Miracle Mineral Supplement

FDA warnt erneut vor MMS

Stuttgart - 15.08.2019, 15:00 Uhr

Trotz jahrelanger Warnungen durch Arzneimittelbehörden vor der Gefahr der ätzenden Chemikalie MMS mehren sich wieder die Zwischenfälle mit teils lebensbedrohlichen Folgen. Die FDA betont erneut, dass MMS in keiner Indikation zugelassen ist. (m / Foto: Screenshot FDA)

Trotz jahrelanger Warnungen durch Arzneimittelbehörden vor der Gefahr der ätzenden Chemikalie MMS mehren sich wieder die Zwischenfälle mit teils lebensbedrohlichen Folgen. Die FDA betont erneut, dass MMS in keiner Indikation zugelassen ist. (m / Foto: Screenshot FDA)


Schwere, teilweise lebensbedrohliche Folgen, wie akutes Leberversagen, zwingen die FDA erneut dazu, vor MMS zu warnen. „Miracle Mineral Supplement“, auch bekannt als „Master Mineral Solution“, ist ein starkes Bleichmittel. Obwohl es in keiner Indikation zugelassen ist, wird es in den sozialen Medien aggressiv zur Behandlung schwerer Erkrankungen wie Krebs beworben. Wissenschaftliche Nachweise zu Wirksamkeit und Sicherheit gibt es nicht.

Verbraucher sollen von „Master Mineral Solution“ die Finger lassen: „Wenn Sie Miracle Mineral Supplement oder Master Mineral Solution oder andere Natriumchlorit-Produkte trinken – hören Sie sofort auf!“. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt die Bürger aktuell – zum wiederholten Male – davor, Produkte, die unter MMS, Miracle Mineral Supplement oder Master Mineral Solution vermarktet werden, zu kaufen oder diese zu trinken. Anlass für die wiederholte Warnung geben laut Mitteilung der FDA Meldungen zu MMS-bedingten Gesundheitsproblemen, die die Behörde vermehrt erreichen.

Die Arzneimittelbehörde betont: „MMS ist in keiner Indikation von der FDA zugelassen“. Auch seien der Behörde wissenschaftliche Nachweise weder zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit von MMS-Produkten bekannt. Dennoch würden MMS-Präparate auf Social Media nach wie vor als Mittel zur Behandlung von Autismus, Krebs oder zur Behandlung von HIV/Aids, Hepatitis, Grippe und anderen Erkrankungen beworben.

„MMS einnehmen ist wie Bleichmittel trinken“

Die FDA erklärt weiter, dass ein Zulassungsprozess der FDA sicherstellt, dass Patienten sichere und wirksame Arzneimittel erhalten. Dies sei bei MMS nicht der Fall – „Miracle Mineral Supplement einzunehmen, ist das gleiche, wie Bleichmittel zu trinken“, verdeutlicht die FDA.

Zum Hintergrund: MMS wird als 28-prozentige Natriumchloritlösung (NaClO2) verkauft. Vor Einnahme sollen laut Herstellerangaben die Patienten diese Lösung mit Zitronensäure (Zitronen- oder Limettensaft) mischen. Die Hersteller bewerben diese als „Aktivator“, häufig wird die Säure auch direkt mitverkauft. Natriumchlorit reagiert unter Säurezusatz zu Chlordioxid (ClO2) – das hauptsächlich Anwendung als Bleichmittel von Textilien und Papier findet oder zur Desinfektion von Wasser in Wasseraufbereitungsanlagen genutzt wird. Chlordioxid ist instabil, weswegen Natriumchlorit und die Säure separat verkauft werden.

Meldungen mehren sich: MMS ist lebensbedrohlich

Jüngst häuften sich nach Angaben der FDA wieder Berichte über schwerwiegende und teils lebensbedrohliche Ereignisse bei MMS-Anwendern: starkes Erbrechen, schwerer Durchfall, lebensbedrohlich niedriger Blutdruck durch Dehydrierung und akutes Leberversagen. Die FDA sieht sich nun gezwungen, erneut vor MMS zu warnen, ihre „oberste Priorität“ sei es, die Bevölkerung vor Produkten zu schützen, die deren Gesundheit gefährden. Die FDA will klar kommunizieren, dass diese Produkte ernsthafte Schäden verursachen können.

BfArM und FDA warnen seit Jahren vor gefährlicher Scharlatanerie

Bereits seit 2010 warnt die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA vor den Gefahren von Miracle Mineral Supplement oder Master Mineral Solution, MMS, Chlordioxid-Protocol (CD), Water Purification Solution und ähnlichen Produkten. Auch in Deutschland ist MMS nicht unbekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stufte bereits 2015 zwei MMS-Produkte als zulassungspflichtige Arzneimittel ein. Darüber hinaus sah das BfArM die Produkte als bedenklich nach § 5 Arzneimittelgesetz an, weil die Behörde den begründeten Verdacht hatte, dass MMS bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen hat, die über ein vertretbares Maß hinausgehen. Zuvor hatte das BfArM schon im Mai 2014 vor Natriumchlorit-Produkten gewarnt.

Auch Apothekern war nach DAZ-Recherchen im Jahr 2016, trotz BfArM-Warnung, teilweise das toxische Potenzial von MMS und der missbräuchliche Einsatz der ätzenden Chemikalie nicht bewusst.

2017 standen sodann zwei Brüder vor dem Landgericht Hildesheim, die wegen MMS-Verkaufs angeklagt worden waren. Einer der beiden wurde freigesprochen, während sein Bruder wegen Arzneimitteldelikten und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von mehr als drei Jahren verurteilt wurde.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Jede Medizin ist Gift!!!

von Alexander Stephan am 19.08.2019 um 13:58 Uhr

Ich wende die Chlordioxidlösung 0,3 % in eigener Verantwortung selbst an und bin froh das es diese Entdeckung gibt. Wer es missbräuchlich oder falsch herstellt und Anwendet kann selbstverständlich gesundheitliche Probleme bekommen. Was aber bei jedem Medikament so ist, wer würde schon Antibiotika über dosiert jeden Tag einnehmen? Jede Medizin ist Gift!!!

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Jede Medizin ist Gift!!!

von Alexander Stephan am 19.08.2019 um 13:58 Uhr

Ich wende die Chlordioxidlösung 0,3 % in eigener Verantwortung selbst an und bin froh das es diese Entdeckung gibt. Wer es missbräuchlich oder falsch herstellt und Anwendet kann selbstverständlich gesundheitliche Probleme bekommen. Was aber bei jedem Medikament so ist, wer würde schon Antibiotika über dosiert jeden Tag einnehmen? Jede Medizin ist Gift!!!

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