Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

14.07.2019, 08:00 Uhr

Unsere Apothekenreform und ihre Folgen – sie kann noch „lustig“ werden. (Foto: Andi Dalferth)

Unsere Apothekenreform und ihre Folgen – sie kann noch „lustig“ werden. (Foto: Andi Dalferth)


10. Juli 2019 

Der neue Rahmenvertrag bringt einige Änderungen für die Apotheken, an die man sich erst gewöhnen muss. Vor allem die Abgabe von Importen und die Auswahl von Generika bei einer generischen Substitution ist komplizierter und verworrener geworden. Bei solch vertrackten Änderungen ist es kulant und üblich, mit den Krankenkassen eine mindestens einmonatige „Friedenspflicht“ zu vereinbaren: Macht die Apotheke bei der Arzneiauswahl einen Fehler, wird nicht retaxiert. Der Deutsche Apothekerverband hat sich bemüht und eine Friedenspflicht mit dem GKV-Spitzenverband ausgehandelt. Der GKV-Spitzenverband ist diesem Wunsch nachgekommen, er hat eine Empfehlung an seine Mitgliedskassen ausgesprochen, sich daran zu halten – mehr könne man nicht tun. Während sich die TK, die Barmer und die AOK BW an die Friedenspflicht halten wollen, ist das bei vdek-Kassen nich der Fall. Die DAK will eine Friedenspflicht nicht akzeptieren. Man wolle allerdings, so hieß es bei der DAK, Einzelfälle mit Augenmaß prüfen und im Zweifel zu Gunsten der Apotheker berücksichtigen. Mein liebes Tagebuch, ist ja nett, wie generös sich da manche Kassen geben, aber es wäre der DAK keine Zacke aus der Krone gebrochen, wenn sie sich auch bereit erklärt hätte, noch einen Monat lang still zu halten. Aber ein gutes Miteinander zwischen Kassen und Apotheken bleibt nach wie vor eine der schwierigsten Übungen. Dieses lästige Kleinklein und dieser Hickhack mit den Kassen wegen läppischen Centbeträgen bei der Arzneimittelauswahl ist unserem Status und unserer Ausbildung unwürdig. Hoffentlich kommt bald die Software, die diesen Quatsch selbstständig übernimmt und steuert, und das Drohwort Retax der Vergangenheit angehört. 


Also, jetzt ist’s vom Bundeskabinett beschlossen: das Digitale Vorsorge-Gesetz (DGV). Bis zum 30. September 2020 haben wir Apothekers Zeit, dann müssen wir an die Telematikinfrastruktur, an die Datenautobahn im Gesundheitswesen, wie es so schön heißt, angebunden sein. Dann erst werden z. B. E-Rezepte und Medikationspläne von den Arztpraxen an die Apotheken versandt werden können. Ob die Frist ausreicht, steht in den Sternen, ein gutes Jahr ist nicht lang für ein solches Projekt. Gefühlt werden Termine, die mit der Digitalisierung und mit Software zusammenhängen so gut wie nie eingehalten. Zum Glück sind keine Sanktionen vorgesehen, wenn die Frist nicht ausreicht. Ob wir das alles mögen oder nicht, mein liebes Tagebuch, wir sollten jetzt selbst ein starkes Interesse daran haben, dass wir an die Datenautobahn angeschlossen werden und E-Rezepte beliefern können. Denn mit Sicherheit werden unsere lieben niederländischen Versandhäuser alles daran setzen, von Anfang an dabei zu sein. Diese Vorsprung sollten wir ihnen nicht gönnen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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10 Kommentare

Das Leben und Sterben als Zombieunternehmen

von Bernd Jas am 14.07.2019 um 13:52 Uhr

Guten Morgen Herr Ditzel,
gute Morgen liebe Knötterköppe.

