Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

25.08.2019, 08:00 Uhr

Das E-Rezept ante portas! Da ist noch eine Menge ungeklärt... (Foto: Andi Dalferth)

Das E-Rezept ante portas! Da ist noch eine Menge ungeklärt... (Foto: Andi Dalferth)


22. August 2019 

Vom Ponyhof ins Haifischbecken – mein liebes Tagebuch, wenn wir glauben, dass wir uns derzeit in einem harten Wettbewerb mit den Versandapotheken befinden, dann wird uns das wie Urlaub auf dem Ponyhof vorkommen im Gegensatz zu dem, was uns in naher Zukunft erwartet, wenn’s E-Rezept da ist: Dann dürfen wir uns in einem „Haifischbecken“ mit den lieben Versendern  vergnügen, Motto: survival of the fittest. Wenn man beispielsweise die Aktivitäten von ausländischen Versendern verfolgt, wie sie sich großmaulig auf das E-Rezept vorbereiten, oder die Aussagen von Christian Buse, Chef des deutschen Versandapothekerverbands, der schon einen wachsenden Wettbewerb um die besten Einlöse-Apps fürs E-Rezept sieht, dann lässt sich ahnen, welche Wettkämpfe da auf uns zukommen, um an die Rezepte der Kunden zu kommen. Ob es allerdings wirklich soweit kommt, dass das E-Rezept auf individuellen Wegen zu den Apotheken kommt, ist mehr als fraglich. Die ABDA jedenfalls plädiert für eine gemeinsame Plattform des Deutschen Apothekerverbands, Wettbewerb an dieser Stelle sollte es nicht geben.  Wir werden sehen. Ob wir uns angesichts solcher Szenarien so richtig aufs E-Rezept freuen oder lieber die papiernen Zeiten zurücksehnen?

 

Wenn E-Rezept, dann bitte alle Sparten elektronisch, auch das Grüne Rezept als E-Rezept, fordert der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Womit er recht hat. Denn was nützt es, wenn nur das Kassenrezept elektronisch läuft, Privatrezepte und das Grüne Rezept nicht den elektronischen Weg gehen. Das Grüne Rezept, das bekanntlich eher eine Merkhilfe für die Arzneimittel ist, die der Arzt nicht verordnen kann und vom Patienten aus eigener Tasche zu zahlen sind, trägt nicht zuletzt dazu bei, den apothekenpflichtigen Status der  Selbstmedikationsarzneimittel zu unterstreichen und mit der Kompetenz des Apothekers zu verbinden. Der BAH unterstützt in seiner Stellungnahme zum Apotheken-Stärkungsgesetz z. B. auch die Forderungen der Apotheker nach Gleichpreisigkeit für die Rx-Arzneimittel, das Makelverbot für E-Rezepte, die geplante Möglichkeit für Wiederholungsrezepte, die in Aussicht gestellten pharmazeutischen Dienstleistungen und die Modellprojekte für Grippeimpfungen in Apotheken. Mein liebes Tagebuch, gut, einen starken Herstellerverband an der Seite zu wissen, wenn schon die ABDA schwächelt…

 

Die Krankenkassen wollen’s, bald und definitiv für alle: das E-Rezept. Der GKV-Spitzenverband fordert sogar eine E-Rezeptpflicht für Ärzte und Patienten, will heißen, er will einen harten Cut. Denn ein dauerhaftes Nebeneinander von Papier- und E-Rezept hätte nach Meinung des Spitzenverbands der Kassen „erhebliche Auswirkungen auf die Durchführbarkeit, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit des E-Rezepts“. E-Rezepte sollten daher für Versicherte und Ärzte verpflichtend sein. Mein liebes Tagebuch, das sind natürlich verständliche Wunschvorstellungen der Kassen. Aber die Wirklichkeit wird wohl etwas anders aussehen. Das ahnt der Kassenverband und schlägt Übergangsregelungen und Fristen vor, in denen beide Verordnungswege möglich sind. Aber diese Fristen, mein liebes Tagebuch, könnten möglicherweise ein paar Jährchen länger dauern, nicht wahr? Also schaun wir mal, wann denn das E-Rezept in welcher Form auch immer tatsächlich zum Laufen kommt und wie lange es auch noch die rosafarbenen Papierchen gibt.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

Wahnsinn

von Karl Friedrich Müller am 25.08.2019 um 18:04 Uhr

Warum kann man nicht antworten? Mist, nun muss ich noch mal schreiben

Man hat doch alles geahnt, nun haben wir es schwarz auf weiß.
Die Standesvertretung verrät uns und braucht nicht mal ein schlechtes Gewissen zu haben, „vertritt“ sie doch nur die 34. ein Klatschverein zum Abnicken ohne eigene Meinung. Die sollten allerdings uns vertreten.
Altmaier vertritt Kohl. Dafür sollte er zurücktreten. Spahn in seiner Selbstherrlichkeit ignoriert die Kompetenz des BMWi und sorgt für noch mehr Probleme. Alle halten zumindest Teile der Kollegen für Betrüger. Sehr bedrückend. Und keine gute Voraussetzung für Verhandlungen.
Alle müssten ihre Posten räumen - keiner sieht eine Veranlassung dazu.
Wir sind die Deppen, zumindest so lange, wie wir es nicht schaffen, wenigstens die ABDA Spitze abzulösen.
Wir müssen mit dem Müll zurecht kommen. Und mit der Gier der Versender und KK nach einem „Systemwechsel“, den der Patient teuer bezahlen wird.
Ich bin deprimiert und mag mich nicht aufregen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Noch mehr Wahnsinn

