Provokanter Antrags-Vorschlag

DAT soll um Sterbehilfe für Apotheken bitten

Berlin - 26.07.2019, 17:45 Uhr

Wie viele Apotheken will die Politik wirklich? Ein Apotheker aus Niedersachsen sucht Aufmerkamkeit mit einem Vorschlag für einen DAT-Antrag. (Foto: Schelbert)

Wie viele Apotheken will die Politik wirklich? Ein Apotheker aus Niedersachsen sucht Aufmerkamkeit mit einem Vorschlag für einen DAT-Antrag. (Foto: Schelbert)


Mit der „Mär des reichen Apothekers“ aufräumen

Für seinen Antrag liefert Weiler auch eine Begründung mit: Ein solcher Schritt sei nach den vergangenen zwei Jahren „weitgehend erfolgloser Bemühungen der ABDA, der Politik die Vorteile einer kleinteiligen Apothekenlandschaft verständlich zu machen“ konsequent und geeignet unverschuldete Privatinsolvenzen und Familientragödien zu vermeiden oder den Schaden zu begrenzen. Denn: „Das Vorgehen der Politik des achselzuckenden Aushungerns einer ganzen Branche, deren Akteuren man zuvor das volle unternehmerische Risiko persönlich aufgebürdet hat, ist inakzeptabel und menschenverachtend“.

Weiler empfiehlt dieses Vorgehen „nicht zuletzt auch in der Hoffnung mit einer solchen durchaus Aufsehen erregenden offiziellen Forderung seitens der Apothekerschaft in der Politik wie auch der Öffentlichkeit einen – wenn auch späten – Gesinnungswandel herbeizuführen“. Bitte die eigene Branche offiziell um „Sterbehilfe“, könne ein für alle Mal mit der „Mär des reichen Apothekers“ aufgeräumt werden. Weiler ist überzeugt: Wenn z.B. die Bild-Zeitung titeln würde „Apotheker bitten um Sterbehilfe“, dann würde sich dem Thema sicher keiner entziehen können.

Ferner, so Weiler in seinem Antrag, würden die „langfristigen verheerenden Folgen für die Arzneimittelversorgung, die diese Regierung aktuell durch Nichthandeln (kein RxVV) herbeiführt, aber eben wegen dieser Langfristigkeit später selbst nicht verantworten muss“, in die unmittelbare Gegenwart geholt. Der Pharmazeut meint: Dann muss die Politik hier und heute Stellung beziehen. Auch dem Lamentieren über „zu viele Apotheken“ werde „der Wind aus den Segeln genommen und stattdessen die berechtigte Verlustangst erzeugt, ein gewohntes Kulturgut endgültig zu verlieren“.

Nicht zuletzt würde der politisch offenbar gewünschte Prozess der „Marktbereinigung“ seitens der Apothekerschaft aktiv begleitet anstatt unwürdig erlitten. Und: „Es werden gerade noch rechtzeitig dringend benötigte pharmazeutische Fachkräfte dem Markt zur Verfügung gestellt, bevor noch mehr gut gehende profitable und gesellschaftlich notwendige Betriebe mangels Personal schließen müssen, anstatt dass ohnehin todgeweihte Betriebe diese Ressourcen zu lange blockieren“.

Zum Schluss seines Briefes an die ABDA ruft Weiler nochmals dazu auf, die Bundestags-Petition von Benedikt Bühler mitzuzeichnen.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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6 Kommentare

Manche Übertreiben

von Mike72 am 28.07.2019 um 14:43 Uhr

Manche Übertreiben hier wirklich furchtbar. In manchen Ecken gibt es einfach klar zuviele Apotheken. Ich wohne in der Stadt und habe im Umkreis von 750 Meter genau 10 Apotheken.
Bei mir 5 weniger und diese dafür dann auf dem Land würde niemandem Schäden...

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Was die ABDA kann ... können die Apotheker besser ...

von Christian Timme am 27.07.2019 um 17:48 Uhr

"den Sand im Getriebe spielen" und dieses "Konstrukt" selbst zum einstürzen bringen.

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Karten auf den Tisch

von Norbert Veicht am 27.07.2019 um 11:13 Uhr

Sehr gut! So legt vielleicht ja doch mal der eine oder andere die Karten auf den Tisch und sagt, was angestrebt wird. Es macht schlichtweg keinen Sinn Unternehmer mit uneingeschränktem Risiko zu sein, ohne halbwegs klare Sicht auf die weitere Entwicklung.

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Glaeske

von Conny am 27.07.2019 um 10:11 Uhr

Na ja, Glaeske wird nicht mehr alles erleben , zu alt

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Super Idee

von Dr Schweikert-Wehner am 26.07.2019 um 18:25 Uhr

Und noch eine: Bitte mal über Verstaatlichung der Apotheken nachdenken. Alle unter 1.500.000 € Umsatz bekommt der Staat geschenkt, inclusive Warenlager. Dafür werden Inhaber und alle Mitarbeiter Beamte auf Lebenszeit.

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AW: Super Idee

von ratatosk am 26.07.2019 um 18:36 Uhr

Tolle Idee, mache mit, sogar wenn der Karl dann für ein paar Jahre mein Chef sein könnte, als Beamten juckt mich das dann nicht mehr. Dann können die Laiendarsteller von Gesundheitspolitikern ja endlich die dutzenden von Milliarden an Wirtschaftlichkeitsreserven heben. In Frankreich hat man eine vergleichbare Abschlachtprämie vor einigen Jahren erfolgreich durchgezogen. In manchen Gegenden fährt man jetzt zwar ein paar Stunden, aber Karl und Glaeske können das sicher besser .

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