Lieber Herr Ditzel haben Sie mal überlegt was es bedeutet, wenn Sie sagen: "Hoffentlich kommt bald die Software, die diesen Quatsch selbstständig übernimmt und steuert, und das Drohwort Retax der Vergangenheit angehört."?
Da wurde doch mittlerweile eine ganze Industrie (mit Bullshitjobs) aufgebaut, die sich nicht wieder so einfach wegrationalisieren lässt. Angefangen mit dem Unwort Retaxzentrum, geht es weiter mit Präqualifizierungsargenturen und endet auch noch lange nicht in unseren Ämtern, sondern geht bis in die "höchsten" Ebenen der europäischen Verwaltung. Heraus kommt dabei eine seelenbetäubende Kakophonie an Verordnungen und Gesetzen auf unser aller Kosten.
Was passiert wenn das wegfällt? Schön wär´s!
Parallelen hier zur Automobilindustrie, die sich bei uns mit allen zu verfügung stehenden Mitteln gegen die Elektromobilität und gegen die KI zum autonomen Fahren stemmt um Ihre Pfründe zu sichern. Die Politik spielt wegen der hunderttausenden Arbeitsplätze fein mit. Ob das Sinn macht oder nicht. Da hätte man schon vor fünfzehn Jahren mal vorausschauend planen können.
Wie bei uns; wobei ich ganz mit der Meinung von Herrn R. Herzog auch gegen Strom schwimme. Da ist schwer der Wurm im (nicht mal denkmalgeschützten) Gebälk.

Je länger wir am Tropf hängen desto schwerer wird der Neuanfang.
Es wird aller, aller höchste Zeit.

Und noch ein Wort zu den Abholfächern:
Und wer schützt uns vor Trivialisierung "liebe" ABDA??
Ihr seit unwürdige Ausbremser und gehört gekündigt.
Und mit dem DAV bin ich seit dem neuen Rahmenvertrag auch langsam durch.

SO, basta.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Das Leben und Sterben als ... DAV-Zombi ...

von Christian Timme am 14.07.2019 um 15:02 Uhr

Der DAV und nicht nur die vom ihm "besetzten Softwarehäuser" verpflichten sich im Rahmen der Umstellungsmaßnahmen zum e-Rezept gemeinsam mit den Krankenkassen eine No-Retax-Software für die Apotheken zu entwickeln und kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die Unterstützung von Herrn Minister Spahn darf wohl vorausgesetzt werden?. Die Deutsche Apothekerschaft bedauert den dadurch eintretenden "Mitarbeiterschwund" in gewissen "Servicebereichen" einschließlich der sich daraus ableitenden "Kosteneinsparungen" nebst weiterer "Verzichte". Die "gewonnen Erfahrungen" sollten in weitere "Projekte" einfließen um das Zusammenwirken der Leistungserbringer mit den "Nicht-Leistungserbringern" zu fördern ...

AW: Das Leben und Sterben als

von Karl Friedrich Müller am 14.07.2019 um 15:03 Uhr

Was passiert in diesem Land, in der EU? Entscheidungen sind mit normalem Verstand nicht nachvollziehbar.
Wenn ich dann bei Wimmer lese, wie und warum sich das Land verändert hat, wird mir ganz schlecht.
Früher diskussionsfreudige Parlamente, sind diese zu abnickenden Zombies mutiert, weil die Abgeordneten sich nicht mehr um einen Posten zur Volksvertretung bewerben, sondern um die gut dotierten Posten, die von den Parteien und Konzernen vergeben werden. Der Preis dafür ist das Abnicken deren Wünsche. Wer nicht mit zieht, ist draußen.
Da verwundert die Politik Spahns nicht mehr.
Was wurde mit unseren Kammern und Verbänden angestellt, dass sie sich so sehr gegen uns engagierend? Umfallen?
Drohungen, Versprechen? Ich bin mir sicher, dass Einfluss genommen wurde
Diejenigen, die hier diskutieren, sind alle (vermutlich) nicht mehr ganz jung und demokratische Strukturen und Auseinandersetzungen gewohnt. Die Jüngeren sind aus irgend einem Grund eine Jasager Generation geworden. Die ganz Jungen scheinen sich wieder wehren zu wollen. Ein Hoffnungsschimmer.
Zudem hat, wie Sie schön schreiben, ein Regiment von Typen das Sagen übernommen, die nicht als heiße Luft für alle produzieren, um allen das Leben so sauer wie möglich zu machen. Unproduktive Leute mit Bullshitjobs produzieren für und Bullshitarbeiten, den Tag ausfüllend und absolut nutzlos.
Weil sie gar nichts ändern, keine Sicherheit bringen. Die wurde durch konzernfreundliche Entscheidungen der Politik schon abgeschafft.
Eigentlich hab ich keine Lust mehr zu kommentieren. Dann kann ich es wieder nicht lassen.
Ich bin alt und will einfach meine Kunden bedienen so gut es geht, kundenfreundlich und nich KK gesteuert, Kammergesteuert oder Politik beeinflusst..
Diejenigen, die es wirklich noch betrifft, könnte auch mal ihren Arsch hochnehmen. Und nicht nur warten, bis wir endlich aufhören und in Rente gehen.

