Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

Hanke: Apothekenreform begleiten statt an Maximalforderung festhalten

Stuttgart - 11.07.2019, 09:00 Uhr

Baden-Württembergs Kammerpräsident Günter Hanke will die Apothekenreform des Bundesgesundheitsministeriums fortan konstruktiv begleiten. (c / Foto: Schelbert)

Baden-Württembergs Kammerpräsident Günter Hanke will die Apothekenreform des Bundesgesundheitsministeriums fortan konstruktiv begleiten. (c / Foto: Schelbert)


Auch in Baden-Württemberg ist der standespolitische Gegenwind für die Apothekenreformpläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn allmählich abgeflaut. Bei der gestrigen Vertreterversammlung in Stuttgart ging es vor allem darum, den Delegierten die zahlreichen Gesetzentwürfe aus dem Ministerium zu präsentieren und einzuordnen. Kammerpräsident Dr. Günther Hanke hielt sich mit seiner Kritik an den Reformvorhaben auffallend zurück. Stattdessen ist man stolz auf das E-Rezept-Pilotprojekt GERDA, das als Vorbild für die bundesweite Lösung dient.

Ende Dezember fand Baden-Württembergs Kammerpräsident Dr. Günther Hanke noch deutliche Worte auf die Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Damals hatte der CDU-Politiker der ABDA-Mitgliederversammlung unter anderem vorgeschlagen, die Rx-Boni ausländischer Versender auf 2,50 Euro festzuschreiben. Hanke kritisierte damals, dass Spahn seine Reformpläne nicht einmal mit dem eigenen Haus abgestimmt hätte und die Apotheker unter Druck gesetzt haben soll.

Der Vorstand der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hielt es zudem für unwahrscheinlich, dass eine ebenfalls angekündigte Regulation der Marktanteile des ausländischen Versandhandels überhaupt durchsetzbar sei. In einem Brief an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt ging Hanke daher hart mit der Vorgehensweise des Ministers ins Gericht: „Aus unserer Sicht ist es eine erpresserische Art und Weise, mit der wir zur Annahme des ‚Ministerpakets‘ gedrängt werden.“

Resolution der Delegierten im November 2016

Mehr als ein halbes Jahr später scheinen die Wogen im Großen und Ganzen geglättet zu sein. Der Gesundheitsminister hat für sein geplantes „Apotheken-Stärkungsgesetz“ immerhin einige seiner ursprünglichen und von der Standesvertretung massiv kritisierten Pläne verworfen. Vor allem werden Rx-Boni nicht mehr konkret definiert. Auch die Regulation der Marktanteile ausländischer Versender ist kein vorgesehenes Instrument mehr. Dafür müssen die Apotheker akzeptieren, dass es kein Rx-Versandverbot geben wird und die Gleichpreisigkeit vom Arzneimittelrecht ins Sozialrecht wandert.

Im November 2016, wenige Wochen nach dem EuGH-Urteil zur deutschen Arzneimittelpreisbindung, war es die Delegiertenversammlung Baden-Württemberg, die mit einer Resolution gegen den Rx-Versandhandel als eine der ersten Kammern ein deutliches Zeichen nach außen setzte.

Hanke: „Der politische Wille fehlt“

Doch von dieser Maximalforderung rücken seit einigen Wochen immer mehr Kammern und Verbände öffentlichkeitswirksam ab. Hintergrund: Die ABDA-Mitgliederversammlung Ende Juni hatte zum Ergebnis, dass man das Rx-Versandverbot in Zukunft als „Handlungsoption“ ansehe und das Apotheken-Stärkungsgesetz dagegen konstruktiv begleiten wolle. In ihrer letzten Ansprache als Kammerpräsidentin von Niedersachsen versuchte Magdalene Linz am Tag nach der Mitgliederversammlung dieses Vorgehen ihren Delegierten zu erklären.

Baden-Württembergs Kammerpräsident Günther Hanke hielt sich dagegen mit Erklärungen gestern zurück. Es sei einfach kein politischer Wille da, weder für ein Rx-Versandverbot noch für eine Konfrontation mit den EU-Organen beim Thema Gleichpreisigkeit. Das müsse man als Standesvertretung realisieren und akzeptieren sowie die Reformpläne konstruktiv begleiten, statt an Maximalforderungen festzuhalten.

GERDA – Erfolgsprojekt aus Baden-Württemberg

Begleitet wird in Baden-Württemberg vor allem das gesundheitspolitische Ziel, dass Patienten bald ihre Arzneimittel per elektronischer Verordnung erhalten können. Das Pilotprojekt GERDA (Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken) soll für Patienten noch im Herbst 2019 starten. Das Projekt der Kammer und des Verbandes ist in das laufende Ärzte-Modellprojekt „DocDirekt“ implementiert, bei dem die Mediziner in Online-Sprechstunden beraten und auch verordnen. Die Landesregierung fördert die Initiative mit rund einer Million Euro. Ab November, wenn die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) ein passendes Arzt- und Patientensystem entwickelt hat, können Patienten dann das E-Rezept nutzen. GERDA soll zunächst in den Pilot-Apotheken der Region Stuttgart und des Kreises Tuttlingen getestet werden und ab Anfang 2020 dann in allen Apotheken in Baden-Württemberg etabliert sein.

