Versorgung ländlicher Regionen

„Unser Plan“ der Bundesregierung: Apotheken und Versender sollen sich abstimmen

Berlin - 06.08.2019, 07:00 Uhr

Familienministerin Franziska Giffey (SPD), Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellten im Juli dieses Jahres ihren Deutschland-Plan vor, dabei sind auch Apotheken und Versandhändler. (b/Foto: imago images / J. Schicke)

Familienministerin Franziska Giffey (SPD), Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellten im Juli dieses Jahres ihren Deutschland-Plan vor, dabei sind auch Apotheken und Versandhändler. (b/Foto: imago images / J. Schicke)


Was bedeutet „Abstimmung“?

Doch nicht nur die Apothekern, sondern auch der Versandhandel spielen in den Ideen der Bundesregierung für eine bessere Versorgung der ländlichen Räume eine Rolle. Als Schlussfolgerung der oben genannten Feststellung, dass die Apothekenversorgung in einigen Regionen ausgedünnt ist, erklärt die Arbeitsgruppe für Raumordnung: „Wir empfehlen mit stärkeren staatlichen Anreizen die ärztliche Versorgung zu sichern (z. B. Zuschussgewährung, kostengünstige Überlassung von Räumlichkeiten), eine Abstimmung des Versandhandels von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mit der ortsnahen Versorgung durch Apotheken sowie die Fortentwicklung und den Aufbau telemedizinischer Angebote.“

Was diese „Abstimmung“ zwischen Apotheken und Versendern genau zu bedeuten hat, bleibt allerdings ein Rätsel. Eine Nachfrage von DAZ.online im Bundesinnenministerium blieb unbeantwortet: Die Teile im „Unser Plan“ zur Gesundheitsversorgung seien vom Bundesgesundheitsministerium erarbeitet worden. Aus dem BMG hieß es kurz und knapp: „Unser Ziel ist ein fairer Wettbewerb zwischen Vor-Ort-Apotheken und Versandapotheken.“

Deutschlandatlas mit Apotheken-Erreichbarkeit

Schon seit 2016 betreibt das Landwirtschaftsministerium den sogenannten „Deutschlandatlas“, der Karten mit mehr als 50 Indikatoren zum Leben, Arbeiten und Wohnen in Deutschland enthält. Die Karten spielten auch in der Arbeit der Kommission eine Rolle und enthalten auch Angaben zur Erreichbarkeit von Apotheken. Dazu heißt es:


Im Mittel kann die nächste Apotheke in Deutschland mit dem Pkw in 7 Minuten erreicht werden. 84 Prozent der Bevölkerung können die nächste Apotheke mit dem Pkw in maximal 5 Minuten Fahrzeit erreichen, 13 Prozent der Bevölkerung benötigten zwischen 5 und 10 Minuten. In wenigen ländlichen Regionen sind Fahrzeiten von über 15 Minuten notwendig, regional gehäuft ist das in dünn besiedelten Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und dem nördlichen Sachsen-Anhalt sowie entlang der Südgrenze Bayerns der Fall.“


Erreichbarkeit von Apotheken im Deutschlandatlas des BMEL. (Foto: BMEL)

Auf Basis der Kommissionsergebnisse hat die Bundesregierung Mitte Juli einen Maßnahmenplan beschlossen, der zwölf Punkte vorsieht. Die Gesundheitsversorgung wird hier jedoch nicht mehr explizit erwähnt. Vielmehr geht es unter anderem um Wirtschaftsförderungen für strukturschwache Regionen, die Schaffung neuer Arbeitsplätze, den Ausbau von Breitband und Mobilfunk, die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und die Stärkung der Städtebauförderung und des sozialen Wohnungsbaus.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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9 Kommentare

Kein Plan x 3 ... aber mit Fototermin ... auf (Innen)-Minister ...

von Christian Timme am 08.08.2019 um 7:23 Uhr

Wichtigstes an diesem Plan war die Koordination des Fototermins und die termingerechte Produktion des Tableau mit falscher Anordnung der Ministerien ...

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Abstimmung

von Roland Mückschel am 07.08.2019 um 17:00 Uhr

Wisst ihr was Politiker?
Mein Magen hat auch abgestimmt.
Und der kotzt Euch gleich auf den Tisch.
Was seid Ihr schlecht, meine was ist mir schlecht.

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Bitte um Erklärung

von Stefan Haydn am 06.08.2019 um 20:34 Uhr

Jetzt muß man mir von Seiten der Politik doch bitte einmal erklären, was ich mit dem Versandhandel abstimmen soll?
Wäre eine Anpassung meiner Leistung an den Versandhandel gewünscht, oder wie soll ich das verstehen?