AW: Leben und Sterben als ....“Kammerz-Zombie“

von Gunnar Müller, Detmold am 14.07.2019 um 19:44 Uhr

@ Karl Friedrich: Da gehen bei mir doch dermaßen alle Daumen ’rauf…
Dann sind wir ja immerhin schon zu zweit.

Kosten-Nutzen-Verhältnis ... die ABDA ist das Geld nicht wert ...

von Christian Timme am 14.07.2019 um 10:21 Uhr

... das „Monopol-Stimmchen“ der ABDA wird „brüchig“ und bereits von einer anderen Stimme nicht nur übertönt sondern auch „inhaltlich“ überholt. Wenn der Kuck(uck), Sorry, aus dem Blätterwald ruft, wird er nicht nur gelesen und gehört ... mal sehen ob der „Umsichtige“ in den Ruf „einstimmt“ und den Ruf verstärkt? ... ach so ... die Apothekerleins ... immer noch ohne eigene Stimme?

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Antwort nötig

von Reinhard Rodiger am 14.07.2019 um 10:03 Uhr

Wenn das Kartellamt den vor 10 Jahren induzierten Preiskampf und dessen Wiederholung als "wirtschaftlich sinnvoll" erachtet,
dann ist die einzige Antwort: DANN WIRD NUR GEMACHT, WAS BEZAHLT WIRD.
Das muss der Politik klar gemacht werden.Sie ist in der Verantwortung , Missbrauch der Macht zu kontrollieren und Verbraucher und die erforderliche Leistung zu ermöglichen.Die Lieferprobleme sind Warnzeichen genug, welche Folgen "wirtschaftlich sinnvoller" Preiskampf hat..Wer nimmt es wahr ?
Nicht die Verantwortlichen.

Die Verbraucher müssen verstehen, dass ein funktionierendes System amputiert wird und die Politik, dass sie ihren Auftrag nicht erfüllt. Es muss klar werden, dass nur gemacht wird, was bezahlt wird. Dann kann entschieden werden, ob das dem Auftrag entspricht.Vorher besteht ja kein Interesse.

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Ankerpreise

von Ulrich Ströh am 14.07.2019 um 8:39 Uhr

In Zeiten von Ankerpreispharmazie die Abholfächer von Präsenzapotheken verbieten zu wollen...
In welcher aktuellen pharmazeutischen Welt leben unsere Standesvertreter?

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Langsames Sterben

von Conny am 14.07.2019 um 8:39 Uhr

Die Apotheken liegen quasi im Hospiz

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.

von Anita Peter am 14.07.2019 um 8:32 Uhr

Weg von der inhabergeführten Heilberuflichkeit, hin zur ausländischen Versorgung durch das Großkapital.
Brav begleitet von der ABDA, die lieber den Vor Ort Apotheken noch ein paar Knüppel zwischen die Beine wirft, anstatt mal laut "Stopp so nicht!" zu rufen.

Wir werden finanziell ausgehungert und ins Wettrennen mit dem ausländischen Großkapital geschickt. Die ABDA unternimmt nichts um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Und der DAV handelt einen Rahmenvertrag aus, bei dem sich die Kassen jetzt schon die Retax-Händchen reiben.

Wenn sich die Politik nicht eindeutig hinter dem jetzigen System der Arzneimittelversorgung positioniert ( Nicht nur Lippenbekenntnisse, da haben wir genug ), dann sollte man wenigsten das ganze System konsequent umbauen. Weg mit dem FBV, weg mit der Preisbindung etc etc. Dann wollen wir mal sehen ob in 10 Jahren im Flächenland Deutschland die Arzneimittelversorgung noch funktioniert.

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Krasse Fehlentwicklung

von Derimmerwaszumeckernhat am 14.07.2019 um 8:25 Uhr

Uns Apotheken gönnt man nicht mal das Skonto. Im Klinikbereich wandern 16-18% der Beiträge zu den Investoren
https://www.medical-tribune.de/praxis-und-wirtschaft/niederlassung-und-kooperation/artikel/investoren-im-gesundheitswesen-aerzte-als-spekulationsobjekte/

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