DAZ.online-Geschichtentaxi

„Die Kollegen sollten die Vorteile am E-Rezept sehen!“

Hamburg - 23.08.2019, 07:00 Uhr

Apothekerin Heike Gnekow ist die erste Apothekerin, die GKV-E-Rezepte anwendet. Im DAZ.online-Geschichtentaxi berichtet sie über ihre Erfahrungen. (m / Foto: DAZ.online)

Apothekerin Heike Gnekow ist die erste Apothekerin, die GKV-E-Rezepte anwendet. Im DAZ.online-Geschichtentaxi berichtet sie über ihre Erfahrungen. (m / Foto: DAZ.online)


Einige wenige Apotheker in Deutschland hatten bereits Kontakt mit E-Rezepten. GKV-E-Rezepte werden derzeit allerdings nur im Projekt der Techniker Krankenkasse in Hamburg ausgestellt. Diese Verordnungen landen bislang ausschließlich in der Wandsbeker Adler Apotheke. Im DAZ.online-Geschichtentaxi spricht die Inhaberin Heike Gnekow über ihre ersten Erfahrungen mit dem E-Rezept. Sie erklärt auch, warum sie eine indirekte Beteiligung des Zur Rose-Konzerns hinnimmt und warum sich die Apotheker auf das E-Rezept freuen können.

Seit Februar können TK-Versicherte – und seit neuestem auch HEK-Versicherte – aus dem Hamburger Bezirk Wandsbek an einem E-Rezept-Projekt teilnehmen. Dabei benutzen sie eine Handy-App, erhalten vom Arzt einen Code und legen diesen Code der Apotheke vor, die ihn abscannt, das E-Rezept dann einsehen kann und das Arzneimittel abgibt. Mit von der Partie ist bislang eine Arztpraxis und eine Apotheke – die Privilegierte Adler Apotheke von Heike Gnekow. Organisiert und gelenkt wird das Projekt von der TK, die ihren Sitz in der Hansestadt hat. Mit dabei sind aber auch zwei IT-Firmen, die zum Zur Rose-Konzern gehören: König IDV und Ehealth-tec.

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Gnekow ist eine umtriebige Apothekerin. Seit 2015 beteiligt sie sich an der Flüchtlingsversorgung in der Hansestadt. Sie war auch schon berufspolitisch tätig: als Vorsitzende des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit der Apothekerkammer Hamburg. Vor einiger Zeit präsentierte sich die Apothekerin in einem Internet-Streitgespräch mit DocMorris-Vorstand Max Müller wortgewandt. Sie beschrieb dort die Vorteile der Apotheke vor Ort gegenüber dem Versandhandel. Auch die Adler-Apotheke ist besonders: Die Apotheke hat regelmäßig bis 24 Uhr geöffnet, verfügt über einen Herstellbetrieb und beliefert mehrere Heime. Außerdem bietet die Apotheke ihren Kunden eine eigens entwickelte Arzneimittelverblisterung an („Pill Pack“). Zudem organisiert das Unternehmen Arzneimittelberatungen bei betrieblichen Gesundheitstagen.

Gnekow: Es ist Zeit für's E-Rezept

Im DAZ.online-Geschichtentaxi spricht die Hamburger Apothekerin über ihre ersten Erfahrungen mit dem E-Rezept und berichtet, wie die TK überhaupt auf sie als Teilnehmerin kam. Sehr genau schildert Gnekow, wie der Weg des E-Rezeptes von der Arztpraxis über den Patienten und seine Handy-App hin zur Apotheke funktioniert. Sie erklärt auch, warum selbst die Beteiligung der Zur Rose-Töchter sie nicht an der Teilnahme hinderte: Es sei ihr wichtig gewesen, das Projekt für die Apothekerschaft voranzutreiben. Und: Gnekow ermutigt ihre Kolleginnen und Kollegen, die Befürchtungen hinsichtlich des E-Rezeptes fallen zu lassen. Schließlich könnten sich viele Prozesse in der Apotheke vereinfachen.

