Interview mit KBV-Vorstand Kriedel zum E-Rezept

„Ärzte sollten nicht zwischen einzelnen Produkten wählen müssen“

Berlin - 04.09.2019, 09:00 Uhr

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV,  erklärt im Interview unter anderem, warum die Mediziner ein einheitliches E-Verordnungsmodell bevorzugen.(Foto: KBV)

Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV,  erklärt im Interview unter anderem, warum die Mediziner ein einheitliches E-Verordnungsmodell bevorzugen.(Foto: KBV)


Sollten Versender mit am Tisch sitzen?

DAZ.online: Der Deutsche Apothekerverband favorisiert beim E-Rezept-Verordnungsweg eine einheitliche Variante. Demnach soll es keinen Wettbewerb im Verordnungsweg geben. Wie sieht die KBV das?

Kriedel: Ein einfacher Ablauf beim Einsatz des E-Rezepts ist entscheidend, für Ärzte und Apotheken genauso wie für Patienten. Es sollte nicht so sein, dass ein Arzt abhängig vom einzelnen Patienten immer wieder ein anderes Produkt für das Ausstellen einer digitalen Verordnung anwenden muss.

Zur Person

Dr. Thomas Kriedel studierte Wirtschaftswissenschaften in Konstanz und promovierte anschließend. Schon zwei Jahre nach seinem Studium begann er seinen ersten Job bei der KBV, damals als Referent in der Honorarabteilung der KBV. Zwischen 1985 und 1987 war Kriedel Vorstandsassistent der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), einer der mitgliedsstärksten KVen, bevor er 1987 stellvertretender Hauptgeschäftsführer der KVWL wurde. Zwischen 2002 und 2004 war er dann Hauptgeschäftsführer der KVWL. Nach 2005 war Kriedel Vorstandsmitglied der KVWL und dort zuständig für die Geschäftsbereiche Personal, Finanzen, Controlling und Informationstechnologie. 2017 wechselte Kriedel dann wieder zur KBV nach Berlin und wurde dort Vorstandsmitglied. Die KBV hat insgesamt drei Vorstandsmitglieder: Neben KBV-Chef Dr.Andreas Gassen und Kriedel ist Dr. Stephan Hofmeister stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Kriedel: Das BMG trägt die Verantwortung

DAZ.online: Für die Versandapotheken ist das E-Rezept eine große Hoffnung. DocMorris kooperiert beim eigenen E-Rezept-Modell mit dem Spitzenverband der Fachärzte. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Sollte das E-Rezept (auch mit Blick auf den Letter of Intent zwischen der KBV und der ABDA) vornehmlich zwischen Apothekern und Ärzten entwickelt werden? Oder haben die Versender aus Ihrer Sicht einen berechtigten Anspruch, da mitzumischen?

Kriedel: Der aktuelle rechtliche Rahmen sieht vor, dass das E-Rezept für die Apotheke vor Ort genauso nutzbar ist wie für die Versandapotheke. Und daran werden wir uns halten. Dass bei der Erarbeitung neuer digitaler Lösungen die Akteure, die es letztlich umsetzen müssen, einbezogen werden, hilft der Qualität der Ergebnisse. Die Entscheidungen werden aber letztlich ohnehin durch die Gematik getroffen werden und hier hat inzwischen das BMG die Mehrheit und damit auch die Verantwortung.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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