevölkerung und den Medien nicht als Ewigestrige, Digitalisierungsfeinde und rückständige Bremser verantworten.
„Wasch‘ mich, aber mach‘ mich nicht naß“.

Und wie der Pawlow‘sche Hund springt die Apothekerschaft wieder drauf an, wittert Morgenluft ....
Das RX-VV ist totototot und wir alle täten besser daran, nicht alles stehen und liegen zu lassen, sobald mal wieder ein/Politiker/in verkündet, daß er/sie immer noch und unverbrüchlich zum Versandverbot und zur Apotheke-vor-Ort steht.
Dieses Geschwafel (sorry) vom Heilberuf - Leute, ohne Zusatzverkäufe wären wir doch auf Hartz-IV-Niveau und die Dienstleistungen reissen uns ein weiteres TIEFES Loch in die ohnehin leere Tasche. Die Analyse von Dr. Herzog in einer der letzten DAZ sollten sich auch die Hardcore-Heilsbringer als Pflichtlektüre verordnen.

Wobei ich bei einem weiteren Punkt wäre: NEU DENKEN
Aber alleine mit dieser im eigenen Saft schmorenden Truppe in Berlin ist das nicht möglich - es braucht Fachwissen, unvoreingenommenes Anerkennen des Status Quo und ebenso unvoreingenommene Lösungsansätze.

Seit fast 3 Jahren wird rumgeeiert - seit mindestens 18 Monaten wurde fahrlässigerweise nicht ernsthaft nach Alternativen gesucht, dafür hat Spahn mit dem Zauberwort „Pharmazeutische Dienstleistungen“ geradezu hypnotisiert.


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von Anita Peter am 08.09.2019 um 8:13 Uhr

"Nun, mein liebes Tagebuch, unsere Standesführung konnte sich bei Jens Spahn nicht mit dem Rx-Versandverbot durchsetzen, da war nichts zu machen, Spahn wollte einfach nicht."

Woher hat unser Tagebuch diese exklusive Information? Spahn hat gesagt, er setzt das RXVV um, hat dann aber keine Kraft für andere Dinge wie Honorarerhöhung etc.

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