Doch damit ist GERDA noch nicht am Ende: Das ABDA-Tochterunternehmen NGDA (Netzgesellschaft Deutscher Apotheker) entwickelt derzeit auf dieser Grundlage das E-Rezept für die gesamte Apothekerschaft in Deutschland. Einen Überblick über das Projekt verschaffte am Mittwoch der NGDA-Geschäftsführer Christian Krüger den Delegierten.



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Welche Zukunft haben wir noch zu erwarten?

von Heiko Barz am 12.07.2019 um 11:20 Uhr

Erleben wir hier die Kastration der Apothekerschaft „ohne Betäubung“ ?
Die angesprochene 30 / 70% „Regel“ gibt mir doch sehr zu denken.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Ist Akzeptanz jetzt Widerstand?

von Christian Timme am 11.07.2019 um 12:32 Uhr

Begleitungen münden in Scheidungen ... aus konstruktiv wird destruktiv ... aus Bla wird BlaBla ... ist das schon die Zukunft?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Schlechtes Timing ...

von Reinhard Herzog am 11.07.2019 um 10:51 Uhr

Ich finde es ja schon einigermaßen spannend und beachtenswert, ausgerechnet jetzt die Positionen zu räumen, die noch vor einigen Monaten als absolut unverrückbar galten (v.a. Rx-VV).

Jetzt, wo in wenigen Tagen womöglich ein Gesundheitsminister Spahn Geschichte ist (da Ursula von der Leyen wohl EU-Kommissionspräsidentin wird und Spahn dann vielleicht Verteidigungsminister).

Und in diesem Szenario könnte durchaus eine Annette Widmann-Mauz (ursprünglich aus Baden-Württemberg / Tübingen) Herrn Spahn nachfolgen. Frau Widmann-Mauz hat nochmals eine andere Sicht auf die Dinge, aber was soll sie sagen, wenn sie solche Äußerungen aus den Reihen der Apotheker vorfindet?

Wie gesagt, schlechtes Timing.
Rennen werden auf den letzten Metern entschieden.
Wer dann wenige Meter vor der Ziellinie Tempo rausnimmt oder gar die Bahn verlässt, hat eben verloren. Mit einer Niederlage arrangieren kann man sich ggf. hinterher immer noch.

Das schreibt jemand, der ansonsten die ganze Verbots- und Regulierungspolitik sehr kritisch sieht.

P.S.: Oder ist das Scheitern des Rx-VV und womöglich noch der Gleichpreisigkeit gar keine Niederlage, sondern ein weiterer Sieg der "Großen" über die "Kleinen"? Vom Kollegen gegenüber kann man immer noch mehr holen als einem der Versand (zumindest kurz- und mittelfristig) abspenstig machen kann. Solche Überlegungen liegen zumindest in der Luft, unabhängig von der betriebswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Schlechtes Timing

von Ulrich Ströh am 11.07.2019 um 11:18 Uhr

Ob Frau Linz, Herr Hubmann oder jetzt Herr Hanke:
Alle rudern in dieser Woche zurück...

Zum aktuellen Zeitpunkt hasenfüßig unterwegs zu sein , das ist wieder ein Rückpass ins eigene Tor.
Kurz vor dem Abpfiff.

Und einfach das falsche Signal an die Politik.

AW: Schlechtes Timing

von Anita Peter am 11.07.2019 um 11:28 Uhr

Chapeau, alles auf den Punkt gebracht. Dass unsere Standesvertretung mit den unteren 30% abgeschlossen hat, hat ja Schmidtchen schon vor 2 Jahren rausposaunt, als er Studenten davor gewarnt hat kleine Buden zu kaufen.
Und Sie haben vollkommen Recht. Die oberen 70% geben etwas an der Versand ab, erhalten aber die Umsätze der unteren 30%.

AW: Schlechtes Timing

von Dr.Diefenbach am 11.07.2019 um 11:57 Uhr

Den Worten von Herrn Ströh ist wenig hinzuzufügen.Mich wundert immer wieder,wie grossvolumig(ich drücke es so aus wie Apotheker es wünschen...) man bei Apotagen oder sonstigen Veranstaltungen auftritt,dafür dann derartige Rückschritte,die eben NICHT mit vernünftigem Menschenverstand zu begründen sind,gegenüber der Politik macht!DAS führt dazu,dass von allen Seiten die Daumenschrauben immer weiter angezogen werden,die Lächerlichkeit steigt und die Bereitschaft,uns wirtschaftlich korrekt (!!!) zu behandeln,gegen Null geht.Von der Frustration der Basis rede ich gar nicht erst.Wenn die Sache amazonisiert ist,bleibt allerdings für die humane Betreuung mehr Zeit,weil die KollegInnen uU daheim weilen.amazon et al.arbeiten mit Logitikcentern.Wir aber sind nicht mal mehr logisch.

Minimalforderung

von Jan Kusterer am 11.07.2019 um 10:17 Uhr

15% mehr für 15 Jahre Nullrunde.
Das ist eine Minimalforderung. Nicht hoffen auf Geld für Leistungen, wo keiner weiß was, wo, wie und wer sie machen soll neben dem ganzen Bürokratiewahnsinn.

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Maximal ???

von Mathias Mallach am 11.07.2019 um 10:07 Uhr

Ich lese immer wieder "Maximalforderung".

Maximal wären angemessene 2 Mrd. € Honorar mehr, RXVV, vernünftige Verträge und weniger Bürokratie, dazu Einbindung der Apotheker ins deutsche Gesundheitssystem.
Alles, worüber hier diskutiert wird, kratzt nicht mal an der "Minimalgrenze".
Hört mit dem Schwachsinn auf !

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