Das würde dann also in Zukunft bedeuten mir für eine Rezeptbelieferung 2-3 Tage Zeit zu lassen, bei Lieferproblemen nach zwei Wochen die Rezepte kommentarlos zurückzugeben, wenn überhaupt, dann nur bestimmte Rezepturen nach vorheriger Nachfrage ob Anfertigung möglich herzustellen, Umsatzsteuer zu hinterziehen, Zwangsgelder nicht zu bezahlen, keine Gewinne auszuweisen, falsche Quittungen auszustellen, Einkaufsbeschränkungen zu ignorieren, Beratung nur noch Anforderung, Arzneimittel vor Anwendung erstmal unkontrolliert der Umgebungstemperatur auszusetzen (vielleicht 2-3 Stunden mal in die Sonne oder Kälte legen?), Fachpersonalschlüssel darf ich ignorieren, und Notdienste und BTM-Belieferung oder Substitutionstherapie lehne ich dann mal freiweg ab?

Wenn das so ist, kann ich nur sagen:

Super, willkommen in der schönen, neuen, entspannten Apothekenwelt!

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unglaublich dreist

von ratatosk am 06.08.2019 um 18:39 Uhr

Jetzt sollen wir auch noch für die Zeit des Untergangs die großkapitalistischen Strukturen stützen bis alles über die Bühne gegangen ist. Alles was aufwendig und schlecht bezahlt ist, dürfen wir wohl übernehmen.
Wohl die Angst, daß doch beiden negativen Folgen etwas auf die politischen Verursacher zurückfällt. Warum sollte ein Ministerium auch was erkären können, die haben die letzten 20 Jahre schon keinen Plan und Kompetenz, außer für die Anforderungen des Großkapitals.

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"Abstimmen" im Wettbewerb ?

von Dirk Krüger am 06.08.2019 um 13:30 Uhr

"Abstimmen" in einem von der Bundesregierung gewollten beinharten (Preis-)Wettbewerb mit ungleich langen Spießen - geht´s noch ? Dann haben wir nach dem sicheren Abschmettern des Gesetzentwurfs durch die EU auch noch das Kartellamt an der Backe. Die spinnen die Römer - äh, die (Regierungs-)Germanen.

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2 Welten

von Dr Schweikert-Wehner am 06.08.2019 um 11:02 Uhr

Und da sind sie wieder. Die 2 Welten

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was heißt das?

von Karl Friedrich Müller am 06.08.2019 um 9:38 Uhr

"Aus Sicht der Bundesregierung sollen sich Apotheker und Versandhändler bei der Landversorgung künftig „abstimmen“. Was das genau bedeuten soll, konnte kein Ministerium genau erklären."

Ist doch klar: einfach inhaltsloses Geschwafel, wie so oft.
Es wird so getan, als ob das Problem erkannt und beseitigt wird. In Wirklichkeit interessiert es nicht und ist nur Wahlkampfmunition.
Die Bevölkerung und ihre Bedürfnisse sind einfach nicht wichtig. (geht am popo vorbei)

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Zuschuß?

von Peter Bauer am 06.08.2019 um 9:17 Uhr

Die schlechter werdende ärztliche Versorgung auf dem Land sehe ich nicht primär als finanzielles Probleme an,sondern viele schrecken wahrscheinlich vor dem zu erwartenden Arbeits-und Zeitaufwand einer Landarztpraxis zurück.Das Anspruchsdenken und das Verlangen der Patienten haben sich in den letzten Jahren erheblich gesteigert.
Bei Apotheken auf dem Land ist das Problem ein finanzielles.Die Politik drückt sich vor der Tasache die eigentliche Arbeit adäquat zu honorieren.Stattdessen
versucht sie einer angemessenen Honorierungsanpassung durch "neue Dienstleistungen" rauszureden.Die Apotheke muß aber ihre tägliche Hauptaufgabe erfüllen können.Dazu braucht Sie Personal ,das bezahlt werden muß.Wenn ich mir überlege,dass ich für einen 24Stundensonntagsdienst gerade mal 10€ die Stunde erhalte,übrigens weniger als meine Putzfrau,obwohl ich neben meinem Arbeitseinsatz noch mein gesammtes Apothekenequipment zur Verfügung stelle,dann läuft irgendetwas komplett
falsch.Den "Notdienstumsatz"kann man getrost beiseite lassen,wie die letzten 25Jahre Dienst gezeigt haben.Aber mit dem Apothekenstärkungsgesetz gibt es jetzt ja "erheblich" mehr.
Solange die "normale" Arbeit nicht mehr bezahlt wird,werden die Apotheken immer weniger.
Und weil ich mich nicht mehr länger veräppeln lassen will,sperre ich auch Ende des Jahres meine Apotheke zu,was ich als einzige mögliche Konsequenz sehe,um nicht mehr als blöd betrachtet zu werden.
Warum gibt es eigentlich immer genügend Zahnärzte?

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!

von Anita Peter am 06.08.2019 um 8:01 Uhr

Bundesregierung: Apotheken und Versender sollen sich abstimmen

Koalitionsvertrag: Wir wollen uns für ein Versandverbot von RXAM einsetzen

Ergebnis: Wahlbertrug

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