von Bernd Jas am 25.08.2019 um 23:31 Uhr

Keine "Angst" Herr Müller,

alles hier und im weiteren Gesundheitssystem sind von uns aus gesehen nur die ersten Vorzeichen, dass es bald ein Ende haben wird mit der Gelddruck- und Niedrigzinspolitik.
Dann wird Ihnen auferlegt, dass Sie im Krisenfall alle Medikamente die Ihnen eben noch noch als Eigentum anzurechnen waren, an die Bevölkerung abzugeben haben, und zwar unentgeltlich.
Ihre Konten werden auch auf der Grundlage des SAG (siehe Gesetze im Internet; ein Gesetz was unter aller Klammheimlichkeit verabschiedet wurde und NICHT der Öffentlichkeit kundgetan werden sollte) "geplündert". Und dann lieber Kollege dürfen Sie Sich richtig ärgern.

Bis jetzt haben wir uns nur besonders gut vera....en lassen, was uns für unsere künftige Rolle im Krisenmanagement bestens prädestiniert.

Skandal

von Reinhard Rodiger am 25.08.2019 um 15:53 Uhr

Das Verkauft -und-Veratenwerden durch die Standesvertretung ist so peinlich, dass es hier gar nicht erwähnt wird.
Dazu passt die Stellungnahme der ABDA zum Gesetz.
Dort wurde auf die Forderung nach der Erhöhung der Basishonorierung zugunsten der Zusatzleistungen verzichtet.
Diese wiederum wurden stillschweigend halbiert.Auch darüber
hier nichts. Doch am gefährlichsten ist die Formulierung im Gesetz, wonach Automaten mit geringen Voraussetzungen
verstellbar sind.Besonders gefährlich in Kombination mit dem e-Rezept.Dann ist die Supply-line zum Versand geschlossen.
Dies ist die eigentliche Sprengbombe. Auch nicht erwähnt.
Das gilt auch für die naheliegende Makelfunktion bei e-Rezepten. In allen Programmen ist die Zuweisung zu einer Apotheke vorgesehen.Man kennt das Prinzip von den Diabetespraxen. Ein kleines Kreuz der Einverständniserklärung, jetzt noch einfacher.Richtig virulent wird das in Verbindung mit Wiederholungsrezepten.
Nur nicht berichtet oder nicht bemerkt?
Wo wurde die Postion des BGH und mancher Kammer angegangen,dass der Versand erst die Struktur zerstört haben muss,bevor etwas unternommen wird? Warum wird die Aufgabe des Staates, das zu verhindern nicht aufgenommen und thematisiert? Zufall? Wohl eher nicht.

Alle Aufmerksamkeit wird dem Erkaufen der Option von noch nicht einmal definierten Zusatztätigkeiten geschenkt zu Lasten der Basisfinanzierung.

Ist die und das Nichtansprechen vieler vitaler Punkte ein Skandal oder eben nicht berücksichtigenswert , weil schon aufgegeben im Tausch ?

In jedem Fall ist Übersehen oder Ignorieren gefährlich und existenzbedrohend.


» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Skandal

von Redaktion DAZ.online am 26.08.2019 um 9:16 Uhr

Lieber Herr Rodiger,

das Nicht-Erwähnen hat allein organisatorische Gründe. Der liebe Herr Ditzel erstellt das Tagebuch in seiner Freizeit, als diese Dinge ans Licht kamen, war es schlicht schon fertig und keiner verlangt von ihm Samstagabend noch auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Oder wie man im Printjargon sagen würde: Das wurde nach Redaktionsschluss bekannt
Viele Grüße
Ihre Redaktion

Ich sag mal so

von Karl Friedrich Müller am 25.08.2019 um 12:44 Uhr

Die Ärzte haben zwar die TI, zumindest die meisten, aber eine grausame Software. So lange die Praxen nicht endlich den Datenstand aktualisieren, den alten Kram rausschmeißen und endlich ihre Mitarbeiter schulen, ist das System für das E Rezept nicht bereit und auch nicht allgemein anwendbar.

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Das letzte ... umfängliche Altmaierei ... aus dem AKK-Revier ...

von Christian Timme am 25.08.2019 um 8:53 Uhr

Killed by friendly fire ... zur Wahl bitte nachladen ... und bitte weiter so ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Haifische und Verkehrsregeln

von Ulrich Ströh am 25.08.2019 um 8:53 Uhr

Unstrittig wird der Wettbewerb um die besten Einlöse-Apps zunehmen und in dem zitierten Haifischbecken zählen keine Verkehrsregeln!

Es wird sich nur um Reichweite und Bekanntheit drehen.

Wo wird der betuliche DAV mit seiner gemeinsamen App da wahrgenommen werden?
Von den anderen aktuellen Nischenanbietern mal abgesehen.

Der Patient entscheidet!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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