Farbwechsel zeigen Veränderungen an

Sensor-Tattoos als schlaue Diagnostika

Remagen - 09.08.2019, 15:15 Uhr

Tattoos auf der Haut könnten in Zukunft auch als Diagnostikum genutzt werden. (Foto: imago images / imagebroker)

Tattoos auf der Haut könnten in Zukunft auch als Diagnostikum genutzt werden. (Foto: imago images / imagebroker)


Erhöhten Blutzucker anzeigen

Den zweiten Sensor, einen Glukosesensor, „bastelten“ die Forscher aus den Enzymen Glukoseoxidase (GOD) und Peroxidase (POD) sowie dem Chromogen 3,3’,5,5’-Tetramethylbenzidin zusammen. Das Glukose-Sensing nutzt die so genannte GOD/POD-Methode. Dabei setzt die Glukoseoxidase Glukose zu Gluconsäure und Wasserstoffperoxid um. Zusammen mit dem H2O2 verändert die Peroxidase danach die Struktur des Chromogens. Der resultierende Farbwechsel gibt indirekt Aufschluss über den Glukosegehalt. Je höher die Glukosekonzentration, umso mehr schlägt die Farbe von Gelb nach Dunkelgrün um.

Die mittlere Nüchtern-Glukosekonzentration liegt beim Gesunden bei 4,2 bis 6,4 mmol pro Liter. Glukosekonzentrationen über 7 mmol pro Liter können einen Diabetes anzeigen. Passende Sensoren sollten nach Meinung der Forscher einen breiten physiologischen Bereich von 2 bis 20 mmol Glukose pro Liter überwachen können. Ihr Sensor kann sogar Spiegel von bis zu 50.0 mmol pro Liter detektieren.

Albumin zur Detektion von Leber- oder Nierenversagen

Der dritte dermale Sensor, ein Albumin-Sensor, besteht aus dem Indikator 3’,3’’,5’,5’’-tetrachlorphenol-3,4,5,6-tetrabromsulfophthalein. Dieser zeigt in Gegenwart von Proteinen einen Farbumschlag von gelb über hellgrün nach grün. Der physiologische Wert von Albumin in der interstitiellen Flüssigkeit liegt nach Angaben der Wissenschaftler bei 29 g pro Liter. Sinkende Albuminwerte können Leber- oder Nierenversagen bedeuten. Der von ihnen gewählte Farbstoff kann Konzentrationen von bis zu 5 g pro Liter anzeigen.  

Änderungen können auch quantifiziert werden

Sobald die Wissenschaftler den pH-Wert oder die Glucose- bzw. Albuminkonzentration in der Test-Schweinhaut veränderten, konnten sie Farbänderungen der tätowierten Bereiche beobachten. Die Farbeffekte waren aber nicht nur sichtbar. Sie ließen sich auch quantifizieren, und zwar mit Hilfe einer Smartphone-Kamera und einer App, die die aufgenommenen Farbänderungen in vergleichbare Zahlenwerte umwandelt.

Problemloses Monitoring möglich?

Nach Aussage der Autoren könnten solche Sensortattoos dabei helfen, Patienten am Point-of-care permanent zu überwachen, mit einer einfachen und kostengünstigen Technik. Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen und ältere Patienten könnten ihrer Meinung nach von dieser problemlosen Art des Monitorings profitieren. Außerdem hoffen die Wissenschaftler, die Methode auch auf die Messung von Elektrolyten, Krankheitskeimen oder den Dehydrierungszustand von Patienten ausweiten zu können. Ob Tattoos tatsächlich zu nützlichen diagnostischen Werkzeugen werden können, müsse sich aber noch in vielen weiteren Studien zeigen, so das vorläufige Fazit.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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