WHO

Masernzahlen alarmierend

Stuttgart - 13.08.2019, 17:15 Uhr

Masern breiten sich weltweit aus. In Afrika ist die Masernlage besonders alarmierend. Die WHO fordert mehr Impfungen und erinnert Reisende ihren Impfstatus zu prüfen. (s / Foto: Prostock-studio / stock.adobe.com)

Masern breiten sich weltweit aus. In Afrika ist die Masernlage besonders alarmierend. Die WHO fordert mehr Impfungen und erinnert Reisende ihren Impfstatus zu prüfen. (s / Foto: Prostock-studio / stock.adobe.com)


Vor allem in Afrika breiten sich Masern aus, aber auch Europa nehmen Masernerkrankungen zu. 2018 wurden laut der Weltgesundheitsorganisation weltweit 350.000 Masernerkrankungen gemeldet, mehr als doppelt so viele wie noch 2017. Dabei hält die WHO diese Zahlen noch für deutlich unterschätzt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet alarmierende Zahlen zu Masern. So sind allein für Europa für 2019 (Zeitraum Januar bis Mai) 80.345 Masernfälle dokumentiert – fast so viele wie für das gesamte Jahr 2018 (84.411 Fälle) und dramatisch mehr als 2017 mit 25.863 Erkrankungen. Das zeigt der aktuelle Masern-Lagebericht der WHO für die europäischen Länder. Die Top-Liste der europäischen Masernländer führt derzeit die Ukraine gefolgt von Kasachstan und Georgien an. Frankreich und Italien liegen bereits auf Platz sieben und acht.

2017 bis 2018: Masernfälle verdoppelt

Ein steigender Maserntrend zeigt sich auch global: Im ersten Halbjahr 2019 gab es weltweit die höchste Zahl an gemeldeten Masernfällen seit 2006. Bis Ende Juli wurden in 182 Ländern fast 365.000 Masernfälle registriert (vorläufige Zahlen). Das sind nach Angaben der WHO fast drei Mal so viele Masernfälle wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres und mehr als im Gesamtjahr 2018 (350.000).

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Schon 2018 lagen die Masernzahlen deutlich über denen des Vorjahres, die WHO spricht von einer Verdoppelung innerhalb eines Kalenderjahres. Und dabei hält die Weltgesundheitsorganisation die wahren Masernwerte für weitaus dramatischer, denn nicht jeder Masernfall wird schließlich gemeldet. Für 2017 schätzt die WHO, dass 6,7 Millionen Menschen an Masern erkrankten und 110.000 an den Folgen der Viruserkrankung verstarben. Dieser Trend macht sich nach Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur erst seit 2016 bemerkbar, zuvor seien die weltweiten Maserzahlen rückläufig gewesen.

Die WHO warnt: „Millionen Menschen sind weltweit in Gefahr“ und empfiehlt Reisenden, ihren Impfstatus zu prüfen. Ab einem Alter von sechs Monaten sollte jeder spätestens 15 Tage vor einer Reise in betroffene Regionen geimpft werden.

WHO fordert mehr Masernimpfungen

Vor allem in Afrika breiteten sich Masern stark aus, so die WHO. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 900 Prozent gestiegen, in der Westpazifikregion um 230 Prozent. In der Europa-Region (EU, Russland, Türkei, Israel und die in Asien liegenden Länder Usbekistan und Aserbaidschan) stieg sie um 120 Prozent.

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Die WHO fordert mehr Impfungen. Jüngst hatte in Deutschland das Bundeskabinett eine Masernimpfpflicht beschlossen: Ab 2020 sollen Kita-Kinder, Schüler und auch bestimmte Erwachsene nachweisen müssen, dass sie geimpft sind. Ansonsten drohen Bußgelder, ungeimpfte Kinder dürfen in Kitas nicht mehr aufgenommen werden. Jüngst sorgte dann die Schlagzeile, der Maserimpfstoff sei knapp, für Unruhe. Nach DAZ.online-Recherchen jedoch ist bis voraussichtlich Oktober 2019 lediglich Priorix Tetra® von GSK (gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken) nicht lieferfähig. Doch mit dem Vierfachimpfstoff Proquad® (MSD), der wie Priorix Tetra® vor Masern, Mumps, Röteln und Varizellen schützt, oder den MMR-Dreifachimpfstoffen Priorix® (GSK) und M-M-RVAXPRO® (MSD) gibt es Alternativen.

Masernlage in Deutschland

In Deutschland war der Trend im vergangenen Jahr rückläufig: Nach 929 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts 2018 dann 543 Fälle gemeldet. Anfang Mai sprach Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, bereits von 300 Masernfällen, die das RKI bis dahin registriert hatte.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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