               


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

TK Modell E Rezept

von Wolf Wagner am 27.08.2019 um 21:33 Uhr

Herr Gottt. Ist es jetzt Naivität oder Sch Dummhei, dass in der ganzen Schilderung von Frau Gnekow, als Vorteil lediglich die papierlose Übertragung genannt wird und dass es modern sei.Auch die Bezahlung mit rosa Zettel ist antiquiert. Diese drei Argumente sind geschenkt. Dafür bedarf es keiner App, und nicht König IDV oder sonst irgendwas. Schon heute werden alle Muster 16 Formulare in meiner Apotheke nach der Übergabe durch den Patienten gescant und weiterverarbeitet. Ab diesem Zeitpunkt liegt das Rezept in elektronischer Form vor. Es bräuchte lediglich der vertraglichen Regelung durch die Verbände und KK, das elektronische Format zu akzeptieren und uns den Papiertransport zu ersparen. Für uns bringt das keine Zeitersparnis. Wenn ich daran denke, wie anfällig die Technik für Störungen ist, wie langsam die Datenübertragung ist, sehe ich große Probleme auf uns zukommen bei der Digitalisierung der ersten Meter, nämlich vom Arzt zum Patienten. Ich bin gespannt. Eins steht fest: Wer im Besitz der Daten ist hat die Macht und es ist überhaupt nicht banal wem der Server gehört auf dem die Verordnungen liegen. Ein wichtiges Geschäftsmodell bei Amazon sind die Serverlösungen. Wenn es nur um eine technische Lösung ginge für papierlosen Datenaustausch, hätten wir das schon längst und einfach haben können. Aber es geht um Mehr. Es geht darum, diese Vereinfachung dafür zu nutzen, Kundenströme zu großen Konzernen zu lenken. Das ist alles.

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papier

von Karl Friedrich Müller am 23.08.2019 um 10:40 Uhr

Warum dann nicht gleich ein Rezept ausdrucken?
Die "Digitalisierung" als QR Code? das ist alles? Den ich auch wieder auslesen muss?

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Eine trügerische Freiheit der Apothekenwahl

von Lorenz Weiler am 23.08.2019 um 10:31 Uhr

Leider wird im Interview nicht wirklich deutlich, dass es sich hierbei um eine "serverfreie" Lösung handelt. Sämtliche abrechnungsrelevanten Daten werden ausschließlich vom Arzt auf das Kundenhandy übertragen und nicht auf einen zentralen Server. Siehe hier:
http://www.mynewsdesk.com/de/pressreleases/elektronisches-rezept-techniker-krankenkasse-und-lifetime-starten-pilotprojekt-2829400
Die Apothekerin schildert dies als Vorteil für die VorOrt-Apotheke, weil so keine (Versand-)Apotheke Zugriff hätte, bevor der Patient das Rezept nicht dezidiert an diese weiterleitet. Dies halte ich für einen gefährlichen Trugschluss!!
Eben weil ALLE für die Abrechnung notwendigen Daten auf diesem Weg direkt in eine Drittanbieter-App fließen, besteht die Gefahr, dass jeder Versender dem Kunden eine proprietäre App für sein Handy anbieten kann, die ermöglicht die Rezepte direkt vom Arzt zu empfangen. Für die Installation und Nutzung dieser App kann dieser üppige Boni ausloben. Damit wird der Patient verleitet sich einmalig auf einen bestimmten Anbieter einzuschießen und dann die Bequemlichkeit walten zu lassen. Innerhalb der proprietären Versender App könnte alles so gestaltet werden, dass es am Ende überhaupt keiner Aktion des Patienten braucht, nachdem er beim Arzt war, sondern einfach am nächsten Tag der Postbote klingelt.

Dies mag der Grund sein, warum der DAV vehement ein "App-Monopol" einfordert. Er vergisst jedoch, dass die Notwendigkeit JEDWEDER App, die Büchse der Pandora zu öffnen vermag und Versendern über die EU-Gerichte den Weg zu o.g. Situation ebnet.

Daher ist konsequenterweise das E-Rezept so zu gestalten, dass der Rezeptschlüssel OHNE weitere schützenswerte Daten vom Patienten auf konventionellem Weg (Email, Messenger, Foto) erhalten werden kann.

Dies ist im Zusammenspiel mit der Gematik-Infrastruktur (welche ja beim TK-E-Rezept offenbar überhaupt keine Rolle zu spielen scheint und damit als überflüssig eingestuft wird!) und einem Rezeptausdruck /PDF wie in diesem früheren Beitrag vorgeschlagen kostengünstig, patientenfreundlich und anbieterneutral möglich:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/08/20/das-einzig-sinnvolle-e-rezept-ist-aus-papier

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